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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft 03.07.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Der Juni brach weltweit Temperaturrekorde +++ Eine Kombinationstherapie entfernt HIV bei Mäusen +++ Österreich hat Glyphosat verboten +++ Die DFG bekommt erstmals eine Präsidentin +++ Ein transparentes Aerogel fängt Wärme ein +++ Eine Polarfüchsin läuft von Norwegen nach Kanada

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Der Juni brach weltweit Temperaturrekorde

Der vergangene Monat Juni war sowohl in Europa wie auch weltweit der heißeste, der seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet wurde. In Europa lagen die Durchschnittstemperaturen um zwei Grad Celsius über dem Normalwert. Weltweit wurde die bisherige Rekordmarke für den Monat Juni um ein Zehntel Grad übertroffen. Das hat der europäische Copernicus Climate Change Service bekannt gegeben. Copernicus ist ein Erdbeobachtungsprogramm, das sich hauptsächlich auf Satellitendaten stützt. Eine Gruppe europäischer Wissenschaftler hat zudem errechnet – mit Fokus auf Frankreich – inwieweit die Hitzewelle im Juni dort dem globalen Klimawandel zuzuschreiben ist. Ihr Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, dass solche überdurchschnittlich heißen Wetterlagen auftreten, sei heute mindestens fünf Mal größer als vor 100 Jahren. Ihre Studie ist auf der Internetseite WorldWeatherAttribution.org erschienen.

Quelle: Copernicus Climate Chance Service, WorldWeatherAttribution


Eine Kombinationstherapie entfernt HIV bei Mäusen

Um HIV-Infizierte komplett zu heilen, müsste die DNA der HI-Viren aus infizierten Zellen entfernt werden. Eine Studie an Mäusen zeigt, dass das möglich sein könnte. Wie Forscher aus den USA im Fachmagazin Nature Communications berichten, testeten sie erstmals eine neue Kombinationstherapie. Erst setzten sie antivirale Medikamente ein, um die Virenlast im Körper von Mäusen mit HIV deutlich zu senken. Anschließend nutzten sie die Genschere Crispr-Cas 9, um gezielt die Virus-DNA aus den Zellen der lebenden Tiere zu entfernen. Nach dem Ende der Therapie war das HI-Virus bei immerhin fünf von 13 Mäusen nicht mehr nachweisbar. Auch fünf Wochen später waren die entsprechenden Tiere virusfrei. Warum das Verfahren nicht alle Mäuse von der Erkrankung befreien konnte, ist noch unklar. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, wie die Methode noch effizienter werden könnte, und ob sie sich eines Tage möglicherweise auch beim Menschen einsetzen ließe. Unter anderem planen die Forscher dafür Versuche mit nicht-menschlichen Primaten.

Quelle: Nature Communications


Österreich hat Glyphosat verboten

Es ist damit das erste Land in Europa, das den Einsatz des umstrittenen Herbizids offiziell untersagt. Der Nationalrat in Wien stimmte gestern mit großer Mehrheit dafür. Allerdings gilt der nationale Alleingang als rechtlich umstritten. Glyphosat besitzt in der EU noch bis Ende 2022 eine Zulassung gemäß der EU-Pflanzenschutzverordnung. Ein Totalverbot des Wirkstoffes könnte deshalb gegen EU-Recht verstoßen. Auch in Deutschland wird der Einsatz von Glyphosat kontrovers diskutiert. Die deutsche Bundesregierung will voraussichtlich im September ein Konzept zum Umgang mit Glyphosat und einen Fahrplan für den im Koalitionsvertrag vereinbarten Ausstieg präsentieren. Glyphosat steht verstärkt in der Kritik, seitdem die internationale Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO den Stoff 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" einstufte. Andere Behörden und Studien sehen Glyphosat bei sachgemäßer Handhabung allerdings als sicher an.

Quelle: dpa


Die DFG bekommt erstmals eine Präsidentin

Die DFG-Mitgliederversammlung heute in Rostock hat Katja Becker an die Spitze der Deutschen Forschungsgemeinschaft gewählt. Die Professorin für Biochemie und Molekularbiologie von der Justus-Liebig-Universität Gießen wird zum 1. Januar 2020 die Nachfolge von Peter Strohschneider antreten. Dieser scheidet nach zwei Amtsperioden turnusmäßig aus. Becker ist 54 Jahre alt und seit 2014 Vizepräsidentin der DFG. Auf sie entfielen im zweiten Wahlgang 46 von 77 Stimmen. Zur Wahl hatten auch noch Wolfgang Marquart, Chef des Forschungszentrums Jülich, sowie die Karlsruher Informatikerin Dorothea Wagner gestanden. Die DFG ist Deutschlands größte Forschungsförderorganisation. 2017 finanzierte sie über 32.000 laufende Projekte mit rund 3,2 Milliarden Euro.

Quelle: DFG


Ein transparentes Aerogel fängt Wärme ein

US-Forscher haben ein neuartiges Isolationsmaterial entwickelt, mit dem flache Sonnenkollektoren für die Warmwasserbereitung in Zukunft viel effizienter werden könnten. Es handelt sich um ein sogenanntes Aerogel, das fast so transparent ist wie Glas. Es lässt 95 Prozent des eingestrahlten Lichts passieren, verhindert aber, dass Wärme-Energie von darunter liegenden Materialien wieder abstrahlen kann. Das Aerogel besteht hauptsächlich aus Luft und einer schwammartigen Gitterstruktur aus Silikaten. Der Prototyp eines Solarkollektors mit dem neuen Isolator erreichte eine Betriebstemperatur von 220 Grad Celsius – selbst bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt. Handelsübliche Flachkollektoren zur Warmwasserbereitung schaffen in der Regel nur Temperaturen von 80 Grad Celsius. Die Studie ist im Fachjournal ACS Nano erschienen.

Quelle: ACS Nano


Eine Polarfüchsin läuft von Norwegen nach Kanada

Und zwar mehr als 3500 Kilometer über das Packeis der Arktis und die Eisflächen Grönlands. Diese verblüffende Wanderung haben Forscher des Norwegischen Polarinstituts dokumentiert. Sie hatten das Tier für eine Studie mit einem Satellitensender ausgestattet. Den Positionsdaten nach verließ die Füchsin im März 2018 die norwegische Insel Spitzbergen. 76 Tage später war sie über die Arktis bis nach Ellesmere Island gelangt. Das ist die nördlichste Insel Kanadas. Nach Ansicht der Forscher zeige die Studie, dass Polarfüchse ausdauernder und schneller seien als bisher gedacht. Zudem zeuge die Reise des Tieres davon, wie bedeutsam intaktes Packeis für die Tierwelt der Arktis ist. Der Klimawandel und der damit verbundene Rückgang des Packeises könnte solche Formen der Migration in Zukunft verhindern. Was mit der Füchsin nach ihrer Ankunft in Kanada passierte, ist unbekannt. Der Peilsender funktioniert seit diesem Februar nicht mehr.

Quelle: Norwegisches Polar Institut

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