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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft28.06.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Der Ursprung eines Radioblitzes ist geklärt +++ Kondensstreifen von Flugzeugen fördern die Erderwärmung mehr als gedacht +++ Auf wissenschaftlichen Konferenzen werden die meisten Fragen von Männern gestellt +++ Die NASA hat ein historisches Kontrollzentrum originalgetreu renoviert +++ Heimrecht im Rückspiel bringt Fußballteams keinen Vorteil +++ Unter den Vorgängern heutiger Krokodile waren auch Pflanzenfresser

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Der Ursprung eines Radioblitzes ist geklärt

Sie sind ein mysteriöses Phänomen mit ungeklärter Ursache: Schnelle Radioblitze oder Fast Radio Bursts – nur Millisekunden andauernde Ausbrüche von extrem energiereicher Radiostrahlung von weit entfernten Quellen im All. Jetzt ist es erstmals einem internationalen Astronomenteam gelungen, den Ursprung eines einzelnen Radioblitzes zu lokalisieren. Demnach liegt der Entstehungsort von FRB 180924  in einer 3,6 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie im Sternbild Kranich, die etwa die Ausmaße der Milchstraße hat.

Die Entdeckung wurde mit Hilfe des Australian Square Kilometre Array Pathfinder, kurz ASKAP gemacht – ein Radioteleskop mit 36 Antennen im mittleren Westen Australiens. Die Studie ist im Fachblatt Science erschienen.

Seit etwa 15 Jahren werden immer wieder schnelle Radioblitze gemessen. Die meisten davon sind einmalige Ereignisse, es wurden aber auch schon wiederholte Blitze aus derselben Quelle beobachtet.

Quelle: Science


Kondensstreifen von Flugzeugen fördern die Erderwärmung mehr als gedacht

Sie tragen sogar mehr zur Erwärmung der Erde bei als das vom Luftverkehr freigesetzte Kohlendioxid. Der Hintergrund: In einigen Kilometern Höhe können sich aus den Kondensstreifen Zirruswolken bilden, die die Abstrahlung von Wärme ins All behindern. Jetzt schreiben zwei Wissenschaftlerinnen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Fachmagazin Atmospheric Chemistry and Physics, dass sich der Effekt in den kommenden Jahrzehnten noch verstärken könnte.

Die Autorinnen nutzten ein Modell, um die Klimaauswirkungen der künstlichen Wolken zwischen 2006 und 2050 zu vergleichen. Dabei berücksichtigten sie die prognostizierte Zunahme des Luftverkehrs, zu erwartende Veränderungen bei Antriebseffizienz und Rußausstoß sowie den fortschreitenden Klimawandel. Das Ergebnis: Der globale Beitrag der Kondensstreifen-Wolken zur Strahlungsbilanz wird bis 2050 um den Faktor drei zunehmen.

Zwar sei mit reduzierten Rußemissionen und verbesserter Antriebseffizienz zu rechnen. Das könne aber nicht kompensieren, dass weltweit immer mehr Menschen fliegen werden.

Quelle: Atmospheric Chemistry and Physics


Auf wissenschaftlichen Konferenzen werden die meisten Fragen von Männern gestellt

Das gilt selbst dann, wenn Frauen die Mehrheit der Zuhörerschaft bilden, wie ein Forschungsteam aus den USA im American Journal of Human Genetics berichtet. Das Team hatte über vier Jahre die Beteiligung in Fragerunden auf sieben Genetik-Kongressen analysiert. Selbst wenn zu 70 Prozent Frauen im Auditorium seien, stellten sie nur 40 Prozent der Fragen, so eine der Autorinnen. Bei dieser Rate müssten 80 bis 90 Prozent Zuhörerinnen im Raum sein, um auf eine gleichmäßige Verteilung der Fragen zwischen den Geschlechtern zu kommen.

Die Autorinnen und Autoren schreiben auch: Schon eine breite öffentliche Diskussion über das ungleiche Frageverhältnis zwischen Frauen und Männern während einer Konferenz führte dazu, dass danach wesentlich mehr Frauen Fragen stellten.

Quelle: American Journal of Human Genetics


Die NASA hat ein historisches Kontrollzentrum originalgetreu renoviert

Von dem Kontrollzentrum in Houston aus wurden vor 50 Jahren die ersten Menschen zum Mond dirigiert. Seit 1985 steht es unter Denkmalschutz. Jetzt hat es die NASA innerhalb von sechs Monaten komplett renoviert, einschließlich der noch vorhandenen Bedienungspulte und Bildschirme. Die weitere Einrichtung wurde originalgetreu nachgebaut – unter anderem Tapeten, Teppiche, Mülleimer, Regale und Aschenbecher. Heute soll das "Apollo Mission Control Center" bei einer feierlichen Veranstaltung wiedereröffnet werden.

Von dem Kontrollzentrum hatte ein NASA-Team unter anderem die "Apollo 11"-Mission gesteuert, in deren Verlauf Neil Armstrong und Buzz Aldrin am 20. Juli 1969 als erste Menschen auf dem Mond landeten.

Quelle: DPA, NASA


Heimrecht im Rückspiel bringt Fußballteams keinen Vorteil

Es ist eine verbreitete Vorstellung, dass Teams in einem Wettbewerb mit Hin- und Rückspiel einen Vorteil haben, wenn das zweite Spiel im heimischen Stadion stattfindet. Im entscheidenden Match könnten demnach die vertraute Kulisse und jubelnde Fans den Erfolg begünstigen. Die Studie eines belgischen Forschungsteams in den Applied Economics Letters widerspricht nun dieser Idee. Die Wissenschaftler hatten Begegnungen der Champions und der Europa League zwischen 2010 und 2017 untersucht, bei denen die Reihenfolge der Austragungsorte gelost wurde. Das Resultat: Ob ein Team zuerst das Heim- oder Auswärtsspiel bestritt, beeinflusste sein Weiterkommen in die nächste Runde nicht.

Die Autoren verweisen darauf, dass es in der Vergangenheit auch Studien gegeben habe, die den Heimvorteil belegten.

Eine Erklärung für die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung könne sein, dass der Heimspiel-Bonus im Rückspiel in den vergangenen Jahren abgenommen hat.  

Quelle: Applied Economics Letters, DPA


Unter den Vorgängern heutiger Krokodile waren auch Pflanzenfresser

Diese Vermutung legt die Studie zweier US-Wissenschaftler im Fachmagazin Current Biology nahe. Sie haben die Zähne ausgestorbener Verwandter heutiger Krokodile untersucht, die im Erdmittelalter zur Zeit der Dinosaurier lebten und zu den sogenannten Crocodyliformes zählten. Die detaillierte morphologische Analyse weist den Autoren zufolge darauf hin, dass einige der Arten Pflanzenfresser waren. Unter den untersuchten Gebissen gebe es auch solche, die es in ihrer Komplexität bezüglich Zahngröße und -form mit der heutiger pflanzenfressender Säugetiere aufnehmen könnten, so die Forscher.

Für die Studie hatten sie knapp 150 Zähne von ausgestorbenen Krokodil-Verwandten aus 16 unterschiedlichen Gruppen untersucht.

Die Studie zeigt auch, dass sich eine pflanzenfressende Lebensweise unter den Verwandten heutiger Krokodile mindestens dreimal unabhängig voneinander ausgebildet hat.

Sich von Pflanzen zu ernähren, sei also offenbar eine vorteilhafte Ernährungs-strategie gewesen. Anders als heute, haben die vegetarischen Krokodilvorfahren damals auch Seite an Seite mit pflanzenfressenden Säugetieren existiert.

Quelle: Current Biology

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