Freitag, 02. Dezember 2022

"Equal Pay" im Fußball
Gleiche Prämien für Nationalteams bei Frauen und Männern

Im Schweizer Fußball soll das Frauen-Nationalteam künftig genauso bezahlt werden wie das der Männer. Auch andere Verbände haben die Prämien für ihre Nationalmannschaften angeglichen. Der DFB hinkt der Entwicklung weiter hinterher. Nun hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz in die Debatte eingeschaltet.

Von Maximilian Rieger, Christian Mixa | 13.07.2022

US-Fußballerin Megan Rapinoe am Rednerpult vor US-Präsident Joe Biden und First Lady Jill Biden, im Hintergrund steht "Equal pay day"
US-Fußballerin Megan Rapinoe gilt als Vorreiterin beim Kampf um gleiche Bezahlung von Männern und Frauen im Fußball und wurde dafür von US-Präsident Joe Biden geehrt (picture alliance / Captital Pictures)
Durchschnittlich 18 Prozent weniger Gehalt bekommen Frauen in Deutschland im Vergleich zu Männern. Im Fußball ist dieser "Gender Pay Gap" noch einmal deutlich ausgeprägter. Während der Frauen-EM in England kritisierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei Twitter die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen im Fußball.

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Vor dem Beginn der Europameisterschaft hatten mehrere Fußballverbände angekündigt, die Lücke schließen zu wollen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zögert aber noch - und hinkt der Entwicklung damit hinterher.

Wie verhält sich der DFB zu "Equal Pay"?

Beim DFB gibt es noch kein "Equal Pay" im Sinne einer echten Angleichung der Prämien für Spielerinnen und Spieler. Zwar wurde für die DFB-Frauen im Vorfeld der EM die Siegprämie im Vergleich zum vergangenen Turnier deutlich angehoben: von 37.500 Euro auf 60.000 Euro, die jede Spielerin nun für den EM-Triumph erhielte, so viel wie noch nie. Allerdings, dies zum Vergleich: Bei den Männern hätte der DFB bei der EM 2021 im Fall des Titelgewinns jedem Spieler 400.000 Euro überwiesen.
Auf die Kritik von Bundeskanzler Scholz reagierte DFB-Direktor Oliver Bierhoff überrascht und mit einer Einladung zum Gespräch. "Mich wundert jetzt ein bisschen die Aussage. Ich lade ihn gerne mal ein. Dann kläre ich ihn ein bisschen besser über die Zahlen auf", sagte Bierhoff in der ARD. Das Frauenteam hätte laut seiner Aussagen einen "genau so großen Trainerstab" wie die Männer. "Wir versuchen die Infrastruktur, alle Bedingungen für sie gleichzusetzen."
Bierhoff hatte zuvor als Erklärung für die ungleiche Bezahlung die "erheblichen Unterschiede bei den Umsätzen und Einnahmen" herangezogen. In der Tat liegen die Gesamtprämien bei den Männer- und Frauenturnieren im Vergleich meilenweit auseinander. So werden bei der Frauen-EM 16 Millionen Euro ausgeschüttet, bei den Männern waren es zuletzt 331 Millionen Euro. Gleichzeitig jedoch zeigen die anderen Verbände, dass dies kein Hinderungsgrund sein muss.

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Silke Raml, die für den DFB in der UEFA-Kommission für Frauenfußball sitzt, hält den Ruf nach gleicher Bezahlung allerdings für verfrüht. Man könne die Situation im deutschen Frauenfußball nicht mit den USA vergleichen. Dort generiere die Frauenmannschaft mehr Einnahmen als die Männer, sagte Raml im Deutschlandfunk. "Wir wären aus meiner Sicht in Deutschland schlecht beraten, wenn wir den DFB vor uns her treiben würden und gleiche Bezahlung für die Fußballerinnen fordern würden."

Wie ist die Sicht der deutschen Spielerinnen?

Anders als in den USA oder Norwegen sind die deutschen Spielerinnen und Trainerinnen zurückhaltender, was Forderungen nach gerechterer Bezahlung angeht - zumindest auf den offiziellen Kanälen. Der langjährigen Nationalspielerin Svenja Huth geht es nicht nur um höhere Gehälter und Prämien, sondern vor allem um die Angleichung der Rahmenbedingungen: Professionelle Trainingsausstattung, Zahl der Trainer und Trainerinnen, Analysten - alles, was in der Männer-Bundesliga selbstverständlich ist.
"Wir müssen erst einmal die Basisstrukturen in der Liga für alle Vereine schaffen", sagte Huth während der EM-Vorbereitung. "Das bezieht sich auf die Infrastruktur - und dass die Spielerinnen nicht noch 40 Stunden in der Woche arbeiten müssen."

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Auch Sara Däbritz äußerte sich während der DFB-Pressekonferenz zufrieden mit den Prämienzahlungen: "Es ist eine deutliche Steigerung zur letzten EM. Deswegen sind wir auf einem guten Weg", sagte die Nationalspielerin im DFB-Camp in Herzogenaurach. Die "Equal Pay"-Entwicklung in den anderen europäischen Fußballverbänden sei aber ein "tolles Zeichen", so Däbritz: "Man merkt, dass Bewegung drin ist, dass sich der Frauenfußball stetig weiterentwickelt."
Ein weiteres wichtiges Thema sind auch prominentere Anstoßzeiten bei den Länderspielen, um mehr Menschen zu erreichen und die Partien besser vermarkten zu können. Auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat in der Vergangenheit mehrmals die frühen Ansetzungen am Nachmittag kritisiert, für sie ist dies auch eine Frage des Respekts.
"Die Spielerinnen sind hoch motiviert und hochprofessionell. Jede einzelne verdient Support“, sagte Voss-Tecklenburg und ließ durchblicken, dass andere Anstoßzeiten möglich wären. "Das liegt nicht an uns. Wir würden gerne um 18, 19, oder 20 Uhr spielen."

Welche Verbände haben Schritte in Richtung "Equal Pay" unternommen?

Ausgelöst wurde die "Equal-Pay"-Bewegung von der erfolgreichsten Nationalmannschaft im Frauenfußball: dem Team der USA. Die US-Fußballerinnen erzielten im vergangenen Februar eine Vereinbarung mit dem nationalen Verband, der Spielerinnen und Spielern die gleiche Bezahlung garantiert.
Vorausgegangen war ein jahrelanger Rechtsstreit, bis vor ein US-Bundesgericht. Die US-Stars um Megan Rapinoe hatten den Verband wegen Diskriminierung verklagt und vor allem damit argumentiert, dass sie bei großen Turnieren wie der WM erfolgreicher sind als die Nationalmannschaft der Männer, aber vom Verband weitaus weniger Prämien und Einnahmen ausgezahlt bekommen.
Die erzielte Einigung mit dem US-Verband darf nun als Vorbild für "Equal Pay" gelten: Alle Einnahmen und Preisgelder, sei es aus Männer- oder Frauen-Turnieren, sollen künftig in einen großen Topf fließen und dann gleichmäßig an alle Spielerinnen und Spieler verteilt werden.
In Europa haben von den 16 Teilnehmerländern der EM inzwischen acht Verbände, und damit die Hälfte, angekündigt, eine Form von "Equal Pay" umzusetzen: England, Norwegen, Finnland, Schweden, Island, Spanien, die Niederlande und die Schweiz.
In Norwegen erhalten die Nationalspielerinnen und -spieler bereits seit 2017 die gleichen Prämien. Möglich wurde dies seinerzeit, weil die Männer auf Geld aus ihren Sponsoring-Einnahmen verzichtet haben.
Die Verbände aus Spanien, den Niederlanden und der Schweiz haben kurz vor der EM verkündet, dass sie die Prämien angleichen. Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft bekommt vom Hauptsponsor Credit Suisse künftig die gleichen Prämien ausgezahlt wie die Männerauswahl. Bis 2024 sollen die Erfolgsprämien zu 100 Prozent angeglichen werden.

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Die englische Football Association (FA), Gastgeber der kommenden EM, zahlt Frauen- und Männerteams die gleiche Antritts- und Siegprämie. Einen großen Unterschied gibt es bei der FA aber weiterhin bei den Turnier-Prämien. Weil bei Männer-Weltmeisterschaften deutlich mehr ausgeschüttet wird, erhalten die Männer dort mehr Geld.

"Equal Pay" im Fußball - warum gibt es diese Entwicklung jetzt?

Die Debatte über die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern wird im Fußball schon seit Jahren geführt. Die dänischen Spielerinnen streikten im Jahr 2017 sogar, um eine bessere Bezahlung zu erreichen.
Durch die Positivbeispiele aus Norwegen und den USA ist der Druck nun aber auch auf andere Verbände gewachsen, in Sachen gleicher Bezahlung nachzuziehen. Angesichts der bevorstehenden Europameisterschaft waren Verbände und Spielerinnen zudem ohnehin gezwungen, über Prämien und eine mögliche Angleichung zu diskutieren.
Hinzu kommt, dass der Fußball der Frauen in England und Spanien in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt hat - auch, weil die Verbände sich stärker für die Entwicklung und Vermarktung eingesetzt haben. Die englische Women's Super League soll Medienberichten zufolge pro Jahr TV-Gelder von 15 Millionen Pfund erhalten. Sie war die erste Profiliga in Europa. Hier werden alle Spielerinnen bezahlt und müssen nicht - wie zum Beispiel teilweise in Deutschland - nebenbei noch arbeiten gehen.
Die Frauen des FC Barcelona spielten in der vergangenen Saison gleich zweimal vor mehr als 90.000 Fans im Camp Nou. Die Angleichung der Prämien bei den Nationalteams ist in diesem Zusammenhang ein weiteres Zeichen, dass die Verbände die Entwicklung fördern wollen.
Quellen: Marina Schweizer, og