
Endlich! Die Verhaftung von Andrew Mountbatten-Windsor war lange überfällig. Seine Verstrickung in Jeffrey Epsteins Sex-Sklavinnen-Ring macht seit 15 Jahren Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit hat ihr Urteil über den gefallenen Prinzen längst gefällt. Trotzdem log er munter weiter, behauptete etwa, seinem Opfer Virginia Giuffre nie begegnet zu sein. Die Queen zahlte ihr kurz darauf eine Millionen-Summe, damit sie ihre Klage gegen Andrew in den USA fallen ließ.
Es mussten erst Enthüllungen aus den Epstein-Files veröffentlicht werden, damit der König seinem Bruder den Prinzentitel entzog, ihn von Windsor verbannte und der Polizei öffentlich seine volle Unterstützung zusicherte. Verhaftet worden ist Andrew nun nicht wegen des sexuellen Missbrauchs junger Frauen und Mädchen, sondern wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch. Als Handelsbeauftragter seines Landes soll er Epstein vertrauliche, wirtschaftlich relevante Informationen weitergeleitet haben. Die Polizei durchsucht jetzt Andrews Computer, Handys und Papiere. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass sie ihre Ermittlungen bald auf mögliche Sexual- und Menschenhandels-Verbrechen ausweitet.
König Charles ist nicht mehr allein verantwortlich
Überraschenderweise könnte der Skandal sich für das Königshaus als Segen erweisen. Um die Monarchie zu schützen, hat Charles III. sich immer weiter von seinem Bruder distanziert. Doch der Öffentlichkeit ging es nie weit genug. Jetzt hat der Staat übernommen, der König ist nicht mehr allein verantwortlich, kann etwas zur Seite rücken und darauf hoffen, dass sich die Monarchie mit der Zeit erholt.
Dabei gäbe es auch jenseits von Andrew viel aufzuräumen im Königshaus. Vor allem würde sich ein genauerer Blick auf die bislang der öffentlichen Einsicht entrückten Finanzen der Royals lohnen. Die Mauer des Schweigens um die königliche Familie ist löchrig geworden, aber vom Einsturz bedroht ist sie nicht.
Auch die Politik könnte mehr tun, um die Machenschaften von Mr. Mountbatten-Windsor und anderen Briten in Epsteins Machtzirkel aufzudecken und zu ahnden. Andrew steht immer noch auf Platz acht in der Thronfolge. Das Parlament kann und sollte das dringend ändern.
Großbritannien macht es besser als der Rest der Welt
Doch bei allen Fehlern und Versäumnissen auch in Großbritannien: In keinem anderen Staat werden die Täter in Epsteins Zirkel derzeit konsequenter verfolgt und zur Verantwortung gezogen. Wer außer seiner rechten Hand Ghislaine Maxwell wurde etwa in den USA verhaftet? Sie ist die einzige Frau unter hunderten männlichen Komplizen. Und der Präsident flirtet öffentlich mit der Idee, sie zu begnadigen. Gegen welche einflussreichen Persönlichkeiten wird in Amerika ermittelt, wie gegen den britischen Ex-Botschafter Peter Mandelson? Und welcher US-Politiker steht unter Handlungs- und Rechtfertigungsdruck, wie Großbritanniens Premier Keir Starmer?
Großbritannien macht es nicht gut genug. Aber immer noch besser als der Rest der Welt.






