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Startseite@mediasresMärchenprinz mit Kennedylächeln21.06.2017

Emmanuel Macron und die Medien Märchenprinz mit Kennedylächeln

Erst seine fast schon königliche Inszenierung am Abend seines Wahlsieges, dann das Abschaffen der ausführlichen Statements nach Ministerratssitzungen - im Umgang des französischen Präsidenten mit den Medien sehen Manche den Versuch, die Darstellung seiner Politik zu kontrollieren. Oder ist es eine willkommene Abkehr von einer Skandalisierung der Berichterstattung?

Von Jürgen König

In Frankreich haben die Wahllokale zur zweiten Runde der Parlamentswahl geöffnet. (AP Photo/Thibault Camus)
Französischer Präsident oder charmanter Märchenprinz? Das charmante Auftreten von Emmanuel Macron erinnert einige Journalisten an den von John F. Kennedy während seiner Zeit als US-Präsident. (AP Photo/Thibault Camus)
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Von Anfang an standen die Medien in einem angespannten Verhältnis zu Staatspräsident Macron. Schon die Inszenierung am Abend seines Wahlsieges, als er über einen roten Teppich gemessenen Schrittes zu den Klängen der Europahymne den Innenhof des Louvre betrat, als schreite er zu seiner Krönung, wirkte auf viele französische Journalisten eher befremdlich – ebenso wie die feierliche Amtsübergabe im Elysee-Palast. Jean-Marc Four, Redaktionsleiter beim Sender France Inter, legte sie so aus:

"Wenn man sich die Bilder ansieht, hat man den Eindruck, einen Märchenprinzen vor sich zu haben - charmant und mit Kennedylächeln. Ob das die Rückkehr zu einer sehr französischen Faszination des Monarchischen war - nach zehn Jahren einer Art Entheiligung des Amtes durch die Präsidenten Sarkozy und Hollande - oder das Ergebnis der übergroßen Erwartung an eine "neue Politik" dieses Präsidenten. Ohne Zweifel war es etwas von beidem."

Distanz zur Presse

Und dieser "Märchenprinz" ging sogleich auf Distanz zur Presse, schon das traditionelle Foto der neuernannten Regierung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. War es unter Präsident Hollande üblich gewesen, dass nach den Ministerratssitzungen die meisten Regierungsmitglieder ausführliche Statements oder auch längere Interviews gaben, steht nun nur noch der Regierungssprecher Rede und Antwort.

Bei der ersten Auslandsreise des Präsidenten - zu den französischen Truppen in Mali - wurden nur handverlesene Journalisten mitgenommen, worauf 15 Radio- und Fernsehsender, Zeitungen und Zeitschriften sofort mit einem offenen Brief reagierten.

Jean-Marc Four: "Wir sind nicht in einer Monarchie! Und die Mannschaft von Emmanuel Macron erweckt schon manchmal den seltsamen Eindruck, als würde man im Elysée-Palast entscheiden wollen, wer über dieses oder jenes Ereignis berichtet"

Zensur oder Kontrast zur "geschwätzigen" Präsidentschaft Hollandes?

Natürlich sei es Sache der Redaktionen, die mitreisenden Journalisten auszuwählen, hieß es dazu aus dem Präsidentenpalast, man wolle allerdings nicht mehr ausschließlich politische Journalisten für bestimmte Reisen gewinnen, sondern, wenn es sich thematisch anbiete, auch Fachjournalisten ansprechen.

Diese Maßnahmen Emmanuel Macrons werden in der Öffentlichkeit verschieden interpretiert: Manche sehen darin Macrons Versuch, die Darstellung seiner Politik zu kontrollieren, auch der Begriff "Zensur" wird verwendet.

Die Anhänger Macrons verweisen dagegen auf die Jahre der, wie sie sagen, "geschwätzigen" Präsidentschaft Francois Hollandes, auf die Intrigenspiele und Schlammschlachten des Wahlkampfs rund um die Fillon-Affaire, die auch über die Medien ausgetragen worden seien.

Skandalisierung als "demokratische Lepra"

Tatsächlich hatte schon der Präsidentschaftskandidat Macron die Medien kritisiert.

"Was in unserer politischen und medialen Welt passiert, ist für niemanden gut - all die Skandale oder auch Nicht-Skandale und wie damit umgegangen wird, so viele Denunziationen. Was sich heute bei uns im Lande breitmacht, ist eine Art 'demokratische Lepra', ein ständiges Misstrauen - dagegen müssen wir kämpfen."

Und zu diesem Kampf gehöre es auch, die "Würde des öffentlichen Lebens wieder herzustellen", die doch "unverzichtbar" sei.

"Wir haben den Anspruch der Transparenz, sie ist Teil unseres öffentlichen Lebens und daraus erwächst Verantwortung. Die Verantwortung der Medien, aller Medien, ist es, die Wahrheit zu sagen und zu schreiben - und nichts anderes. Die Wahrheit ist das wichtigste."

Im Wahlkampf erhielt Macron für solche Sätze anhaltenden Beifall. Das Ansehen der Presse ist schlecht in Frankreich - wie das der Politik. Es sind nicht wenige Franzosen, die Journalisten und Politiker der Kumpanei bezichtigen. Vielleicht geht Präsident Macron auch deshalb auf so deutliche Distanz.

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