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StartseiteUmwelt und VerbraucherKlimawandel bringt Chancen für Exporteure, Risiken für Importeure 14.12.2018

Erderwärmung und WirtschaftKlimawandel bringt Chancen für Exporteure, Risiken für Importeure

Länder, die vom Klimawandel stark betroffen sind, brauchen oft deutsches Know-How, um mit den Klimafolgen fertig zu werden. Davon kann die deutsche Exportbranche profitieren, zeigt eine Studie des Umweltbundesamts. Gleichzeitig sinken aber auch durch die Erderwärmung die Import-Chancen.

Mathias von Lieben

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Chinesischer Bauer bei der Kaffeeernte. (dpa / picture alliance / Yang Zheng)
Wenn Kaffee-Ernten ausfallen, leiden auch die deutschen Kaffee-Importeure (dpa / picture alliance / Yang Zheng)
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Das Umweltbundesamt hat Klimarisiken im Rahmen der internationalen Handelsbeziehungen untersucht. Die zentrale Aussage: Die deutsche Wirtschaft ist von den Folgen des Klimawandels in anderen Ländern immer stärker betroffen. Das birgt Risiken, aber auch Chancen, sagt Clemens Haße, der die Studie im Umweltbundesamt betreut hat: 

"Deutschland hat eine starke Rolle im internationalen Handel. Und das bedeutet, dass unsere Wirtschaft auch anfällig gegenüber Klimafolgen in anderen Weltregionen ist. Bei den Importen überwiegen die Risiken, beispielsweise  durch extreme Wetterereignisse, die in anderen Weltregionen Gebäude, Produktionsanlagen oder landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigen. Bei den Exporten ergibt sich ein gemischtes Bild:  Wenn Länder mehr Geld zur Bewältigung von Schäden ausgeben, dann sinkt die Kaufkraft allgemein und damit auch die Nachfrage nach um Beispiel deutschen Konsumgütern. Auf der anderen Seite bestehen auch Chancen durch eine wachsende globale Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zur Klimaanpassung oder zum Klimaschutz."

Klimawandel als lukratives Geschäft für die Exportbranche

Diese Chancen müssten genutzt werden – und dafür, so Haße, sei vorausschauendes Handeln nötig. Für die Chancen beim Export nennt die Studie konkrete Beispiele aus der Praxis für neue Absatzmärkte. So habe der Chemiekonzern BASF einen Verbundstoff entwickelt, mit dem Strommasten stabiler und flexibler, sprich widerstandsfähiger gegen klimawandelbedingte Zerstörungen werden. Wenn die Nachfrage in Regionen mit Extremwettereignissen nach solchen Produkten steigt, profitiert ein hochentwickeltes Land wie Deutschland. Daraus ergibt sich die paradoxe Situation, dass Deutschland – gleichzeitig mit anderen Industrieländern Hauptverursacher des Klimawandels – damit durchaus ein lukratives Geschäft machen könnte.

Klimawandel birgt Risiken für Importeure

Import hingegen, so die Studie, überwiegen klar die Risiken. Wenn Einfuhren nach Deutschland verzögert oder gar nicht ankämen und nicht mehr in gewünschter Qualität geliefert werden können, entstehen für Importeure hierzulande höhere Kosten. Dafür skizziert die Studie folgende Wirkungsketten: Klimaauswirkungen betreffen oft großräumige Gebiete. Dürren, Starkregenereignisse oder schwere Stürme können dann die landwirtschaftliche Produktion stark beeinträchtigen. Wenn in warmen Regionen wie Asien oder der Karibik die Menschen deswegen weniger arbeiten können, sinken der Ertrag und die Importmöglichkeiten Deutschlands.

Dabei hilft auch ein Blick auf die Zahlen: 2015 stammten sechs Prozent der Gesamtimporte oder 55 Milliarden Euro, und vier Prozent der Gesamtexporte Deutschlands, knapp 50 Milliarden Euro, aus insgesamt zwölf sogenannten klimavulnerablen Ländern oder Regionen. Diese gelten als besonders empfindlich für die Folgen des Klimawandel. Dazu gehören Brasilien, Indonesien, Ägypten oder Vietnam. Was ist daraus die Konsequenz? Clemens Haße:

"Man könnte jetzt sehr einfach schlussfolgern, dass wir den Handel mit besonders vulnerablen Ländern reduzieren sollten. Dann sind wir auch weniger anfällig. Aber das ist relativ klar in den Modellen, dass das auch uns nicht weiterhilft. Es reduziert den Wohlstand, wenn wir Güter aus diesen Regionen nicht bekommen. Die Lösung sollte sein, dass wir mit diesen Ländern zusammenarbeiten, dass wir sie dabei unterstützen sollten, resilienter, also weniger anfällig gegenüber den Folgen des Klimawandels zu werden."

Deutschland als Importeur von Kaffee betroffen 

Deutschland importiert zum Beispiel sehr viel Kaffee, verarbeitet diesen weiter und ist Exportweltmeister. So viel Kaffeeprodukte führt kein anderes Land aus. Fallen die Ernten aus, kann das ökonomische Folgen nach sich ziehen. Hier nennt das Umweltbundesamt Beispiele, wie man mit gezielter Entwicklungsarbeit dagegen vorgehen kann, indem man Kaffeepflanzen klimaresilienter macht, um unabhängig vom Klima Qualität und Menge stabil zu halten.

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