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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft21.08.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Die Schiefergas-Vorkommen in Großbritannien könnten deutlich kleiner sein als bisher angenommen +++ Ein Bluttest zeigt das Sterberisiko +++ Die Tigermücke passt sich an die Kälte an +++ Ärzte verordnen weniger Antibiotika +++ Fisch-Schuppen erzählen die Geschichte der Lachse

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Die Schiefergas-Vorkommen in Großbritannien könnten deutlich kleiner sein als bisher angenommen

Gerade mal fünf bis sieben Jahre würde das im Untergrund der britischen Insel liegende Schiefergas ausreichen, um den aktuellen Gasbedarf Großbritanniens zu decken – zumindest laut einer Hochrechnung von Forschenden der University of Nottingham. In früheren Schätzungen waren Geologen noch von 50 Jahren ausgegangen. Die Wissenschaftler wendeten eine neue Methode an, um den förderbaren Gasgehalt im Schiefergestein abzuschätzen. Dafür analysierten sie Gesteinsproben aus zwei Bohrungen im sogenannten Bowland Shale im Norden Englands und extrapolierten die Daten. Ihre Studie ist im Fachmagazin Nature Communications erschienen. Vertreter von Fracking-Unternehmen, die in England nach Schiefergas suchen, nannten die Ergebnisse fehlerhaft. Die Anzahl der Proben sei viel zu klein, um daraus belastbare Rückschlüsse zu ziehen.

Quelle: Nature Communications


Ein Bluttest zeigt das Sterberisiko

Forschende aus den Niederlanden und Deutschland haben einen Bluttest entwickelt, der Hinweise auf die zu erwartende Lebensdauer beziehungsweise das Sterbe-Risiko eines Patienten liefert. Die Wissenschaftler identifizierten 14 Biomarker im Blut, deren Kombination eine statistische Abschätzung zulässt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Patient in den nächsten fünf und zehn Jahren sterben wird. Für ihre Studie im Fachmagazin Nature Communications griffen sie auf Analysen des Blutes von rund 44.000 Probanden zurück, die an medizinischen Langzeitstudien teilgenommen hatten. Jeder Achte davon war in der Zwischenzeit verstorben. Die Sterbedaten dienten als Basis, um die entsprechenden Korrelationen mit den Biomarkern zu ermitteln. Der Test ist noch nicht reif für die praktische Anwendung. Er wirft aber ethische Fragen auf. Die Daten über das Sterberisiko könnten zum Beispiel zu einer Benachteiligung von Patienten führen, bei denen ein baldiger Tod erwartet wird.

Quelle: Nature Communications


Die Tigermücke passt sich an die Kälte an

Die Tigermücke Aedes albopictus rückt in den USA wie auch in Europa langsam nach Norden vor. Bisher galt der Klimawandel als Antreiber für die Ausdehnung ihres Lebensraums, da Tigermücken auf höhere Temperaturen angewiesen sind. Forschende aus den USA berichten nun allerdings im Journal of Applied Ecology, dass die Tigermücken sich offenbar auch an tiefere Temperaturen anpassen können. Experimente zeigten, dass Tigermücken aus nördlicheren Vorkommen in den USA Eier legen, die viel besser einen kalten Winter überstehen können, als Tigermücken aus südlicheren Regionen. Diese lokale, evolutorische Anpassung sei in nur 30 Jahren erfolgt, so die Forscher. Sie erwarten, dass Tigermücken künftig noch weiter in kühlere Gefilde vordringen werden. Tigermücken sind als Überträger diverser Krankheitserreger gefürchtet, darunter Zika-, Chikunguya- und Dengue-Viren.

Quelle: Journal of Applied Ecology


Ärzte verordnen weniger Antibiotika

Im vergangenen Jahr haben niedergelassene Ärzte ihren Patienten 21 Prozent weniger Antibiotika verschrieben als noch 2010. Das geht aus einem Bericht des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland hervor. Deutlich stärker noch sind im gleichen Zeitraum die Antibiotika-Verordnungen für Kinder gesunken – um über 40 Prozent. Als möglicher Auslöser für den Rückgang werden zahlreiche bundesweite Initiativen für einen angemessenen Antibiotika-Einsatz genannt. Allerdings zeigen sich starke regionale Unterschiede. In den alten Bundesländern war die Verordnungsrate im Durchschnitt höher als in den neuen. Den höchsten Antibiotika-Verbrauch gab es 2018 im Saarland. Dort wurden von den Ärzten 572 Verordnungen pro 1000 Versicherte ausgestellt. Der bundesweite Durchschnitt lag bei 446 Verordnungen pro 1000 Versicherte. Die niedrigste Rate (317) gab es in Sachsen.

Quelle: dpa, versorgungsatlas.de


Fisch-Schuppen erzählen die Geschichte der Lachse

Im kanadischen Skeena River lebten vor 100 Jahren rund vier Mal mehr Lachse als heute. Das berichten Forscher der Fraser University im Fachjournal Conservation Biology. Bemerkenswert ist die Methode, mit der sie die historischen Vergleichsdaten erhoben. Die Wissenschaftler waren im Archiv einer Fischereibehörde auf alte Notizbücher mit statistischen Aufzeichnungen zu Lachsfängen aus den Jahren 1913 bis 1948 gestoßen. Auf den Seiten klebten auch Hunderte von Fischschuppen der Lachse jener Zeit. Die Forscher analysierten die DNA aus den Schuppen und verglichen sie mit dem Erbgut heutiger Lachse aus dem Skeena River. In Kombination mit weiteren Angaben etwa zum Gewicht und dem Alter der Fische konnten sie so die früheren Bestandsgrößen abschätzen. Heute kehren rund 470.000 Lachse jedes Jahr zum Laichen in den Skeena River zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts dürfte diese Zahl noch bei 1,8 Millionen gelegen haben, so die Forscher.

Quelle: Conservation Biology

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