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Energie aus dem Wald

Holz erlebt derzeit als Brennstoff in Kaminen oder Pelletheizungen einen derartigen Boom, dass die klassischen Holzabnehmer in der Möbel oder Papierindustrie schon um ihre Rohstoffversorgung bangen. Im Sauerland haben sich deshalb mehrere kleine Holzproduzenten mit Betrieben aus der verarbeitenden Industrie zusammengetan, um den wieder gefragten Energieträger Holz gemeinsam zu vermarkten. Friederike Schulz stellt im heutigen Firmenporträt das Holz-Energie-Zentrum Olsberg vor.

Von Friederike Schulz | 02.03.2007

    Josef Baust steht vor dem Vorratssilo und betrachtet zufrieden den orangefarbenen Tankwagen, der mit Holzpellets befüllt wird. Dahinter wartet gleich der nächste, die Baust Holzbetriebs GmbH kommt mit der Produktion gar nicht nach. Josef Baust ist Geschäftsführer des Familienunternehmens in Eslohe im Hochsauerland. Seit vier Jahren setzt sein Betrieb vor allem auf Holzpellets. Ein benachbartes Sägewerk liefert die Späne, die auf Bausts Hof zu Pellets gepresst werden.

    "Diese Pelletproduktion hat mich eigentlich schon seit 2000 interessiert. Ich habe erst in einer Privatwohnung getestet, ob die Pellets auch dem entsprechen, wie sie nach Außen verkauft werden und habe dann zwei Jahre später die Produktion aufgebaut. Wir haben Rohmaterial vom Sägewerk und wir haben die Wärme von einem Kraftwerk, das wir betreiben, und wir brauchten nur den dritten Faktor, nämlich die Technik, für die Produktion."

    Die Investition hat sich gelohnt. Der Markt boomt. Allein 2006 hat sich Zahl der Haushalte, die eine Pelletheizung im Keller haben, auf bundesweit 70 000 verdoppelt. Die Branche rechnet mit ähnlichen Zuwächsen für 2007. Bausts Pellets werden in ganz Deutschland vertrieben. Allerdings nicht direkt. Da das Unternehmen mit 65 Mitarbeitern zu klein ist, um neben der Herstellung auch noch den Vertrieb zu organisieren, liefern die Tankwagen die Pellets zunächst ins Holz-Energie-Zentrum im benachbarten Olsberg. Das HEZ ist ein Zusammenschluss von mehr als zehn Gesellschaftern aus der Holzbranche: Waldbesitzer, Sägewerker, Pellett- und Brennholzhersteller. Sie kaufen voneinander Holz, verarbeiten es dann weiter und vermarkten es über das HEZ, erläutert Geschäftsführer Hans Martin Behr.

    "Es ist sicher ein Novum, dass Sägewerker und Waldbesitzer so friedlich an einem Tisch zusammensaßen, weil normalerweise gibt es eher die Kontroverse: Die Holzpreise sind zu hoch aus Sicht der Sägewerker, oder die Holzpreise sind zu niedrig aus Sicht des Waldbesitzers. Dass man zusammen am Tisch sitzt und eine Firma gründet, ist erstaunlich."

    Doch die Zusammenarbeit funktioniert seit mittlerweile acht Jahren gut. Die Gesellschafter wissen: Sie können sich aufeinander verlassen. Bei ihren Partnern stimmt die Qualität der Produkte. Gemeinsam ist es auch leichter, im Kampf um das knapper gewordene Holz zu bestehen: Trotz der Sturmschäden durch den Orkan "Kyrill" konkurrieren mittlerweile Sägewerke, Möbelhersteller, Papierfabriken und die Pellet- und Kaminholzhersteller um den Rohstoff, dessen Preis deutlich gestiegen ist. Das war vor acht Jahren anders:

    "Wir wollten bewusst eine Konkurrenz um diesen hochwertigen Rohstoff Holz initiieren. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir von Jahr zu Jahr sinkende Preise für das Industrieholz im Wald zu verzeichnen hatten, und es musste was geschehen. Wir sind inzwischen sicher mit den Energieholzmengen, die im Markt gehandelt werden ein ernstzunehmender Miteinkäufer neben der Holzwerkstoffindustrie oder auch zunehmend der Papierindustrie."

    Hans Martin Behr ist nicht nur für das Marketing zuständig, er überwacht auch die Brennholzherstellung. In der Produktionshalle werden dicke Buchenstämme über ein Förderband zur Säge transportiert und anschließend in Scheite gespalten. Dann kommt das Holz in die Trockenkammer, denn sonst müsste es zwei Jahre lang lagern, ehe es gutes Brennmaterial abgibt. Gerade für Privatwaldbesitzer mit kleinen Flächen lohnt es sich nicht, das Holz selber zu verarbeiten und zu verkaufen. Deswegen liefern sie ihre Stämme gern an das HEZ, das die Nachfrage nach Energieholz auch in diesem Winter kaum decken kann.

    "Von der Menge kann man sagen, dass wir unsere Mengen von Jahr zu Jahr verdoppelt haben, weil wir eben auch die gesamte Palette abdecken: von Pellets, Hackschnitzeln, bis hin zu Kaminholz für die handbeschickten Anlagen und zum Sommerprogramm in Form von Holzkohle. Da wüsste ich nicht, was noch fehlt."

    Das HEZ Olsberg verkauft seine Produkte mittlerweile bis nach Belgien. Über Umsatz und Gewinn möchte Hans Martin Behr nicht sprechen - aus Sorge vor Nachahmern, die zurzeit auf den Markt drängen und mit schlechter Qualität die Preise kaputt machen. Nur soviel: Das Geschäft läuft wie geschmiert, meint der Forstwirt verschmitzt. Inzwischen hat das HEZ sogar angebaut. Neben dem Lager steht jetzt ein separates Informationszentrum, "IDEE" steht in großen Lettern am Eingang. Dort sind zahlreiche Pellet- und Hackschnitzel-Heizungen ausgestellt. Besucher können sich hier über die unterschiedlichen Modelle verschiedener Firmen informieren. Auf Schautafeln wird erklärt, welche Vorteile die unterschiedlichen Brennmaterialien haben und was der Einbau einer entsprechenden Heizung kostet. Denn Hans Martin Behr und seine Mitarbeiter konnten die zahlreichen Anfragen nach Führungen in ihrem Betrieb nicht mehr bewältigen.