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StartseiteCampus & Karriere"Es reicht nicht, sich einfach einen Text herunterzuladen"24.02.2020

Erfolgsfaktoren beim Selbststudium"Es reicht nicht, sich einfach einen Text herunterzuladen"

Kurz im Netz suchen statt Bücher wälzen in der Unibibliothek: Dass das Selbststudium heutzutage viel einfacher sei als früher, ist ein Trugschluss, warnt Birgit Sellmer von der TU Wildau im Dlf. Ein erheblicher Anteil von Studierenden brauche Unterstützung, um sich Zusammenhänge zu erarbeiten.

Birgit Sellmer im Gespräch mit Thekla Jahn

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Vogelperspektive auf eine junge Frau, die vor ihren Schulunterlagen sitzt und lernt, wobei ein Laptop und Tablet in Griffnähe sind. (imago / Westend61)
Zeit- und ortsunabhängige Lernangebote im Netz eröffnen Chancen - aber ein Selbstläufer wird das Selbststudium dadurch noch lange nicht (imago / Westend61)
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"Erfolgsfaktor(en im) Selbststudium 2.0" lautet der Titel einer Fachtagung an der Technischen Hochschule Wildau. Und trotz der "2.0": Die klassischen Tugenden wie Motivation, Interesse zu Lernen, Fachkompetenz, Zeitmanagement, Anstrengung und Durchhaltevermögen - die brauche es für ein erfolgreiches Studium nach wie vor; so sieht es Birgit Sellmer, Leiterin des TH College. Die digitalen Möglichkeiten, die heutigen Studierenden zur Verfügung stehen, machen das Selbststudium noch lange nicht zum Selbstläufer.

Überangebot an Informationen im Netz

Da ist zum einen das schiere Überangebot von Informationen - Lexikonartikel, Fachtexte, Videos. "Aber es ist erforderlich, dass man die auch kritisch betrachten und bei der Recherche auch feststellen kann: Gut, welche Quellen kann ich denn jetzt eigentlich benutzen? Wie sind die zu bewerten oder welche sollte ich vielleicht auch nicht benutzen?" Und der einfache Zugang bedeute noch lange nicht, Lernstoff dann auch strukturieren und verstehen zu können. "Das muss man trotzdem immer noch machen."

Heterogene Voraussetzungen bei Studierenden

Die Studierenden haben hier, so die Feststellung von Birgit Sellmer, durchaus Beratungsbedarf. Wie der konkret aussieht, das hänge stark von den jeweiligen Hintergründen ab: "Sie haben ja die verschiedenen Bildungswege, die kommen mit und ohne Abitur zu uns an die Hochschule, haben von daher natürlich auch teilweise unterschiedliche Fachkenntnisse." Gebraucht würden also zum einen fachliche Tutorien und ergänzende Onlinematerialien, aber auch überfachliche Lern- und Schreibberatung.

Persönlicher Kontakt bleibt Erfolgsrezept

Interessanterweise bevorzugen selbst die studierenden "Digital Natives" dabei ein direktes menschliches Gegenüber: "Wir haben auch gefragt, ob sie gerne per Chat beraten werden wollen. Aber das wünschen Sie sich gar nicht so sehr." Online-Angebote, so Birgit Sellmer, funktionierten aus ihrer Erfahrung heraus am besten, "wenn sie sehr gut verbunden und verknüpft sind mit Präsenzveranstaltungen, also mit den Vorlesungen oder Übungen oder anderen Lehrangeboten."

Das sei möglicherweise auch die Ursache für die hohe Abbrecherquote bei MOOCs (Massive Open Online Courses): "Die müssten eingebunden sein in ein Studienangebot, wo es auch einen persönlichen Kontakt gibt zu Ansprechpartnern oder Ansprechpartnerinnen."   

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