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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft12.04.2019

Erforscht. entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Auch im All bleibt man der Alte +++ Im Marianengraben leben ölfressende Bakterien +++ Der Denisova-Mensch hatte unbekannte Verwandte +++ Rund ein Drittel der Krebspatienten nutzt alternative Heilmethoden +++ Wer lächelt, kann sich überlisten

von Kathrin Baumhöfer

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Auch im All bleibt man der Alte.

So könnte man erste Ergebnisse einer Zwillingsstudie zusammenfassen, die im Fachmagazin Science erschienen ist. Insgesamt zehn Teams von Wissenschaftlern haben unzählige Daten und Proben von eineiigen Zwillingsbrüdern untersucht, von denen einer fast ein ganzes Jahr auf der internationalen Raumstation ISS verbrachte.

Es handelt sich um eine Untersuchung, die auf dem Vergleich von einem Zwillingspaar beruht – die Forschenden rechnen ihren Erkenntnissen dennoch grundlegende Bedeutung zu.

Sie stellten fest, dass sich einige Parameter während der Zeit im All veränderten – zurück auf der Erde erreichten die meisten davon aber wieder den Status von vor Beginn der Mission. Beobachtet wurde das zum Beispiel bei der Zusammensetzung der Darmflora; auch in der Netzhaut gab es solche Effekte.

Veränderungen fielen außerdem an Telomeren auf; die Länge dieser Strukturen am Ende der Chromosomen wird mit Alterungsprozessen in Verbindung gebracht. Dabei gilt: Je länger die Telomere, desto größer der Schutz. Beim Zwilling auf der ISS wurden die Telomere während des Aufenthalts im All länger – und auf der Erde wieder kürzer als vor dem Start zur ISS.

Eine weitere Erkenntnis: Eine Grippe-Impfung wirkt in der Schwerelosigkeit genauso wie auf der Erde.

Hintergrund der Studie ist die Frage, welchen Einfluss etwa Strahlung und Schwerelosigkeit genau auf den menschlichen Körper haben.

Quelle: Science


Im Marianengraben leben ölfressende Bakterien.

… und deren Konzentration am tiefsten Punkt der Weltmeere – in knapp 11.000 Meter Tiefe – ist höher als überall sonst auf der Welt, das schreiben Forschende der University of East Anglia in Großbritannien im Fachmagazin Microbiome. Sie hatten Proben aus unterschiedlichen Wassertiefen analysiert.

Bakterien wie Oleibacter und Alcanivorax sind in der Lage, Kohlenwasserstoffe aufzuspalten. Diese wiederum stammen von anderen Bakterien – aber auch Ölverschmutzungen des Wassers sind eine mögliche Quelle.

Den Wissenschaftlern gelang es außerdem, einige der ölfressenden Arten im Labor zu züchten. Außerdem konnten sie zeigen, dass die Bakterien auch im Labor Kohlenwasserstoffe spalten, wenn man Bedingungen wie im Marianengraben simuliert.

Quelle: Microbiome


Der Denisova-Mensch hatte unbekannte Verwandte.

Ein Team internationaler Forscher hat DNA-Fragmente untersucht, die diese inzwischen ausgestorbene Menschenart an Nachfahren weitergegeben hat, die heute in Südostasien leben. Dabei stellten sie fest: Es gab nicht nur eine, sondern zwei Entwicklungslinien – getrennt seit etwa 350.000 Jahren. Eine der beiden Denisova-Linien unterscheidet sich von der anderen so sehr, dass es sich bei ihr um eine völlig neue Urmenschen-Gruppe handeln könnte, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin Cell.

Denisova-Menschen lebten etwa zur gleichen Zeit wie ebenfalls heute ausgestorbene Neandertaler, einer weiteren Menschenart. Anthropologen gehen davon aus, dass ihre Entwicklungslinien auseinander liefen, nachdem sich die gemeinsamen Vorfahren von der Linie des anatomisch modernen Menschen aus Afrika getrennt hatten. Inzwischen gibt es einige Hinweise, dass sich diese Spezies wieder miteinander mischten – und gesunde Nachkommen zeugten.

Quelle: Cell


Rund ein Drittel der Krebspatienten nutzt alternative Heilmethoden.

Das gilt, so schreiben die Autoren im Fachmagazin JAMA Oncology, zumindest für die USA und zusätzlich zu einer klassischen Behandlung. Zu den Alternativtherapien zählen sie zum Beispiel Yoga und Osteopathie, aber auch pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel.

Das Problem: Die wenigsten Patienten sprechen darüber mit ihrem Arzt. Die Autoren warnen: Präparate, die man zusätzlich einnimmt – pflanzlich oder nicht – können Einfluss auf die Behandlung haben und diese sogar schwächen.

Entsprechende Bedenken gibt es etwa für einen hohen Konsum von Antioxidantien und Bestrahlung.

Andere alternative Heilmethoden wie Yoga und Meditation können nach den Worten der Autoren aber dazu beitragen, die Diagnose besser zu verarbeiten und den Folgen von Operationen, Chemotherapie und Bestrahlung entgegenzuwirken.

Quelle: JAMA Oncology


Wer lächelt, kann sich überlisten.

Macht es gute Laune, wenn man lächelt? Und schlechte, wenn man düster guckt? Unter Psychologen wird über diese Fragen seit Jahrzehnten gestritten. Eine Meta-Analyse mehrerer Forschergruppen aus den USA, die knapp 140 solcher Einzelstudien berücksichtigt, kommt zu dem Ergebnis: Der Gesichtsausdruck hat Einfluss auf das Befinden – allerdings ist dieser Effekt nicht besonders groß.

Das Glück herbeilächeln könne man nicht, sagt einer der Autoren. Dennoch gebe die Studie Aufschluss darüber, wie Geist und Körper zusammenarbeiten, wenn es um die bewusste Erfahrung von Emotionen geht.

Quelle: Psychological Bulletin

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