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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft24.05.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Das Überleben von Korallenriffen hängt von den kleinsten Fischen ab +++ Ein Forschungsteam hat das älteste bekannte Sklavenschiff der USA gefunden +++ SpaceX hat 60 Satelliten ins All befördert +++ Leonardo da Vinci könnte unter ADHS gelitten haben +++ In Botswana dürfen wieder Elefanten gejagt werden +++ Flughunde tauschen Nahrung gegen Sex

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Das Überleben von Korallenriffen hängt von den kleinsten Fischen ab

Grundeln, Schleimfische oder Kardinalbarsche: Die Rolle dieser wenige Zentimeter langen, am Meeresboden lebenden Arten sei bislang unterschätzt worden, schreibt ein Forschungsteam im Fachmagazin Science. Die meisten davon werden demnach in ihren ersten Lebenswochen von anderen Riffbewohnern gefressen. Die Lücken würden aber umgehend durch ihre Larven gefüllt: Denn die bleiben im Gegensatz zu denen der meisten anderen Korallenfische beim Riff und wandern nicht ins offene Meer ab. Insgesamt machten die kleinen Arten durch diesen schnellen Lebenszyklus knapp 60 Prozent der Fischnahrung von größeren Riffbewohnern aus. Und die seien wiederum von großer wirtschaftlicher Bedeutung für den Menschen.

Die Autoren hatten für ihre Studie die demografische Dynamik von Korallenfischen untersucht und Populationsmodelle errechnet.

Quelle: Science


Ein Forschungsteam hat das älteste bekannte Sklavenschiff der USA gefunden

Taucher hatten die Überreste des vor knapp 160 Jahren gesunkenen Schoners "Clotilda" im Fluss Mobile entdeckt. Nun konnte das Schiff unter anderem anhand von Baumaterialien identifiziert werden, wie die Denkmalschutz-Behörde des US-Bundesstaates Alabama mitgeteilt hat. An Bord des Segelschiffes waren im Jahr 1860 110 Frauen, Männer und Kinder aus dem heutigen Benin in Westafrika als Sklaven nach Alabama gebracht worden. Das war bereits damals illegal, da der internationale Sklavenhandel ab 1808 verboten war. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe der Kapitän die "Clotilda" in dem Fluss anzünden und versenken lassen.

Die auf dem Schiff transportierten Sklaven mussten zum Beispiel auf Baumwollfeldern arbeiten, teilte die an der Suche beteiligte Smithsonian Institution mit.

Die meisten Sklaven der "Clotilda" sind offenbar nach ihrer Befreiung am Ende des Bürgerkriegs 1865 in Mobile geblieben und haben etwas nördlich davon die noch heute existierende Gemeinde Africatown gegründet.

Quelle: Denkmalschutzbehörde Alabama, Smithsonian Institution, DPA


SpaceX hat 60 Satelliten ins All befördert

Es sind die ersten von geplanten 12.000 Satelliten. Sie sollen künftig ein engmaschiges Netzwerk namens Starlink bilden, das einen weltweiten Internetzugang ermöglicht. Bislang gibt es noch Gebiete auf der Erde, wo es keinen entsprechenden Zugang gibt, zum Beispiel viele Regionen Afrikas oder auf Hoher See.  

Die 60 Satelliten waren in der vergangenen Nacht mit einer Falcon-9-Rakete vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral in die Erdumlaufbahn gebracht worden. Sie wurden in einer Höhe von 450 Kilometern ausgesetzt, um dann mit eigenem Schub ihre Endposition in 550 Kilometer Höhe einzunehmen.

Die jeweils über 200 Kilogramm schweren Satelliten sollen Daten von Bodenstationen bekommen und untereinander mit Hilfe von Lasern weiterleiten. Die ersten 60 Satelliten können allerdings noch nicht untereinander kommunizieren, sondern nur mit Bodenstationen.

Jedes Jahr sollen nun tausende weitere Satelliten folgen. SpaceX-Gründer Elon Musk will die Einnahmen aus Starlink eigenen Angaben zufolge für seine Pläne zur Besiedlung des Mars nutzen.

Quelle: SpaceX, RTR, AFPD


Leonardo da Vinci könnte unter ADHS gelitten haben

Zu diesem Schluss kommen zwei Neurowissenschaftler in der Fachzeitschrift Brain. Hinweise darauf sehen die Autoren darin, dass der italienische Universalgelehrte und Künstler einerseits außergewöhnlich kreativ gewesen sei, andererseits offenbar Probleme damit gehabt hat, Projekte zu Ende zu bringen. Die Hypothese der Wissenschaftler beruht auf historischen Beschreibungen der Arbeitsweise und des Verhaltens von Leonardo da Vinci.

Aufzeichnungen legen zum Beispiel nahe, dass er schnell zwischen Projekten wechselte, wenig schlief und zur Prokrastination neigte – also dem extremen Aufschieben von Arbeiten.

Es sei unmöglich, eine Diagnose für jemanden aufzustellen, der vor 500 Jahren gelebt hat. Eine Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitätsstörung sei aber die plausibelste Hypothese, um das Verhalten da Vincis zu erklären, so einer der Autoren. Der Fall könne zudem zur Entstigmatisierung beitragen: ADHS sei nicht mit geringem IQ oder geringer Kreativität assoziiert.

ADHS ist eine Verhaltensstörung. Betroffene haben Probleme sich zu fokussieren und regulieren und sind häufig geistig und körperlich unruhig.

Quelle: Brain


In Botswana dürfen wieder Elefanten gejagt werden

Wie das Umweltministerium des südafrikanischen Landes mitteilte, hat die Regierung ein seit 2014 geltendes Jagdverbot aufgehoben. Konflikte zwischen Elefanten und Menschen hätten zugenommen, und dies habe negative Auswirkungen auf die Lebensgrundlage der Menschen gehabt. Die künftige Jagd auf Elefanten werde streng kontrolliert, sagte der Umweltminister gestern. Es würden Lizenzen für nicht mehr als 400 Tiere pro Jahr vergeben. Außerdem werde das Jagen nur in bestimmten Konzessionen erlaubt.

In Botswana leben schätzungsweise 130.000 Elefanten – und damit etwa ein Drittel des gesamten afrikanischen Bestandes. In vielen Ländern Afrikas sind Nationalparks und Reservate nicht eingezäunt. Das führt dazu, dass Elefanten und andere Tiere über Ackerland wandern und die Ernte zerstören.

In Ländern wie Namibia, Tansania und Simbabwe ist die Elefantenjagd unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Das Jagdverbot für Elefanten war in Botswana seit seiner Einführung vor fünf Jahren immer wieder umstritten.

Quelle: Regierung Botswana, DPA


Flughunde tauschen Nahrung gegen Sex

Frühere Beobachtungen haben gezeigt: In Gefangenschaft lebende Nilflughund-Weibchen schnorren mitunter Nahrung aus dem Mund ihrer männlichen Artgenossen. Im Fachblatt Current Biology beschreibt jetzt ein israelisches Forschungsteam, was die Männchen davon haben: Der Studie zufolge werden sie für das Füttern häufig mit Sex entlohnt – und mit eigenen Nachkommen.

Die Wissenschaftler beobachteten eine Flughund-Kolonie in Gefangenschaft über mehr als ein Jahr. Dabei zeigte sich: Das Futterteilen begann viele Wochen vor der Paarung. Mit der Zeit intensivierten die Weibchen das Verhalten mit jeweils mehreren Männchen, bis sie sich schließlich mit einem davon paarten. Spätere Vaterschafts-Analysen bestätigten: Die neugeborenen Flughunde waren die Nachkommen der Männchen, die Nahrung mit den Weibchen geteilt hatten.

Offenbar wählen die Weibchen anhand individueller Vorlieben die Männchen, von denen sie Nahrung nehmen. Diese persönlichen Präferenzen änderten sich mit der Zeit. Dass Nahrung geteilt wird, tritt im Tierreich auch unter verwandten Individuen auf – oder wenn es zu aufwendig wäre, eine Ressource gegen Artgenossen zu verteidigen.

Quelle: Current Biology

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