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StartseiteHintergrundErfolgreicher Schlussspurt12.08.2004

Erfolgreicher Schlussspurt

Athen vor den Olympischen Spielen 2004

Die olympische Idee ist im antiken Griechenland vor über 2000 Jahren geboren. Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit wurden 1896 ebenfalls in Athen veranstaltet. Nun kehren sie in das Land ihres Ursprungs zurück.

Von Jerry Sommer

In einer Woche beginnen in Athen die  Olympischen Sommerspiele (AP)
In einer Woche beginnen in Athen die Olympischen Sommerspiele (AP)
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Die Olympischen Spiele erfordern eine Organisation wie wohl keine zweite Massenveranstaltung auf der Welt. Für Griechenland sind sie eine besonders große Herausforderung. Denn Griechenland ist eines der kleinsten und ärmsten Länder, das die Spiele der Neuzeit jemals durchgeführt hat. Griechenland war bis zur Osterweiterung im Mai das ökonomische Schlusslicht der Europäischen Union.

1997 hat das Internationale Olympische Komitee Athen unten den vielen Bewerbern als Austragungsort der Spiele des Jahres 2004 ausgewählt. Schon acht Jahre vorher hatte sich Athen beworben: Für die Jubiläums-Olympiade 1996. Zum Glück sagte das Internationale Olympische Komitee damals "Nein". So konnte Athen die Zeit nutzen, nicht nur, um die Bewerbung besser vorzubereiten, sondern vor allem, um mit der Modernisierung der Infrastruktur der Stadt zu beginnen.

Doch nachdem Athen 1997 auserkoren wurde, die Olympischen Spiele im Jahre 2004 durchzuführen, passierte erst einmal gar nichts. Im April des Jahres 2000 drohte der damalige IOC-Präsident, Juan (sprich: Chuan) Antonio Samaranch (sprich: ...änsch), Griechenland sogar mit dem Entzug der Olympiade: So sehr waren die Griechen mit den Vorbereitungen in Verzug. Die Warnung zeigte Wirkung: das Athener Organisationskomitee erhielt mit Gianna Angelopoulos-Daskalaki eine agile und durchsetzungsstarke neue Leiterin. Die damalige Regierung begann die Spiele wirklich erst zu nehmen.

Für Spiros Kapralos, der heute in der griechischen Regierung für die Olympischen Spiele verantwortlich ist, sind diese Probleme alle Schnee von gestern. Heute kann er zufrieden feststellen:

Alle Projekte sind übergeben, die großen Infrastrukturmaßnahmen sind fertig. Ich bin sicher, dass wir sehr erfolgreiche Spiele in Athen haben werden.

Nervenkitzel allerdings bis zum Schluss. Die neue Bahnlinie vom Flughafen in die Stadt zum Beispiel ist erst vorige Woche in Betrieb genommen worden. An manchen anderen Projekten wird ebenfalls bis zur letzten Sekunde an Schönheitsmaßnahmen gearbeitet. Für manche ist es allerdings zu spät. Im Olympia-Dorf zum Beispiel ist aus Zeitmangel kein Rasen mehr ausgelegt worden. Die in letzter Minute, mitten im Sommer, angepflanzten Bäume und Sträucher drohen gleich wieder zu verdorren.

Langfristige Planungen sind nicht gerade als eine Stärke vieler Griechen bekannt. Die Mentalität ist einfach anders, das hat auch der Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Handelskammer in Athen, Götz Funke, erfahren:

In Griechenland setzt man immer sehr stark darauf, dass man die Dinge in letzter Minute rechtzeitig hinbekommt. Man ist nicht daran gewöhnt lange voraus zu planen. Man vertraut mehr auf die Intuition. Es wird auch nicht so streng genommen, wenn man einen Termin nicht auf die Minute einhält. Wenn man eingeladen ist, kommt man höflichkeitshalber eine halbe Stunde später als zu dem angegebenen Termin. Das ist nicht Nachlässigkeit, sondern das gehört eben zu dem Spiel.

Am Anfang ganz langsam, dann immer schneller. So ist der Sirtaki – und so funktionierte auch die Vorbereitung der Olympischen Spiele. Allerdings war schon seit längerem abzusehen, dass alle wichtigen Bauten rechtzeitig fertig werden. Trotzdem bekam Athen fast ausschließlich eine negative Presse. Zu Unrecht meint Jochen Schill. Der deutsche Manager lebt seit vielen Jahren in Griechenland, arbeitet als Berater für das Athener Organisationskomitee der Spiele und ärgert sich über manche Journalisten.

Natürlich ärgert einen der Tenor, wenn man es vermeiden kann, wenn sie über die Baustelle gegangen wären, hätten sie gesehen, was Sache ist. Nur einfach etwas hinzuschreiben, weil mit negativem Wort mehr Zeitungen zu verkaufen sind, obwohl die Fortschritte erheblich waren, das ist sicherlich nicht erfreulich.

Eine Pferdekutsche am Rande der Akropolis – bis vor wenigen Jahren war das noch undenkbar. Doch jetzt ist rund um die Akropolis eine Fußgängerzone entstanden, die auch Kutschen benutzen dürfen. Nicht nur an dieser historischen Stätte, überall in Athen sind Fußgängerzonen errichtet worden. Die Stadt ist schöner geworden im Zuge der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele. So sind z.B. hässliche Werbetafeln aus der Innenstadt verschwunden. Schöne klassizistische Gebäude haben, das erste Mal seit vielen Jahren, einen neuen Anstrich erhalten. Die beiden Knotenpunkte der Stadt, der Syntagma- und der Omonia-Platz, sind neu und fußgängerfreundlich gestaltet worden.

Doch die größten Veränderungen sind die neuen Verkehrswege und Verkehrsmittel in Athen.

Athen hat zwei neue U-Bahnlinien erhalten – für die Vier-Millionen-Stadt eine längst überfällige Entwicklung. Auch ist ein neuer Flughafen 20 Kilometer außerhalb Athens gebaut worden. Von dort aus fahren jetzt die Metro und eine Vorortbahn bis ins Zentrum. Rund 100 Kilometer an Busspuren sind neu angelegt worden. Eine neue Straßenbahnlinie verbindet die Innenstadt mit dem Meer und den dortigen Sportstätten - für die chronisch verstopften Straßen Athens und die wegen des Autoverkehrs sehr schlechte Luft zweifellos eine Verbesserung.

Das Straßennetz in und um Athen ist ebenfalls völlig neu gestaltet worden. Die Stadt hat eine moderne Ringautobahn erhalten sowie Zubringerstraßen mit Unterführungen. Der Olympia-Verantwortliche der Regierung, Spiros Kapralos, ist sicher:

All das, was in den letzten vier Jahren gebaut worden ist, wäre ohne die Olympischen Spiele nicht einmal in 20 Jahren gebaut worden. Athen brauchte die Modernisierung seiner Verkehrswege.

Dem widerspricht in Griechenland niemand. Aber Kritiker halten der Regierung vor, falsche Grundsatzentscheidungen getroffen und deshalb das Geld nicht optimal im Interesse der Athener Bürger eingesetzt zu haben. Mit der Ringautobahn und dem Ausbau von Zubringerstraßen werde dem Autoverkehr nach wie vor Vorrang eingeräumt.

Durch den Stadtteil Neo Psychiko zum Beispiel führt eine der große Ausfallstraßen, die die Innenstadt sowohl mit dem Olympiastadion wie mit der Ring- und Flughafenautobahn verbindet. In Neo Psychiko wurden mehrere Unterführungen für diese vielbefahrene Straße gebaut. Die Gemeinde hat diese Baumaßnahmen jedoch immer bekämpft. Denn das Hauptproblem Athens, den Autoverkehr, wird man durch die Unterführungen nicht eindämmen können. Der Bürgermeister von Neo Psychiko, Thanos Vezyriannis, hält die Planung der Regierung für kurzsichtig:

Die Regierung sagt selbst, dass diese Unterführungen den Verkehrsfluss höchstens für vier oder fünf Jahre gewährleisten werden. Wir sind dafür eingetreten, statt der Unterführungen einen Straßentunnel und gleichzeitig darunter auch hier einen U-Bahntunnel zu bauen. Denn nur durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs können wir langfristig das Autoproblem in den Griff bekommen.

Die Vorschläge des Bürgermeisters stießen auf taube Ohren – wegen der höheren Kosten. Ebenso erfolglos blieben Einwände von Stadtplanern, die den Bau des Olympiadorfes am Rande von Athen auf einer grünen Wiese kritisierten. An dieser Entscheidung war vor allem das Internationale Olympische Komitee maßgeblich beteiligt, das aus Sicherheitsgründen einen hermetisch von der Außenwelt abschließbaren Stadtteil forderte. Statt eine Trabantenstadt mit ihren bekannten Problemen zu schaffen, wäre für Athen etwas anderes besser gewesen, meint der Athener Stadtplaner, Professor Jannis Polisos.

Das olympische Dorf wäre eine hervorragende Möglichkeit gewesen, eines der problematischen Stadtviertel, die es mitten in Athen gibt, zu sanieren. Das hätte keine Grünflächen zerstört und auch, wenn die Olympischen Spiele vorbei sind, den Verkehr in Athen reduziert.

Kritik von Umweltschützern hat auch die für die olympischen Spiele neu angelegte Ruderregattastrecke in der Nähe von Marathon hervorgerufen. Sie wurde in Mitten eines ökologisch seltenen Küstenfeuchtgebietes angelegt. In diesem Biotop mit seiner einzigartigen Mischung von Süß- und Salzwasser nisteten viele Vogelarten. Theodora Nantzou vom WWF, dem "World Wide Fund For Nature ", befürchtet, dass sie wegziehen.

Ein Ökotop wie dieses ist in Griechenland sehr selten. Diese Gegend hätte zum Naturschutzgebiet erklärt und nicht durch eine Regattastrecke zerstört werden sollen.

Immerhin haben die Proteste der Umweltschützer dazu geführt, dass am künstlichen Regattasee kleinere Tribünen und weniger Parkplätze gebaut wurden als ursprünglich geplant. Doch insgesamt wird sich die Olympiade in Athen unter ökologischen Gesichtspunkten nicht mit Ruhm bekleckern, urteilt die Umweltschützerin Theodora Nantzou:

Sydney hat in Punkto Umweltschutz die Note 6 bekommen. Athen wird man mit minus sechs bewerten müssen.

Die meisten Athener lässt eine solche Kritik kalt. Sie sehen die Fortschritte und freuen sich:

Der Nahverkehr ist besser geworden, im Zentrum sind Plätze und Gebäude renoviert. Die Stadt wird jeden Tag schöner.

Es ist eine große Genugtuung, dass die Olympischen Spiele wieder hier herkommen, in das Land, in dem sie geboren wurden.

Allerdings wollen laut Umfragen 40 Prozent der Athener die Stadt während der Olympischen Spiele verlassen. Sie befürchten vor allem ein Verkehrschaos. Denn die große Olympische Familie, die Sportler und die Funktionäre, sie alle werden nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mit Bussen in die Veranstaltungsorte gefahren. Der Olympia-Verkehr wird absoluten Vorrang haben. So fragt sich der Taxifahrer Kostas Laliotis besorgt, wie das alles funktionieren soll, wo doch schon jetzt häufig wegen Stau kein Durchkommen ist.

Von den drei Fahrspuren soll eine für die öffentlichen Verkehrsmittel und die zweite für die Olympioniken freigehalten werden. Es gibt also nur eine für den normalen Verkehr. Das wird nicht gehen. Ich weiß nicht, wie die sich das vorstellen. So wird man die Kunden nicht bedienen können.

Sorgen müssen sich Bürger und Regierung auch über die Kosten der Olympischen Spiele machen. Für die Infrastrukturmaßnahmen waren ursprünglich 4,6 Milliarden Euro veranschlagt worden. Doch diese Summe ist längst überschritten, aber niemand weiß genau, um wie viel. Finanzminister Giorgos Alogoskoufis hat vor einem Ausschuss im Parlament unlängst gesagt, er rechne mit mindestens sechs Milliarden Euro. Ein Bericht einer angesehenen Unternehmensberatung kommt sogar auf 10 Milliarden Euro. Das Defizit des Staates wird deshalb dieses Jahr bei 3,7 Prozent liegen, weit über den Vorgaben des europäischen Stabilitätspaktes.

Schon hat die konservative Regierung von Ministerpräsident Karamanlis große Ausgabenkürzungen nach den Olympischen Spielen ins Auge gefasst. Soziale Verbesserungen, wie sie Karamanlis noch im Wahlkampf im März versprochen hatte, werden kaum zu finanzieren sein. Giorgos Souflias, der Minister für öffentliche Bauten, soll angesichts der wachsenden Kosten gesagt haben:

Ich habe Zweifel, ob es richtig war, die Olympischen Spiele wirklich nach Athen zu holen.

Solche Zweifel hatte Dimitri Stratoulis schon von Anfang an. Der stellvertretende Vorsitzende des sozialwissenschaftlichen Instituts der griechischen Gewerkschaften fühlt sich nun in seiner Meinung bestärkt, dass die Olympischen Spiele für Griechenland eine Nummer zu groß sind. Seine Voraussage:

Nach den Olympischen Spielen werden die Arbeitnehmer dafür zur Kasse gebeten werden. Weil die Kosten so hoch sind , wird die Regierung Sparmaßnahmen und Lohnkürzungen durchsetzen. Für diese Spiele werden viele Generationen die Zeche zahlen müssen.

Die Regierung wendet zu Recht ein, dass die Infrastrukturmaßnahmen ein positives und bleibendes Erbe der Spiele bleiben werden. sie hofft auf einen Langzeiteffekt. Ministerpräsident Kostas Karamanlis in einem Medieninterview:

Wenn die Besucher in Athen, die Zuschauer vor den Fernsehgeräten und auch die Medien sehen, was wir geschafft haben, dann könnte es in den nächsten Jahren womöglich eine ähnliche Touristenrevolution geben wie in Barcelona. Das war vor der Olympiade ein schönes Plätzchen mit einem netten Provinzhafen und ist plötzlich eines der begehrtesten Reiseziele in Europa geworden.

Eine Hoffnung, gegen die manche Fakten sprechen. Denn zum einen wird dieses Jahr trotz der Olympiade ein Rückgang des Tourismus in Griechenland um acht Prozent erwartet. 6000 von 35 000 Hotelbetten in Athen werden nach letzten Zahlen wohl während der Olympiade leer stehen. Und zum anderen ist Athen, im Unterschied zu Barcelona, längst jedes Jahr ein Ziel von 100 000den von Touristen. Die Steigerungsraten sind deshalb hier sicher nicht so groß. Für die Kosten-Explosion gibt es sowohl globale wie spezifisch griechische Gründe. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und den Terror-Anschlägen von Istanbul und Madrid sind die Sicherheitsanforderungen in schwindelnde Höhen geschraubt worden. Über 1,2 Milliarden Euro wird für die Sicherheit in Athen ausgegeben werden, sechs Mal mehr, als vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in Sydney. 70 000 Soldaten und Polizisten werden auf den Straßen sein, 1300 Kameras werden jede Bewegung aufzeichnen. Marine und ein Awacs-Aufklärungsflugzeug der NATO werden ständig unterwegs sein. Das Menschenmögliche soll getan werden, um einen Anschlag zu verhindern - obwohl die Geheimdienste bisher keinerlei Anzeichen auf ein mögliches Attentat bemerkt haben.

Manche Griechen wenden auch ein, dass angesichts der US-kritischen Haltung Griechenlands für Al-Qadi kein Anlass besteht, gerade in Athen zuzuschlagen. Und sie bezweifeln, dass die ergriffenen teuren Maßnahmen wirklich effektiv sind. Der Sozialwissenschaftler Dimitri Stratoulis:

Ein Selbstmordattentäter würde sich den Sprengstoff zu Hause um den Bauch binden. Da nützen Awacs -Überwachungsflugzeuge und die Kameras auf den Straßen doch überhaupt nichts.

Neben den gestiegenen Sicherheitsanforderungen ist vor allem die mangelhafte Planung für die Kostenexplosion verantwortlich. Nachdem Griechenland schon 1997 den Zuschlag für die Spiele erhalten hatte, geschah drei Jahre lang kaum etwas. Wegen der dann fehlenden Zeit gingen die Kosten natürlich in die Höhe. Jochen Schill vom Organisationskomitee der Olympischen Spiele:


Auf den letzten Drücker hin fertig zu werden, ist eben teurer als eine langfristige Planung.

Und manchmal sogar lebensgefährlich. Allein beim Bau des Olympischen Dorfes sind 13 Arbeiter tödlich verunglückt. Es gab dort 313 schwere Arbeitsunfälle – mehr als bei vergleichbaren Projekten in anderen Ländern. Dimitri Stratoulis:

Die Ursache war die große Geschwindigkeit, mit der wegen des verspäteten Beginns gearbeitet wurde. Die Leute haben bis zu 16 Stunden am Stück arbeiten müssen.

Auch Prestige-Denken hat die Kosten in die Höhe getrieben. Zum Beispiel ist das extravagante neue Dach des Athener Olympiastadions für die erfolgreiche Durchführung der Spiele nicht zwingend notwendig gewesen. Die Glaskonstruktion mit ihren weiten geschwungenen Bögen, die der spanische Stararchitekten Santiago Calatrava entworfen hat, kostet allein 200 Millionen Euro – soviel wie anderswo ein ganzes Stadion. Das Internationale Olympische Komitee hatte mehrmals darauf hingewiesen, dass ein Dach nicht nötig sei. Aber die griechische Regierung hat es trotzdem gebaut.

Zweifellos sind auch andere für die Olympischen Spiele gebauten Sportstätten langfristig von eher fraglichem Wert für Griechenland. Der Ökonom Theodosios Palaskas von einem kleinen Athener Wirtschaftsforschungsinstitut fragt zum Beispiel Zeitungsinterview:

Was machen wir nach den Spielen mit all den neuen Sportstätten, was machen wir mit einem Stadion mit 30 000 Plätzen in Kreta, was mit der Anlage für die Ruderwettkämpfe – eine Sportart, die in Athen kaum ausgeübt wird?

Der langfristige Bedarf der Griechen und der Bedarf der Olympischen Spiele stehen teilweise im Widerspruch zueinander, meint auch der bekannte Athener Sportjournalist Kostas Kalfopoulos:

Wir brauchen keine Bogenschießanlage für eintausend Zuschauer und keine drei Tennisanlagen für 30000 Zuschauer. Was wir benötigen, sind Tennisfelder, Fußball- und Basketballfelder in den Stadtteilen für die Athener Menschen, die dort leben, und nicht für ein paar gut verdienende Profis, die uns zwei Wochen lang besuchen kommen.

Ab morgen blickt dann die ganze Welt nach Athen. Und die Athener bangen darum, dass alles gut geht. Dass Terrorangriffe die Spiele kaputtmachen, scheint gegenwärtig noch als geringste Gefahr. Aber vor kurzem brach die Stromversorgung der Metropole zusammen. Die Ursache: menschliches Versagen. Jemand hatte notwendige Hebel nicht umgestellt. Beruhigend stellte die Regierung klar: das könne nicht wieder passieren. Aber so recht glauben, kann man das nicht.

Vergangenes Jahr blies der Sommerwind die Ruderer bei einem Testwettbewerb von den Booten. Es gibt keine Garantie dafür, dass die Winde in diesem Sommer günstiger sind.

Und dann ist da noch das leidige Doping-Problem: Es könnte schnell in den Mittelpunkt rücken – und die Griechen würden überhaupt nichts daran ändern können, dass dann das Image dieser Olympischen Spiele weniger günstig aussehen würde.

Doch die Verantwortlichen sind zuversichtlich. Die Präsidentin des Athener Organisationskomitees, Gianna Angelopoulos-Daskalaki, versprach schon vor sieben Jahren, als Athen zur Olympia-Stadt ausgewählt wurde, "Traumspiele". Regierungsvertreter Spiros Kapralos ist da etwas vorsichtiger:

Ich glaube, wir werden sehr erfolgreiche Spiele erleben, es wird weder einen Stromausfall noch andere unangenehme Dinge geben. Aber wir sind auf alles vorbereitet, selbst wenn etwas schief geht.

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