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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft12.07.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Bernstein-Vogel mit außergewöhnlich langen Zehen +++ Spezielle Ernährung kann Mikrobiom bei mangelernährten Kleinkindern reparieren +++ Freundschaften in der Chefetage können Aufstieg verhindern +++ Zahl der Syphilis-Fälle in Europa gestiegen +++ Künstliche Muskeln lassen sich mit Wärme steuern

von Kathrin Baumhöfer

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Archäologen haben einen besonderen Vogel entdeckt

Das Besondere an dem Bernstein-Fossil sind die Füße, genauer gesagt: die Zehen. Eine der Zehen ist länger als der gesamte Unterschenkel des Tiers. Das kennt man nach Angaben der Wissenschaftler bisher weder von lebenden noch von ausgestorbenen Vögeln. Die Forscher gehen deshalb in ihrem Fachartikel im Magazin Current Biology davon aus, dass sie es mit einer völlig neuen Art zu tun haben.

Gelebt hat der Bernstein-Vogel – so haben sie ihn inzwischen genannt – vor rund 99 Millionen Jahren, also zur Zeit der Dinosaurier im heutigen Myanmar. Er war ungefähr so groß wie ein Spatz.

Aus der ungewöhnlichen Anatomie schließen die Forscher, dass er sich oft in Bäumen aufhielt. Die überlange Kralle könnte dazu gedient haben, sich etwa Insekten aus Baumlöchern zu holen.

Ein ähnliches Verhalten kennt man ausschließlich von Primaten: Aye-Ayes oder Fingertieren, die auf Madagaskar leben.

Quelle: Current Biology


Eine spezielle Ernährung kann die Darmflora bei Babys und Kleinkindern reparieren

Es geht um Kinder, die ihren ersten Lebensmonaten einer Mangelernährung ausgesetzt waren. Sie haben häufig auch dann noch Entwicklungsprobleme, wenn sie eine ausgewogene Kost bekommen.

Nach Ansicht eines US-amerikanischen Forscherteams liegt das unter anderem daran, dass ihre Darmflora nicht ausreift. Als Folge können die Bakterien, die normalerweise im Darm bei der Verdauung helfen, das bei diesen Kindern nicht tun.

Die Wissenschaftler fanden heraus, welche Nahrungsmittel die Entwicklung welcher Bakteriengemeinschaften bei gesunden Kindern fördern – insbesondere beim Übergang von Muttermilch zu fester Nahrung.

Die daraus entwickelte Ernährungsempfehlung – in diesem Fall eine proteinreiche pflanzliche Zusatzkost wie Kichererbsen und Bananen – ließ bei betroffenen Kleinkindern aus Bangladesch die Werte etwa für eine Entwicklung des Nervensystems und der Knochen auf diejenigen gesunder Kinder steigen.

Quelle: Science


Freundschaften in der Chefetage können einen Aufstieg verhindern.

Stellen Sie sich vor, Sie sind für einen Preis nominiert und kennen jemanden, der in der Jury sitzt. Oder sie sind befreundet mit jemandem aus dem Gremium, das über die nächste Beförderung entscheidet. Erhöht oder verringert das Ihre Chancen, den Preis oder die Beförderung zu bekommen?

Wissenschaftler der Universität London sind dieser Frage mit einer Statistikanalyse nachgegangen. Ihr Ergebnis: Eine solche Konstellation macht es zwar wahrscheinlich, in die engere Auswahl zu kommen – nicht aber, den Preis zu gewinnen. Der einzige Faktor, der die Chancen auf einen Sieg erhöht ist   das Prinzip der Gegenseitigkeit.

Grundlage der Studie waren Daten über Vergabeentscheidungen in der Werbeindustrie, gesammelt über einen Zeitraum von acht Jahren.

Quelle: Academy of Management Journal


Die Zahl der Syphilis-Fälle in Europa ist deutlich gestiegen.

… und zwar seit 2010 um knapp 70 Prozent auf mehr als 33.000 im Jahr 2017. Das berichtet das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und –kontrolle in Stockholm, ECDC. Damit gibt es den Angaben zufolge erstmals seit der Jahrtausendwende mehr bestätigte neue Syphilis- als HIV-Fälle in Europa. Besonders Männer zwischen 25 und 34 Jahren infizieren sich demnach im Verhältnis zu Frauen und anderen Altersgruppen besonders häufig.

Syphilis wird durch ein Bakterium verursacht, das vor allem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen wird.

Das ECDC hatte für seinen Bericht Daten aus 30 Staaten analysiert, die zwischen 2007 und 2017 erhoben wurden.

Quelle: European Centre for Disease and Prevention Control


Künstliche Muskeln lassen sich mit Wärme steuern.

In der aktuellen Ausgabe des Fachmgazins Science stellen gleich drei Arbeitsgruppen ihre Entwicklungen vor. Das Team vom MIT hat Fasern entwickelt, die aus Polymeren mit unterschiedlichen Eigenschaften bestehen. Beide liegen in hauchdünnen Lagen aneinander. Werden die Fasern erwärmt, dehnt sich eine Seite stärker aus als die andere – und der Stoff biegt sich, in diesem Fall wie eine Spirale, die in der Lage ist, das 650fache seines Gewichts hinterherzuziehen. Die so entwickelten Muskel-Fasern zeigten in den Experimenten auch nach zehntausend Durchläufen keine Ermüdungserscheinungen.

Eine weitere Arbeitsgruppe hat Fasern entwickelt, die sich wie eine Hülle um preiswertere Materialien wie Nylon und Bambusgarne legen lassen. Ihre Kontraktionskraft ist den Angaben zufolge 40 mal so groß wie die menschlicher Muskeln.

Im dritten Modell ist die Energie der künstlichen Muskelfasern in ihrer eigenen Verdrehung gespeichert. Auch hier reicht eine kleine Temperaturänderung, um sie freizusetzen.

Quelle: Science

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