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StartseiteCampus & KarriereMehr Stress als Urlaub07.07.2018

Eltern als FerienmanagerMehr Stress als Urlaub

Fußballcamp, Urlaubsreise, Freibad, Kurztrip zu den Großeltern: Kinder und Jugendliche wünschen sich in den Ferien vor allem eines: Viel Abwechslung. Doch was für Schülerinnen und Schüler Spaß und Abenteuer ist, bedeutet für die Eltern meistens nur eines: Jede Menge Stress.

Von Thomas Wagner

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Kinder spielen am 20.05.2014 im Freibad Prinzenbad in Berlin unter pilzförmigen Brunnen. (picture alliance / dpa /  Hauke-Christian Dittrich)
Sechs Wochen im Freibad? Was früher völlig normal war, ist vielen Kindern von heute zu langweilig. Sie fordern von ihren Eltern mehr Abwechslung. (picture alliance / dpa / Hauke-Christian Dittrich)
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Endlich Ferien! Was für die Schülerinnen und Schüler Anlass zu großer Freude ist,

"Ausschlafen! Was hat man Besseres zu tun als ausschlafen?"

"In den Ferien? Ich gehe in den Urlaub, nach Belgien. Und dann geh ich zu meiner Tante. Ja!"

sehen vor allem berufstätige Mütter und Väter doch ein wenig skeptisch:

"Sechs Wochen ist echt ein verdammt langer Zeitraum: Man muss die Kinder ja irgendwie bespaßen."

"Das ist mehr Stress als Erholung mit diesen Kindern. Das ist mehr Stress als Erholung, muss ich schon sagen."

Mit den Sommerferien kommt der Stress

So Marion Kynaß aus dem oberschwäbischen Wolfegg und Mauro Schulz aus Friedrichshafen am Bodensee. Will heißen: Für viele Eltern tritt mit Beginn der großen Sommerferien eine ungewohnte Situation ein: Die Kinder müssen nicht mehr in die Schule - was also tun mit ihnen? Wegfahren, weit weg – das ist eine Alternative:

"Ja, wir fahren nach Rimini, Italien und nach Freiburg, Europapark."

Aber eben keine sechs Wochen am Stück. Und dann?

"Also in dem Fall gibt es ein Minimalst-Angebot meiner Gemeinde, wo ich dann die Kinder wenigstens eine Woche lang den Vormittag abgeben kann. Den Rest muss man dann halt irgendwie schauen."

Spannung, Spaß und Spiel

Julia, die das Gymnasium in Friedrichshafen besucht, reist mit ihren Eltern, die aus dem Kosovo stammen, zu ihren Großeltern.

"Mein Vater kommt dort her. Wir gehen dahin, besuchen die, gehen mit dem Traktor irgendwo hin. Zum Beispiel hat meine Tante Hühner. Die züchtet sozusagen Hühner. Da kennt einen fast niemand. Da kann man auch mal Quatsch machen. Und die können dort auch nicht irgendwie Deutsch sprechen, die meisten. Das ist spannend."

Und in gewisser Weise schon das, was sich so viele Eltern wünschen: eine Bildungsreise. Viele Schülerinnen und Schüler wollen in den Ferien aber einfach Spaß haben, gerne auch mal ohne Eltern – und das tun, was während des Schuljahres zu kurz gekommen ist. Jessica, Unterstufen-Gymnastin in Friedrichshafen:

"Also ich spiele Fußball beim PSG. Und da machen wir immer Fußball-Camps. Da spielen wir halt Fußball. Da machen wir wahrscheinlich auch mal ein Freundschaftsspiel, essen da, grillen da, Baden auch im Bodensee."

Gemeinsamer Urlaub mit den Eltern, ein paar Tage im Feriencamp, Relaxen zuhause: So sieht das Konzept vieler Familien aus. Ingo Jaeger aus dem oberschwäbischen Bitzenhofen ist Vater einer 13-jährigen Tochter und eines 16-jährigen Sohnes:

"Wir versuchen, dass wir die Kinder eine Woche bei den Großeltern parken. Dann gehen wir drei Wochen in Urlaub. Dann bleiben noch zwei Wochen übrig, in denen die Kinder quasi rumgammeln."

Die, wie Ingo Jaeger bemerkt, wohl spannendste Zeit der Sommerferien. Das Prinzip heißt dann nämlich:

"Hoffen, dass alles gut geht: Der Größere fängt gerade an, zu saufen. Die Kleinere ist ständig verliebt."

Erholungsphasen sind wichtig

Dennoch glaubt Ingo Jaeger, dass sechs Wochen Sommerferien keineswegs zu viel sind. Denn: Durch Ganztags-Schule und verdichtetem Unterricht seien Schüler während des Schuljahres durchaus auch hohen Belastungen ausgesetzt und bräuchten daher eine längere Erholungsphase.

"Ich gönn’s den Kindern. Und wenn man so andere Länder anschaut, die dann gleich acht oder zehn Wochen Ferien haben - verkehrt find‘ ich das nicht. Dann können die mal so richtig runterkommen und einfach Kind sein."

Ein bisschen was für die Schule tun schadet nicht

Was nicht heißen soll, dass Kinder einen eher kleineren Teil der Ferien dazu nutzen können, ein bisschen was für die Schule zu tun:

"Ich finde, wenn es ein Wackelkandidat ist, wenn er zum Beispiel ein großes Defizit in einer Fremdsprache hat, dann wird’s vielleicht nicht schaden, wenn er so ein bisschen mal Vokabeln lernt oder so. Davon glaube ich, geht die Erholung nicht flöten."

Ähnlich sieht das auch Marion Kynaß:

"Mein Sohn geht jetzt auf eine weiterführende Schule. Da werden wir schon mal noch mit Lesen und Sonstigem befassen."

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