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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft17.07.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Die Gefahr eines Asteroideneinschlags auf der Erde ist vorerst gebannt +++ Die Gehirne von Frauen und Männern reagieren vergleichbar auf optische sexuelle Reize +++ Gemeinsames Videogucken schweißt zusammen – auch über Artgrenzen hinweg +++ Elon Musk will das menschliche Gehirn mit Hilfe von KI aufrüsten +++ Drohnen könnten im Kampf gegen Wilderei eingesetzt werden +++ Ein Softwareunternehmer soll Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovationen werden

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Die Gefahr eines Asteroideneinschlags auf der Erde ist vorerst gebannt

Die Chance einer Kollision mit dem Asteroiden 2006 QV89 lag laut Risikoliste der Europäischen Weltraumorganisation ESA bei etwa 1 zu 7.000 – und damit deutlich höher als sechs Richtige plus Zusatzzahl im Lotto. Jetzt hat das Büro für Planetenschutz allerdings Entwarnung gegeben: Das im Durchmesser 20 bis 50 Meter große Objekt werde die Erde verfehlen. Nach seiner Entdeckung im Jahr 2006 war der Asteroid für nur zehn Tage beobachtet worden und dann verschwunden. Anhand dieser Daten wurde eine mögliche Laufbahn berechnet, die zu einem Einschlag auf der Erde in diesem Jahr geführt hätte. Beobachtungen mit einem Teleskop in Chile zeigten jetzt aber, dass 2006 QV89 nicht auf dem angenommenen Kollisionskurs erschienen ist.

Der Asteroid könnte sich möglicherweise im September 2023 wieder der Erde nähern. Gesteinsbrocken aus dem All in dieser Größenordnung können enorme Schäden anrichten – wie zum Beispiel ein 20-Meter-Asteroid in der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk im Jahr 2013.

Im Satellitenkontrollzentrum der ESA in Darmstadt werden derzeit knapp 870 Objekte gelistet, die möglicherweise in den nächsten hundert Jahren die Erde treffen könnten.

Quelle: DPA, ESA


Die Gehirne von Frauen und Männern reagieren vergleichbar auf optische sexuelle Reize

Das legt die Überblicksstudie eines Forschungsteams vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik im Fachmagazin PNAS nahe. Die Auffassung, dass die Geschlechter unterschiedlich auf erotische Bilder und Filme reagieren, sei weit verbreitet – zumindest aus neuronaler Sicht aber unbegründet. Das Team hatte 61 bereits publizierte Studien erneut statistisch analysiert, in denen sexuelle Erregbarkeit mit bildgebenden Verfahren auf der Ebene des Nervensystems untersucht worden war. Demnach zeigen sowohl Frauen als auch Männer verstärkte Aktivität in bestimmten Hirnarealen, darunter Inselcortex und Amygdala, wenn sie sexuelles Bildmaterial sehen.

Unterschiede zwischen Frauen und Männern in früheren Studien könnten auf zu kleine Stichprobengrößen, hormonelle Zustände oder divergierende Einstellungen gegenüber dem pornografischen Material zurückzuführen sein, vermuten die Autoren.

Quelle: PNAS


Gemeinsames Videogucken schweißt zusammen – auch über Artgrenzen hinweg

Bei Menschen entsteht soziale Nähe, wenn sie ihre Aufmerksamkeit auf eine gemeinsame Aktivität richten – zum Beispiel Tanzen, ein Brettspiel oder einen Film, der zusammen geschaut wird. Letzteres gilt offenbar auch für Menschenaffen, wie eine Studie zweier US-Psychologen in den Proceedings of the Royal Society B nahe legt. Die Forscher führten mit mehreren in Gefangenschaft lebenden Schimpansen Verhaltensexperimente durch. Dabei schauten die Tiere kurze Videos spielender junger Affen. Schaute gleichzeitig mit ihnen ein Artgenosse oder auch ein Mensch dasselbe Video, näherten sie sich diesem anschließend schneller und verbrachten mehr Zeit in dessen Nähe.

Das Fazit der Autoren: Soziale Bindung über gemeinsame Aktivitäten ist keine menschliche Errungenschaft, sondern entstand bereits früher in der Evolution – und funktioniert auch zwischen unterschiedlichen Spezies.

Quelle: Proceedings of the Royal Society B


Elon Musk will das menschliche Gehirn mit Hilfe von KI aufrüsten

Dazu hat er vor einigen Jahren das Neurotechnologie-Startup Neuralink gegründet. Gestern hat der Unternehmer bisherige Errungenschaften und Ziele von Neuralink auf einer Pressekonferenz in San Francisco vorgestellt, von der unter anderem das MIT-Magazin Technology Review berichtet. Demnach habe das Unternehmen einen OP-Roboter entwickelt, mit dessen Hilfe ultradünne, flexible Elektroden ins Gehirn eingeführt werden könnten, um die Aktivität einzelner Nervenzellen zu messen. Das Ziel sei es, irgendwann Menschen über eine Gehirn-Maschine-Schnittstelle symbiotisch mit einem Computer zu verbinden. Zuvor könnten die neuartigen Implantate bereits für medizinische Zwecke eingesetzt werden. Bislang wurden sie aber offenbar nur an Ratten und Affen getestet.

Bis 2020 plane das Unternehmen nun eine Genehmigung der US-amerikanischen Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit für klinische Versuche mit Menschen zu erhalten. Zielgruppe sind dabei Patienten mit Lähmungen aufgrund einer Rückenmarksverletzung.

Quelle: Neuralink, MIT Technology Review, The Guardian


Drohnen könnten im Kampf gegen Wilderei eingesetzt werden

Und zwar indem mit ihrer Hilfe Nashörner aus besonders gefährlichen Regionen vertrieben werden. Das schreibt ein Forschungsteam der Universität Brighton in den Proceedings of the Royal Society B. Die Wissenschaftler hatten untersucht, wie eine Gruppe Südlicher Breitmaulnashörner in einem südafrikanischen Wildreservat auf überfliegende Drohnen und unterschiedliche vorgespielte Geräusche reagierte. Dabei zeigte sich: Besonders niedrig fliegende Drohnen und das Geräusch von Sirenen brachten die Tiere wiederholt dazu, das Weite zu suchen. Auf diese Weise könne gezielt Ausweichverhalten der Nashörner ausgelöst werden, um sie zu bestimmten Zeiten aus besonders von Wilderei bedrohten Gebieten zu vertreiben, so die Forscher.

Die Wissenschaftler hatten auch probiert, den Fluchtreflex bei Nashörnern über Geruchsreize auszulösen – allerdings erfolglos.

Zwischen 2013 und 2017 seien jährlich mehr als 1000 Nashörner in Afrika von Wilderern getötet worden, so die Autoren.

Quelle: Proceedings of the Royal Society B


Ein Softwareunternehmer soll Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovationen werden

Dabei handelt es sich um den 55-jährigen Rafael Laguna de la Vera. Der gebürtige Leipziger ist von der Gründungskommission der Agentur einvernehmlich empfohlen worden. Offiziell verkündet wurde die Personalie heute von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Nun sollen unverzüglich Verhandlungen mit dem designierten Gründungsdirektor aufgenommen werden.

Als Standort der Agentur hat die Kommission eine "gut entwickelte, urbane Region mit starker Wissenschaftsorientierung" empfohlen, zum Beispiel die Metropolregion Berlin.

Die Agentur für Sprunginnovationen soll revolutionären Ideen deutscher Forschungsinstitute und Unternehmen zum Durchbruch in der Praxis verhelfen.

Die Bundesregierung hatte die Gründung der Agentur im vergangenen August beschlossen. Sie soll binnen zehn Jahren insgesamt eine Milliarde Euro investieren.

Quelle: BMBF/BMWi, AFPD

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