Dienstag, 25.06.2019
 
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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft 11.06.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Ein Enzym kann Blutgruppen umwandeln +++ Eine tropische Zecke überwintert erstmals in Deutschland +++ Die Rote Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN bildet die Wirklichkeit nicht genau ab +++ Geoforscher weisen einen Meteoriteneinschlag vor Schottland nach +++ Bakterien kooperieren mit jedem +++ In der Demokratischen Republik Kongo herrscht offiziell eine Masern-Epidemie +++ Savagnin Blanc wurde schon vor 900 Jahren angebaut

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Ein Enzym kann Blutgruppen umwandeln

Die menschlichen Blutgruppen unterscheiden sich unter anderem durch verschiedene Antigene auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Vermischen sich verschiedene Blutgruppen, verklumpt das Blut. Dies kann für Patienten bei einer Blutspende tödlich sein. Die Antigene der Blutgruppe 0 haben jedoch kein Zuckermolekül, das für das Verklumpen verantwortlich ist. Daher vertragen alle Empfänger die Blutgruppe 0. Eine US-amerikanisch-kanadische Forschungsgruppe hat eine Methode entwickelt, mit der sie die Blutgruppe von A zu 0 ändern kann. Wie die Mediziner im Fachblatt NATURE Microbiology darlegen, handelt es sich dabei um ein Enzympaar aus einem menschlichen Darmbakterium. Mithilfe dieser Methode könnten künftig mehr passende Blutkonserven verfügbar gemacht werden, so die Studienautoren.

Quelle: NATURE Microbiology


Eine tropische Zecke überwintert erstmals in Deutschland

In den vergangenen Tagen sind gleich sechs Exemplare der tropischen Hyalomma-Zecke in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen aufgetaucht. Damit hat die invasive Art einen wesentlichen Schritt erreicht, um sich langfristig hierzulande zu etablieren, berichten Zeckenforscher der Universität Hohenheim. Denn die nun entdeckten Exemplare haben offenbar, im Gegensatz zu den Tieren im Vorjahr, in Deutschland überwintert. Hyalomma-Zecken zeichnen sich durch geringelte Beine sowie ihre Größe aus, da sie doppelt bis dreimal so groß sind wie ihre europäischen Verwandten. Vertreter von Hyalomma sind ursprünglich in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas beheimatet.

Quelle: Universität Hohenheim


Die Rote Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN bildet die Wirklichkeit nicht genau ab

Zumindest bei den Samenpflanzen. Denn in dieser Gruppe ist die Zahl der ausgestorbenen Spezies mehr als viermal größer als bislang aufgelistet. Das berichtet ein internationales Forschungsteam im Fachblatt NATURE Ecology & Evolution. Für die Erhebungen hatten die Studienautoren eine Vielzahl bereits existierender Daten ausgewertet. Demnach sind in den vergangenen 250 Jahren mehr als 570 Samenpflanzen-Arten nachweislich ausgestorben. Damit schreitet das Aussterben von Pflanzenarten deutlich stärker voran als das von Amphibien, Säugetieren oder Vögeln.

Quelle: NATURE Ecology & Evolution


Geoforscher weisen einen Meteoriteneinschlag vor Schottland nach

Der Nachweis des größten bislang bekannten Einschlags im Gebiet der britischen Insel ist einem Team der Universität Oxford gelungen. Demnach ist vor rund 1,2 Milliarden Jahren ein gewaltiger Meteorit mit hoher Geschwindigkeit zwischen schottischer Küste und den Äußeren Hebriden eingeschlagen. Wie die Forscher im Journal of the Geological Society darlegen, entstand bei dem Einschlag ein Krater von bis zu 20 Kilometern Durchmesser.

Quelle: Journal of the Geological Society           


Bakterien kooperieren mit jedem…

…auch mit einem der einfachsten Tiere der Welt: Trichoplax. Diese so genannten Scheiben- oder Plattentiere (Placozoa) bilden einen eigenen Tierstamm. Deren Vertreter sind 0,5 Millimeter groß, besitzen weder Mund noch Organe und sehen aus wie unförmige kleine Tropfen. Einem Forscherteam des Max-Planck-Instituts für marine Mikrobiologie gelang der Nachweis, dass diese Tiere in einer Symbiose mit zwei Bakterienarten leben, heißt es im Fachblatt NATURE Microbiology. Zum einen mit Grellia, einer parasitisch lebenden Art, die ihrem Wirt aber nicht zu schaden scheint. Zum anderen mit Ruthmannia, die in den Zellen sitzt, mit denen Trichoplax seine Nahrung verdaut. Ruthmannia scheint nur Lipide der Algennahrung zu verwerten, den Rest überlässt es seinem Wirt. Im Gegenzug versorgt das Bakterium Trichoplax vermutlich mit Vitaminen und Aminosäuren.

Quelle: MPG | NATURE Microbiology


In der Demokratischen Republik Kongo herrscht offiziell eine Masern-Epidemie

Das gab das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Kinshasa bekannt. Demnach seien seit Jahresbeginn fast 87.000 Verdachtsfälle registriert worden, 677 davon hätten sich bestätigt. Im gesamten Vorjahr seien es nur rund 65.000 Verdachtsfälle gewesen. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dürfte die Dunkelziffer weit höher liegen. Im Osten des Landes steigt zudem die Zahl der Ebola-Fälle. Seit Mitte 2018 starben durch die Virus-Erkrankung knapp 1.400 Menschen.

Quelle: Gesundheitsministerium DRK | Agenturen


Savagnin Blanc wurde schon vor 900 Jahren angebaut

Ein internationales Paläogenetikteam hat Traubenkerne aus 28 Ausgrabungsstätten in Frankreich aus der Eisenzeit, Römerzeit und dem Mittelalter untersucht. Ziel war, die genetische Vielfalt früher kultivierter Rebsorten zu analysieren. Wie die Forschenden im Fachblatt NATURE Plants darlegen, war einer der rund 900 Jahre alten Traubenkerne, der bei Orléans entdeckt wurde, genetisch identisch mit der Rebsorte Savagnin Blanc. Demnach existierte diese Sorte bereits damals genau in dieser Form und wurde seither vegetativ, also über Stecklinge, weiterverbreitet. Keiner der untersuchten Traubenkerne stammte von wilden Reben. Die meisten zeigen eine Verwandtschaft mit domestizierten Rebsorten aus Westeuropa, die auch heute noch für die Weinproduktion angebaut werden.

Quelle: NATURE Plants

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