Montag, 23. Mai 2022

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Erforscht, entdeckt, entwickelt
Meldungen aus der Wissenschaft

Forscher weisen zum ersten Mal ein Heliumhydrid-Ion im Weltall nach +++ Leuchtende Genitalien helfen, verschiedene Tausendfüßler-Arten zu unterscheiden +++ Plasma-Nadeln lassen Blitze mehrfach einschlagen +++Forschende entdecken einen der größten Raubsäuger der Erdgeschichte +++ Urinsalze zeigen, wie viele Bewohner eine historische Siedlung hatte

Von Magdalena Schmude | 18.04.2019

Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell"
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Forscher weisen zum ersten Mal ein Heliumhydrid-Ion im Weltall nach
Heliumhydrid-Ionen waren die ersten Moleküle, die sich nach dem Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren im Universum bildeten. Bisher war die instabile Verbindung von ionisiertem Wasserstoff und Helium aber nur in Laborexperimenten nachgewiesen worden. Jetzt konnten Forscher vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn sie zum ersten Mal im Weltall nachweisen, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Nature berichten.
Mit einem hochauflösenden Spektrometer gelang es ihnen, die spezifische Infrarot-Strahlung eines Heliumhydrid-Ions aufzufangen.
Das Molekül befand sich in einem planetarischen Nebel etwa 3000 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Quelle: Nature

Leuchtende Genitalien helfen, verschiedene Tausenfüßler-Arten zu unterscheiden
Das hat ein amerikanisches Forschungsteam bei Experimenten mit der Tausendfüßler-Art Pseudopolydesmus herausgefunden. Für die Wissenschaftler ist das Phänomen hilfreich, denn die Genitalien verschiedener Unterarten leuchten in unterschiedlichen Farben, wie die Forscher im Zoological Journal of the Linnean Society schreiben.
Das Leuchten entsteht, weil spezielle Proteine im Exoskelett der Insekten durch die UV-Strahlung angeregt werden.
Warum ausgerechnet die Genitalien leuchten, ist unklar. Denn es ist nicht bekannt, ob die Tausendfüßler selbst die Farben wahrnehmen können oder nicht.
Quelle: Zoological Journal of the Linnean Society

Plasma-Nadeln lassen Blitze mehrfach einschlagen
Wissenschaftler aus den Niederlanden haben beobachtet, warum Gewitterwolken oft mehrfach hintereinander blitzen. Wie die Forscher im Fachjournal Nature berichten, bilden sich unter bestimmten Bedingungen nadelartige Plasmakanäle, durch die ein Teil der elektrischen Ladung in die Wolke zurückfließt. Diese Ladung kann dann innerhalb weniger Sekunden durch weitere Blitze abgeleitet werden.
Die Plasma-Nadeln führen senkrecht von den eigentlichen Blitzkanälen weg. Sie sind rund 100 Meter lang und haben einen Durchmesser von fünf Metern.
Die Vorgänge innerhalb der Wolken verfolgten die Wissenschaftler mit Hilfe eines speziellen Radioteleskops, des Low Frequence Arrays. Es besteht aus tausenden über Europa verteilten Antennen und liefert Messungen mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung.
Quelle: Nature

Forschende entdecken einen der größten Raubsäuger der Erdgeschichte
Ein Forschungsteam der Universität Ohio in den USA hat eines der größten fleischfressenden Säugetiere entdeckt, das jemals auf der Erde lebte. Wie die Forschenden in der Fachzeitschrift Journal of Vertebrate Paleontology berichten, war das löwenähnliche Tier bis zu 1500 Kilogramm schwer und möglicherweise größer als ein Eisbär.
Das Tier wurde anhand eines unvollständigen Unterkiefers sowie Zähnen und Knochenfragmenten identifiziert.Diese wurden schon vor Jahrzehnten in Kenia ausgegraben. Erst jetzt allerdings ergaben neue Analysen, dass sie zu einer bislang unbekannten, großen Tierart gehören.
Das Raubtier lebte vor rund 23 Millionen Jahren in Eurasien, Nordamerika und Teilen von Afrika und der arabischen Welt und jagte große Pflanzenfresser, die heutigen Elefanten und Nilpferden ähnelten.
Quelle: Journal of Vertebrate Paleontology

Urin-Salze zeigen, wie viele Bewohner eine historische Siedlung hatte
Amerikanische Archäologen haben auf diese Weise die Geschichte einer antiken Siedlung in der Türkei nachvollzogen. Sie konnten zeigen, dass sich die Menge der Urinsalze im Boden unter der Siedlung zwischen den Jahren 8450 und 7450 vor Christus mehrfach stark veränderte, je nachdem, wie viele menschliche und tierische Bewohner dort lebten. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Science Advances vor.
In den ersten hundert Jahren wurden die Menschen gerade sesshaft und hielten noch wenig Tiere. Entsprechend niedrig war die Salzkonzentration im Boden.In den nächsten 400 Jahren vervielfachte sich die Zahl der Tiere schnell, wie ein starker Anstieg die Konzentration der Urinsalze zeigt.
In der jüngsten Erdschicht fanden die Forscher wieder weniger Urinsalze. Sie schließen daraus, dass die Tierherden schließlich so groß geworden waren, dass sie an den Rand der Siedlung umziehen mussten.
Quelle: Science Advances