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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft 30.04.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Das Schelfeis in der Antarktis ist fragiler als bislang bekannt +++ Die Charité bemüht sich um die Aufarbeitung der eigenen Geschichte +++ Der experimentelle Ebola-Impfstoff bewährt sich offenbar +++ Genetiker entdecken einen "Geisteraffen" +++ Verzögerungen im Jetstream haben den Hitzesommer verursacht +++ US-Amerikaner sollten sich gegen Masern impfen lassen

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Das Schelfeis in der Antarktis ist fragiler als bislang bekannt

Das Ross-Schelfeis umgibt die Antarktis und verlangsamt den Strom der Gletscher. Bislang galt die größte dortige Schelfeisfläche als relativ stabil. Messungen von Polarforschern der Universität Cambridge zeigen jedoch, dass es an der Eisunterseite nahe der Eisfront zu einem intensiven Abschmelzen kommt. Dort liegen die Abtauraten teils bei mehr als sieben Metern pro Jahr. Das entspricht dem 20-fachen der durchschnittlichen Abtauraten. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt NATURE Geoscience darlegen, strömt das von der Sonne erwärmte Oberflächenwasser unter das Eis und beschleunigt so das Abtauen.

Quelle: NATURE Geoscience


Die Charité bemüht sich um die Aufarbeitung der eigenen Geschichte

Gestern hat die Charité Berlin die menschlichen Überreste von 109 Maori und Moriori an Nachfahren aus Neuseeland zurückgegeben. Die aus Gräbern stammenden Schädel und Skelettteile gelangten im 19. und 20. Jahrhundert nach Berlin. Von neuseeländischer Seite hatte es 2010 einen Antrag auf Rückgabe gegeben. Für die Charité bezeichnete Dekan Axel Radlach Pries die Aneignung der Gebeine durch die Berliner Institutionen als "unethisch und nicht akzeptabel" und bat um Entschuldigung.

Quelle: Charité


Der experimentelle Ebola-Impfstoff bewährt sich offenbar

Bei der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika wurde der bislang nicht-zugelassene Impfstoff rVSV-ZEBOV erstmals eingesetzt. Als das Virus 2018 in der Demokratischen Republik Kongo ausbrach, startete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dort mit einer Impfkampagne. Ein internationales Medizinerteam hat den Effekt der Impfungen untersucht und berichtet über seine Ergebnisse im Fachblatt PNAS. Demnach scheint der Wirkstoff hoch effektiv gegen das tödliche Virus zu wirken. Hochrechnungen zufolge hat der Impfstoff den geografischen Bereich, in dem ein Risiko einer Infektion bestand, um 70 Prozent reduziert, zudem sank die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung um ebenfalls mehr als 70 Prozent. Vor allem der unverzügliche Beginn der Impfung sei entscheidend gewesen. Hätte die Impfkampagne nur eine Woche später begonnen, hätte sich die Region nur um 33 Prozent und die Infektionswahrscheinlichkeit um lediglich 45 Prozent reduziert.

Quelle: PNAS


Genetiker entdecken einen "Geisteraffen"

Vom Vergleich der Genome von Homo sapiens, der Neandertaler und der Denisova-Menschen war bereits bekannt, dass es mindestens einen weiteren menschlichen Vertreter gegeben haben muss, der vor vielen tausend Jahren durch Vermischung seine Spuren im Erbgut hinterlassen hat. Bei einem solchen Nachweis, bei dem es keine Fossilien als Beleg gibt, sprechen Genetiker vor einer Geisterlinie. Ein spanisches Forschungsteam hat nun eine solche Linie beim Vergleich der Genome von Schimpansen und Bonobos entdeckt. Wie die Forschenden im Fachblatt NATURE Ecology & Evolution darlegen, konnten sie knapp fünf Prozent des Erbguts eines "Geister-Affen" rekonstruieren. Wann und wo dieser Menschenaffe einst gelebt hat, ist unklar.

Quelle: NATURE Ecology & Evolution


Verzögerungen im Jetstream haben den Hitzesommer verursacht

Britische und deutsche Forscher haben einen Zusammenhang zwischen den Hitzewellen und Dürren in Europa und Amerika im Sommer 2018 und dem so genannten Jetstream nachgewiesen. Dieser starke Wind weht in etwa zehn Kilometer Höhe und kann große Wellenmuster, so genannte Rossby-Wellen, entwickeln. Diese können mitunter über Wochen in einer kleinräumigen Region verharren. Wie die Wissenschaftler in den Environmental Research Letters schreiben, kann es dann zu einer Hitzewelle kommen. Genau dazu ist es im vergangenen Jahr gekommen, ebenso bei den Hitzeperioden 2015, 2006 und 2003. Vermutlich werden zukünftig durch den Klimawandel bedingt häufiger derartige stockende Riesenwellen auftreten.

Quellen: PIK | Environmental Research Letters


US-Amerikaner sollten sich gegen Masern impfen lassen

Im Jahr 2000 waren die Masern in den USA für besiegt erklärt worden. Jetzt hat die Zahl der Neuinfektionen einen neuen Höchststand erreicht. 2019 seien bereits mehr als 700 Masern-Fälle in 22 US-Bundesstaaten gemeldet worden, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC mit. Im gesamten vergangenen Jahr lag die Zahl der gemeldeten Masern-Infektionen deutlich unter 400. Angesichts der steigenden Zahl an Masern-Fälle hat die CDC gestern die Bevölkerung eindringlich zu Impfungen aufgerufen. Insbesondere kleine Kinder sollten geimpft werden. Masern sind eine gefährliche und höchst ansteckende Krankheit.Bei einer Infektion kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen.

Quelle: CDC

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