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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft17.05.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Ultima Thule gibt Geheimnisse preis +++ Wer Fertiggerichte isst, nimmt eher zu +++ Bettwanzen bevölkerten die Erde schon gemeinsam mit Tyrannosaurus rex +++ Stigma schlägt Therapie +++ Eine Mutation kann Hunde zum Japsen bringen +++ Wann eine Art als bedroht wird, sollte überdacht werden

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Ultima Thule gibt Geheimnisse preis

Ultima Thule – oder wissenschaftlich 2014 MU69 – ist ein Objekt im Kuipergürtel am Rand des Sonnensystems. Im Fachmagazin Science präsentiert ein internationales Forschungsteam jetzt Daten, die die Raumsonde New Horizon bei einem Vorbeiflug im Januar dieses Jahres gesammelt hat. Demnach hat Ultima Thule eine abgeflachte Form mit zwei Wulsten, die vermutlich durch die Kollision zweier kleinerer Objekte entstand. Hinweise auf Monde, Ringe oder eine Atmosphäre geben die Daten nicht. Seit seiner Entstehung vor etwa 4,5 Milliarden Jahren sei der Himmelskörper weitgehend unberührt geblieben – selbst von der Hitze der Sonne. Die Astronomen erhoffen sich daher von ihrer Analyse neue Erkenntnisse über die Frühphase des Sonnensystems.

Die Studienergebnisse basieren nur auf etwa zehn Prozent der Daten, die New Horizon während des Vorbeiflugs gesammelt hat. Bis 2020 sollen alle Daten von der Raumsonde zur Erde übertragen werden.

Quelle: Science


Wer Fertiggerichte isst, nimmt eher zu

Das schreibt ein US-Forschungsteam im Fachmagazin Cell Metabolism. Für die Studie aßen 20 Teilnehmer jeweils zwei Wochen lang stark verarbeitete Nahrung wie Rahmkäse und Schinkenspeck oder weitgehend naturbelassene Produkte wie Bananen, Walnüsse und Haferflocken. Die Mahlzeiten glichen sich im pro Tag bereitgestellten Gehalt von Kalorien, Zucker, Fett, Salz, Ballaststoffen und Makronährstoffen – variierten allerdings leicht im Proteingehalt. Die Probanden durften so viel oder wenig davon essen, wie sie wollten. Das Ergebnis: Die Teilnehmer, die Fertignahrung konsumierten, nahmen durchschnittlich 500 Kilokalorien mehr pro Tag auf als die Vergleichsgruppe – und legten entsprechend an Gewicht zu.

Der beobachtete Effekt lässt sich offenbar nicht nur auf einzelne Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel zurückführen. Auch das Verhältnis von fester Nahrung zu Getränken bei den Ernährungsvarianten könnte eine Rolle spielen. Oder das unterschiedliche Essverhalten: Bei stark verarbeiteten Lebensmitteln, aßen die Probanden schneller.

Den Konsum stark verarbeiteter Nahrungsmittel zu begrenzen, könnte eine wirksame Strategie gegen Fettleibigkeit sein, schlussfolgern die Autoren.

Quelle: Cell Metabolism


Bettwanzen bevölkerten die Erde schon gemeinsam mit T. rex

Bettwanzen ernähren sich vom Blut anderer Lebewesen, auch dem von Menschen. Fledermäuse galten lange als die ersten Wirte der Parasiten vor etwa 50 Millionen Jahren. Die Studie eines internationalen Forschungsteams im Fachblatt Current Biology legt jetzt dagegen nahe, dass die Insekten bereits lange vorher entstanden – nämlich vor etwa 100 Millionen Jahren in der Kreidezeit. Von wessen Blut sich die parasitischen Tiere damals ernährten, ist unklar. Zudem zeigt die Analyse, dass die beiden Bettwanzen-Arten, die heute am häufigsten den Menschen befallen, viel älter sind als dieser.

Die Autoren hatten das Erbgut Dutzender Spezies untersucht und mit fossilen Überresten abgeglichen. So konnten sie die Entstehungsgeschichte der Tiere rekonstruieren. Die Analysen zeigten auch, dass sich manche Bettwanzen-Arten bei einem Wirtswechsel nicht ganz auf den neuen Wirt spezialisierten sondern flexibel blieben.

Die Studie trage dazu bei, die Evolution der Insekten und ihrer parasitischen Eigenschaften besser zu verstehen – und so vielleicht neue Gegenstrategien zu entwickeln.

Quelle: Current Biology


Stigma schlägt Therapie

Die Angst vor Stigmatisierung ist der Hauptgrund, warum sich Spitzensportlerinnen und Spitzensportler mit psychischen Problemen keine entsprechende Hilfe suchen. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam in einer Übersichtsstudie im British Journal of Sports Medicine. Dahinter stehe offenbar die Vorstellung, dass eine psychische Erkrankung ein Zeichen von Schwäche sei und auch von anderen Sportlern, Managern und der Öffentlichkeit so gesehen werde. Zu den weiteren Faktoren, die eine Therapie verhindern, zählen ein mangelndes Verständnis psychischer Krankheiten, schlechte Erfahrungen bei einer vorhergehenden Behandlungssuche und volle Terminkalender.

Der Untersuchung liegen 52 Studien mit 13.000 Spitzenathleten aus 71 Sportarten zu Grunde. Unter Spitzensport fassten die Autoren dabei professionellen Sport, Olympia-Teilnahme und Sport auf Hochschulebene.

Trainerinnen und Trainern käme eine besondere Rolle dabei zu, im Spitzensport eine Kultur zu fördern, die zu einer Behandlung bei psychischen Problemen ermutigt.

Quelle: British Journal of Sports Medicine


Eine Mutation kann Hunde zum Japsen bringen

Französische Bulldogge, Mops oder Pekinese: Bei Hunderassen mit kurzen Schädeln und flacher Schnauze treten oft Atemprobleme auf. Bislang wurden die anatomischen Besonderheiten der Rassen dafür verantwortlich gemacht. Im Fachmagazin PLOS Genetics schreibt jetzt ein Forschungsteam, dass auch eine bestimmte Genvariante zu Atemproblemen bei Hunden beitragen kann. Entdeckt haben sie die Wissenschaftler bei Norwich Terriern – eine Rasse, die keine auffällig flache Schnauze aufweist und dennoch immer wieder unter Atemproblemen leidet. Die Mutation führt zu Ödemen und Schwellungen der Atemwege, die die Luftzufuhr stören.

Die Forscher haben die Atemwege von mehr als 400 Norwich Terriern untersucht und im Erbgut der Hunde nach genetischen Ursachen der Atemprobleme gefahndet. Dabei identifizierten sie eine verantwortliche Genvariante, die auch bei Englischen und Französischen Bulldoggen auftritt.

Die negativen Effekte der Mutation könnten künftig bei der Zucht und medizinischen Behandlung von Hunden berücksichtigt werden, so die Autoren.

Quelle: PLOS Genetics


Wann eine Art als bedroht gilt, sollte überdacht werden

Das fordern eine Biologin und ein Biologe im Fachblatt Frontiers in Ecology and Evolution. Bisher werden Spezies auf der Roten Liste verzeichnet, wenn ihre Populationsgröße unter einen bestimmten Wert fällt. Bei großen Arten mit langsamen Fortpflanzungszyklen könne aber zum Beispiel das Verhältnis von Geburt- und Sterberate aussagekräftiger sein. So könnten demografische Kipp-Punkte rechtzeitig bemerkt werden, jenseits von denen sich eine Art nur schwer erholt – auch wenn die Bestandszahlen noch nicht alarmierend sind.

Ihr Konzept haben die Wissenschaftler auf den Asiatischen Elefant angewendet, von dem es noch schätzungsweise 50.000 Individuen in der Wildnis gibt. Die Tiere bekommen im Schnitt nur alle sechs Jahre Nachwuchs.

Modellrechnungen zeigten, dass bei dieser Art unter anderem eine hohe Überlebensrate der Kälber entscheidend dafür ist, dass die Population nachhaltig wächst.

Ähnliche Verhältnisse könnten bei Giraffen, Nashörnern und Gorillas vorliegen. Bei solchen Arten müsse proaktiv gehandelt werden, schon bevor die Zahl der Tiere auf ein bedenkliches Maß sinkt.

Quelle: Frontiers in Ecology and Evolution

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