Sonntag, 05. Dezember 2021

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Engagement gegen Rechtspopulismus "Kirche ist nicht dazu da, es jedem Recht zu machen"

Wachsende Fremdenfeindlichkeit sei nicht vereinbar mit dem Selbstverständnis von Christinnen und Christen, sagte die ehemalige deutsche Botschafterin im Vatikan Annette Schavan im Dlf. Die Kirche solle Impulse für eine Gemeinschaft geben und als Korrektiv für die Gesellschaft dienen.

Annette Schavan im Gespräch mit Änne Seidel | 22.04.2019

Annette Schavan (CDU)
Annette Schavan, ehemalige deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl (Laurence Chaperon)
Die Frage, wie man mit Menschen umgehe, die zu einem kommen, sei eine Kernfrage für die christliche Tradition, sagte Annette Schavan, die ehemalige deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl im Dlf. Es sei eine wichtige Facette der Ökumene sich für das Gemeinwesen und die Demokratie einzusetzen.
Mit Blick auf Rechtspopulisten in den Gemeinden, sagte Schavan, Kirche sei nicht dazu da, es jedem Recht zu machen. Die Kirche solle Impulse geben, als Korrektiv dienen.
"Reden ist wichtig"
Der Blick in die Geschichte zeige, wie wichtig es ist, dass es Korrektur gebe, wenn "eine Gesellschaft den Rattenfängern nachläuft", sagte die ehemalige Bildungsministerin. Es solle niemand aus den Gemeinden ausgeschlossen werden. Es helfe miteinander zu reden, in den Dialog zu treten. "Reden ist wichtig", sagte Schavan.
Christen seien nicht nur jene, die am Sonntag im Gottesdienst zu finden sind. Kirche habe viele verschiedene Kreise, in denen Christen tätig seien, wie die Caritas oder die Diakonie. Die Begleitung von alleinstehenden und einsamen Menschen sei vielleicht die wichtigste Aufgabe der Gemeinde.

Angesprochen auf die jüngsten Missbrauchsskandale, sagte Schavan, die Kirche sei immer noch eine Institution, die einen Schatz hat, aus dem Orientierung erwächst. Dass die Kirche Schuld auf sich genommen habe und jetzt durch ein tiefes Tal gehe, stehe außer Frage.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.