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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft05.07.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Aufforstung könnte ein maßgebliches Mittel gegen den Klimawandel sein +++ Auch Haie und Rochen leiden unter dem Plastikmüll in den Meeren +++ In Südkalifornien hat die Erde so stark gebebt wie seit 20 Jahren nicht +++ Der weltweit größte Algenteppich reicht von Afrika bis Mexiko +++ Ein russischer Wissenschaftler plant, genmanipulierte Babys zu erzeugen

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Aufforstung könnte ein maßgebliches Mittel gegen den Klimawandel sein

Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam im Fachmagazin Science nach Modellrechnungen. Demnach könnten weltweit auf etwa 900 Millionen Hektar zusätzliche Bäume angepflanzt werden, ohne Stadt- oder Agrarflächen zu beschneiden – das entspricht beinahe der Fläche der USA. Durch eine Aufforstungsmaßnahme in dieser Dimension könnten gut 200 Gigatonnen Kohlenstoff aus der Atmosphäre gebunden werden – etwa zwei Drittel der menschengemachten CO2-Emissionen seit der Industriellen Revolution.

Die Studie zeige, dass das vom Weltklimarat vorgegebene Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius noch erreichbar sei, so die Autoren. Gleichzeitig warnen sie, dass die potenziell für die Aufforstung verfügbare Fläche mit der Zeit immer kleiner werde. Der Grund: Durch den Klimawandel schrumpft der für Bäume geeignete Lebensraum weltweit gesehen. Zudem werde es Jahrzehnte dauern, bis die Wälder heranwachsen und ihr Potenzial als natürliche CO2-Speicher ausschöpfen.

Die Speicherwirkung beruht darauf, dass lebende Bäume CO2 beim Holzzuwachs binden und es damit aus der Atmosphäre entfernen. Das gilt allerdings nur so lange, bis sie absterben und wieder zersetzt werden.

Quelle: Science


Auch Haie und Rochen leiden unter dem Plastikmüll in den Meeren

Ein Forschungsteam der Universität Exeter hat publizierte Studien und Twitterbeiträge zu dem Thema analysiert. Dabei hat es Berichte über mehr als 1.000 Haie und Rochen gefunden, die sich in Plastikmüll verfangen haben – darunter Walhaie, Tigerhaie, Nagelrochen und Riesenmanta. Die tatsächliche Zahl der betroffenen Tiere sei vermutlich wesentlich höher, so die Autoren mit Blick auf die relativ dünne Studienlage. Meist verhedderten sich die Haie und Rochen in alter Fischereiausrüstung. Dadurch könnten die Tiere schmerzhafte Verletzungen erleiden oder sogar sterben.

Zwar bedeute Plastikmüll eine wesentlich geringere Gefahr für Haie und Rochen als der kommerzielle Fischfang, so die Wissenschaftler. Dennoch sei es wichtig, alle Gefahren zu erkennen, denen die ohnehin bedrohten Arten ausgesetzt sind. Die Studie ist im Fachmagazin Endangered Species Research erschienen.

Bei der Datensammlung fanden die Forscher auf Twitter Berichte zu Spezies und Orten, die in akademischen Publikationen bislang nicht erfasst worden waren.

Quelle: Endangered Species Research


In Südkalifornien hat die Erde so stark gebebt wie seit 20 Jahren nicht

Nach Angaben der wissenschaftlichen Behörde United States Geological Survey, kurz USGS, hatte das Erdbeben eine Stärke von 6,4. Es ereignete sich in der Mojave-Wüste, etwa 240 Kilometer nordöstlich von Los Angeles. In einer Kleinstadt nahe dem Epizentrum gab es mehrere Verletzte, Gasleitungen wurden beschädigt und in mindestens zwei Häusern brannte es. Mehr als hundert Nachbeben trafen die Region.

Das Beben wurde auch von ShakeAlert festgestellt, einem von der US-Erdbebenwarte finanzierten Warnsystem für die Westküstenregion. Das System habe einwandfrei funktioniert, so ein Seismologe der USGS. Die für die Metropolregion Los Angeles kalkulierten Erschütterungen hätten aber unter dem Level für Warnungen gelegen.

Das letzte große Erdbeben in der Region hat sich im Jahr 1999 ereignet und hatte eine Stärke von 7,1.

Quelle: United States Geological Survey, DPA, APD


Der weltweit größte Algenteppich reicht von Afrika bis Mexiko

Vermessen wurde er von einem US-Forschungsteam mit Hilfe von Satellitenaufnahmen. Demnach hat sich aus ursprünglich voneinander getrennten Braunalgen-Matten seit 2011 wiederkehrend ein Band von bis zu knapp 9.000 Kilometern Länge gebildet, das sich im Atlantik zwischen Westafrika und dem Golf von Mexiko erstreckt. 2018 wog der Algenteppich den Berechnungen zufolge mehr als 20 Millionen Tonnen. Die Zunahme der Algen könnte auf veränderte Nährstoffeinträge über die Amazonasmündung zurückgehen. Dabei spiele eventuell der vermehrte Einsatz von Düngemitteln eine Rolle, vermuten die Forscher. Ihr Fazit im Fachblatt Science: Große Algenblüten könnten in Zukunft zur Normalität werden.

Einzelne Algenmatten im Meer bieten wichtige Lebensräume für Meeresschildkröten, Fische und Krebstiere. Bei großer Anhäufung können sie allerdings dem Ökosystem schaden, zum Beispiel wenn sie absterben und Korallen unter sich begraben.

Bereits Christoph Kolumbus hatte im 15. Jahrhundert von schwimmenden Braunalgen-Matten im Nordatlantik berichtet. Nach dem wissenschaftlichen Namen der Algen oder Tange wird das entsprechende Meeresgebiet auch Sargasso-See genannt.

Quelle: Science


Ein russischer Wissenschaftler plant, genmanipulierte Babys zu erzeugen

Denis Rebrikov arbeitet an einem medizinischen Forschungsinstitut in Moskau. Bereits vor einigen Wochen hatte die Fachzeitschrift Nature über seine Pläne berichtet. Jetzt hat Rebrikov gegenüber dem Magazin New Scientist nachgelegt. Demnach ist er in Kontakt mit fünf russischen Paaren, bei denen jeweils beide Partner unter einer genetisch bedingten Gehörlosigkeit leiden. Ihre Kinder würden daher auch gehörlos geboren werden. Mit Hilfe der molekularbiologischen Methode CRISPR/Cas will er die entsprechenden Erbgutsequenzen der Babys so verändern, dass sie – und ihre Nachkommen – hören können. Innerhalb weniger Wochen will Rebrikov nun einen entsprechenden Antrag bei den zuständigen russischen Behörden stellen.

Denis Rebrikov wäre nach dem Chinesen He Jiankui der zweite Wissenschaftler, der Embryonen manipuliert, um Babys mit vererbbaren genetischen Veränderungen zur Welt kommen zu lassen.

He Jiankui hatte unbemerkt von der Öffentlichkeit bei frühen Embryonen mittels CRISPR/Cas ein Gen manipuliert, um deren Träger immun gegen HIV zu machen. Im November 2018 waren daraufhin Zwillingsmädchen geboren worden. Die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft hatte die Experimente scharf kritisiert, da die Methode viele Risiken birgt.

Quelle: New Scientist, Science, Nature

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