Jeffrey Epstein
Was ihn mit Bill Clinton, Prinz Andrew und einem deutschen Forscher verband

Investigativreporter sichten die kürzlich veröffentlichten Material-Massen der Epstein-Akten weiter. Das hat Folgen für die britische und die US-Politik. Auch der deutsche Forscher Joscha Bach soll von Epsteins Netzwerk profitiert haben.

    Ein Dokument der sogenannten Epstein-Files: der Polizeibericht, als Epstein am 6. Juli 2019 in Gewahrsam genommen wurde.
    Millionen Seiten neuer Epstein-Akten geben weitere Einblicke in das Umfeld des Sexualstraftäters. (picture alliance / AP / Jon Elswick)
    Fotos des früheren Windsor Prinzen Andrew, kniend über einem jungen Menschen. Schlüpfrige Kommentare. Mail-Kontakte zur norwegischen Kronprinzessin. Auch Elon Musk, Donald Trump, Bill Clinton, Bill Gates und Wladimir Putin tauchen in den Unterlagen auf.
    Das US-Justizministerium hat die wohl letzte Tranche der sogenannten Epstein-Files veröffentlicht. Darin finden sich unzählige Mails, Videos und Fotos des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Nun arbeiten sich Investigativreporter durch die große Menge an Material.

    Inhalt

    Das Epstein-Netzwerk und die Verbindungen nach Russland

    “Man sucht natürlich nach Nadeln in Heuhaufen”, sagt der Investigativreporter Daniel Laufer, der unter anderem für den “Spiegel” die Epstein-Files durchsucht. “Man überlegt, welche Namen könnten darin vorkommen, welche Schlagwörter, welche Firmen könnten da eine Rolle spielen.”
    Eines werde jedoch schon jetzt deutlich: Jeffry Epstein sei ein “begnadeter Netzwerker” gewesen, sagt Daniel Laufer. “Er hat es vermocht, sehr viele mächtige, sehr schlaue Menschen um sich herum zu versammeln, sie miteinander zu vernetzen, Veranstaltungen auszurichten, wo sie einander kennenlernen konnten.” Er sei eine Art Dreh- und Angelpunkt gewesen – weshalb viele Prominente nun „sehr nervös sein dürften“. Viele hätten Epstein besucht, obwohl dieser bereits 2008 als Sexualstraftäter verurteilt worden war.
    Nun vermutet die “Daily Mail”, Epstein habe auch als Spion für Russland gearbeitet. Geheimdienstquellen glauben demnach, Epstein habe im Auftrag des KGB die „weltweit größte Honeytrap-Operation“ geleitet, heißt es in dem Artikel. E-Mails sollen ein Treffen zwischen Epstein und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin belegen. Die Epstein-Akten enthalten laut „Daily Mail“ 1.056 Dokumente, in denen Putin namentlich erwähnt wird.

    Erschütterung in der britischen Politik: Ex-Botschafter tritt aus Labour-Partei aus

    Eingeschlagen hat der Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein vor allem in der britischen Politik: Der Botschafter in den USA, Peter Mandelson, ist wegen seiner Verbindungen zu Epstein entlassen worden – und aus der Labour Partei ausgetreten.
    Aus den Epstein-Files geht offenbar hervor, dass er mehr als 60.000 Euro von Epstein angenommen und sensible Informationen über steuerpolitische Pläne weitergegeben haben soll. Er soll sogar versucht haben, Regierungspolitik zugunsten Epsteins zu beeinflussen – und ihm zugesichert haben, eine hohe Steuer auf Banker-Boni zu ändern.
    Mandelson ist nicht irgendein Politiker, sondern eine der einflussreichsten Figuren: Er sollte die transatlantischen Beziehungen gestalten, war Wirtschaftsminister und gilt als einer der wichtigsten Architekten der New-Labour-Bewegung. Mandelson sagt, er erinnere sich nicht und bezweifle die Echtheit der Dokumente.

    Neue Bilder und Dokumente vom ehemaligen Prinzen Andrew

    Ein Foto aus den neuen Files zeigt zudem den ehemaligen Prinzen Andrew, wie er leger in Jeans auf allen Vieren über einem jungen Menschen kniet, der auf dem Boden liegt. Er blickt direkt in die Kamera. Das Datum und der Kontext des Fotos sind unklar, es stammt jedoch aus den kürzlich veröffentlichen Epstein-Files. Laut BBC liegt es nahe, dass das Foto in Epsteins New Yorker Apartment aufgenommen wurde.
    Immer wieder hatte der Ex-Prinz beteuert, von Epsteins Machenschaften nichts gewusst zu haben. Doch die neu veröffentlichten Dokumente könnten ihn in Erklärungsnot bringen. Andrews Name taucht darin mehrere Hundert Male auf – auch nachdem Epstein seine Strafe wegen der Prostitution einer Minderjährigen verbüßt hatte.
    2010 etwa soll der verurteilte Sexualstraftäter für Andrew ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelt haben. Der Prinz soll Epstein 2010 auch in den Buckingham-Palace eingeladen haben und zu seiner Geburtstagsfeier im St. James’s Palace.
    Hinzu kommt: Nach Virginia Giuffre, einem der bekanntesten Epstein-Opfer, die angab, dreimal zu sexuellen Handlungen mit Andrew gezwungen worden zu sein (erstmals im Alter von 17 Jahren), hat sich nun eine weitere Frau mit Vorwürfen gegen ihn gemeldet.
    Andrew ist nicht der einzige Brite, dessen Name in den jüngsten Dokumenten auftaucht. Seine Ex-Frau Sarah Ferguson etwa nennt Epstein in einer E-Mail (die sie ihm nach seinem Gefängnisaufenthalt schrieb) den Bruder, den sie sich immer gewünscht habe. Und Richard Branson – Gründer des Virgin-Konzerns – schrieb Epstein 2013, er würde ihn liebend gerne sehen, solange er seinen Harem mitbringe.

    Clintons sagen zur Epstein-Affäre aus

    In den USA haben sich der frühere US-Präsident Bill Clinton und seine Ehefrau, Ex-Außenministerin Hillary Clinton, angesichts eines drohenden Verfahrens wegen Missachtung des Kongresses zu einer Aussage vor einem parlamentarischen Ausschuss in der Epstein-Affäre bereit erklärt.
    Lange hatten sie sich geweigert und erklärt, sie hätten alles, was sie sagen könnten, bereits in einer eidesstattlichen Erklärung offengelegt. Ein persönliches Erscheinen sei für einen ehemaligen Präsidenten unangemessen, in der Sache unnötig und rechtlich nicht zulässig.
    In ähnlich gelagerten Fällen hatte der Ausschuss auf ein persönliches Erscheinen verzichtet – bei den Clintons jedoch blieb der Ausschussvorsitzende hart. Die Clintons werfen ihm vor, er nehme sie im Auftrag Donald Trumps ins Visier.
    Der US-Präsident forderte seine Justizministerin bereits ausdrücklich auf, gegen Clinton und andere hochrangige demokratische Politiker zu ermitteln. Daher steht der Vorwurf im Raum, Trump könne versuchen, die Aufmerksamkeit von sich selbst auf seine politischen Gegner zu lenken.
    Über die Verbindung zwischen Clinton und Epstein ist bisher bekannt, dass es sowohl in den 1990er-Jahren als auch Anfang der 2000er Kontakte gab. Clinton sagt, er habe Epstein nie auf dessen Insel besucht und den Kontakt bereits vor 20 Jahren abgebrochen.

    Deutscher Wissenschaftler Joscha Bach als Epstein-Günstling

    ZDF, “Spiegel” und “Standard” haben Tausende E-Mails, Chatverläufe und Kontoauszüge ausgewertet, die nahelegen, dass Epstein den deutschen KI-Forscher Joscha Bach 2013 an das Media Lab des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) vermittelt haben soll.
    Seitdem, so zeigen die Dokumente, soll Epstein Bach immer wieder mit größeren Geldbeträgen unterstützt haben. Bach sei de facto finanziell von Epstein abhängig gewesen, berichtet das ZDF. Bach bestätigte dem Sender auf Anfrage diverse Geldzahlungen: “Diese Finanzierung war an keine Bedingungen geknüpft und ich schuldete nichts im Gegenzug.”
    Auch privat pflegte Bach offenbar engen Kontakt zu Epstein. Und er besuchte Epsteins Privatinsel Little Saint James. Inzwischen ist bekannt, dass Epstein dort den Missbrauch junger Frauen organisiert haben soll. Auf Anfrage des ZDF erklärte Bach, er habe "keinerlei Anzeichen für illegale oder fragwürdige Aktivitäten, bei dieser oder irgendeiner anderen Gelegenheit" gesehen. Die veröffentlichten Akten zeigen, dass Joscha Bach bis zuletzt Kontakt zu seinem langjährigen Förderer gehalten hat.
    Jeffrey Epstein ist inzwischen wohl der bekannteste US-amerikanische Sexualstraftäter. Der Finanzinvestor und vielfache Millionär soll zwischen 2002 und 2005 minderjährige Mädchen – teils erst 14 Jahre alt – mit Geld angelockt und unter anderem in New York, Florida und auf seiner Privatinsel in der Karibik sexuell missbraucht haben. Unterstützt wurde er dabei von seiner langjährigen Partnerin Ghislaine Maxwell. 2019 beging er im Gefängnis Suizid.

    lkn, mfied