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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft 10.07.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Schweden richtet eine staatliche Agentur zur Überprüfung wissenschaftlichen Fehlverhaltens ein +++ Der Start für Icarus wurde abgebrochen +++ Die Sicht regiert das Peloton +++ Solarmodule liefern auch Trinkwasser +++ Frankreich streicht Kostenübernahme für Homöopathie

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Schweden richtet eine staatliche Agentur zur Überprüfung wissenschaftlichen Fehlverhaltens ein

Das Parlament in Stockholm hat kürzlich die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen. Der Start der Agentur ist für das kommende Jahr vorgesehen, berichtet das Wissenschaftsmagazin "Nature". Die neue Agentur soll in allen Fällen die Untersuchungen übernehmen, bei denen Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten an staatlich finanzierten Forschungseinrichtungen in Schweden besteht. Bisher wurde das von den Instituten intern geklärt. In den vergangenen Jahren gab es in Schweden mehrere prominente Fälle von Forschungsbetrug, bei denen jeweils auch die schleppende Aufarbeitung in die Kritik geriet. Der bekannteste Fall ist der des Chirurgen Paolo Macchiarini, der erst mit der Entwicklung künstlicher Luftröhren aus Stammzellen Furore machte, dann aber als Betrüger entlarvt wurde. Der Skandal erschütterte auch die Glaubwürdigkeit des renommierten Karolinska-Instituts, wo Macchiarini gearbeitet hatte.

Quelle: Nature


Der Start für Icarus wurde abgebrochen

Ursprünglich sollte das System zur Erfassung von Tierbewegungen aus dem Weltraum heute auf der Raumstation ISS in Betrieb gehen. Allerdings gab es beim Einschalten des Gerätes technische Probleme. Die eingebauten Lüfter zogen zuviel Strom. Dem müssen die Astronauten auf der ISS nun erst auf den Grund gehen. Wann ein zweiter Versuch gestartet werden kann, ist noch unklar. Das weltraumgestützte Beobachtungssystem Icarus soll neue Erkenntnisse über das Wanderverhalten von Tieren liefern. Dafür statten Forscher verschiedene Tierarten mit Mini-Sendern aus. Diese schicken ihre Positionsdaten an eine Antenne auf der ISS. Die Wissenschaftler sollen darüber die Zugrouten der Tiere quasi live erfassen können.

Quelle: dpa


Die Sicht regiert das Peloton

Bei der Tour de France rast das Hauptfeld als dicht gepacktes Knäuel von Radfahrern über die Straße. Das sogenannte Peloton bietet den Fahrern einen aerodynamischen Vorteil, weil sie im Windschatten Energie sparen können. Allerdings sind die Strukturen, die sich in einem Peloton ausbilden, weniger von der Aerodynamik geprägt. Vielmehr spielt das Sichtfeld der Fahrer eine prägende Rolle, berichten US-Forscher im Journal of the Royal Society Interface. Die Wissenschaftler analysierten Hunderte Stunden mit Luftaufnahmen von Pelotons. Dabei zeigte sich: Die Fahrer positionieren sich so zueinander, dass sie nicht unbedingt im optimalen Windschatten fahren, sondern sich gegenseitig am besten im Blick behalten können, um Kollisionen zu vermeiden.

Quelle: Journal of the Royal Society Interface


Solarmodule liefern auch Trinkwasser

Forscher der King Abdullah Universität in Saudi-Arabien haben eine Technik entwickelt, mit der Photovoltaik-Module nicht nur Strom, sondern zugleich auch sauberes Wasser erzeugen können. Bei dem Verfahren nutzen sie die überschüssige Wärme, die in klassischen Silizium-Solarpanels entsteht, um Salz- oder Brackwasser erst zu verdampfen, über eine spezielle Membran zu klären und dann zu kondensieren. So kann aus salzigem Meer- oder Brackwasser Trinkwasser gewonnen werden. Alle Prozess-Schritte der Wasseraufbereitung sind dabei in das Gehäuse der Photovoltaikmodule integriert aber vom Stromkreislauf abgekapselt. Das bietet den Vorteil, die doppelte Funktionalität zu erreichen, ohne den Flächenbedarf der Anlagen zu erhöhen. Die Technik könnte besonders für Wüstengebiete interessant sein. Dort ist mangels Wolken die Solarstromausbeute hoch, zugleich ist in der Regel das Trinkwasser knapp. Die Forscher stellen das Verfahren im Fachmagazin Nature Communications vor.

Quelle: Nature Communications


Frankreich streicht Kostenübernahme für Homöopathie

Bisher werden in Frankreich die Kosten für homöopathische Mittel von den Krankenkassen teilweise erstattet. Bis 2021 soll das aber komplett wegfallen. Das hat die Gesundheitsministerin Agnes Buzyn angekündigt. Sie folgt damit einer Empfehlung der Obersten Gesundheitsbehörde des Landes. Diese hatte Ende Juni in einem Gutachten festgestellt, dass die Wirkung homöopathischer Mittel wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sei. Auch in Deutschland wird immer wieder über Homöopathie debattiert. Hierzulande gehört sie zwar nicht zum gesetzlichen Leistungskatalog der Krankenkassen. Allerdings erstatten viele Kassen die Behandlungskosten und werben auch gezielt damit, weil es eine entsprechende Nachfrage von Seiten der Versicherten gibt.

Quelle: Le Parisien

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