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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft28.08.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Künstliche Intelligenz erkennt Vogelzugrouten +++ Kinder können zum Burnout führen +++ Der Prototyp einer Mars-Rakete ist abgehoben +++ Der Berliner Nahverkehr ist besonders effizient +++ Spulwurm-DNA steckt in 17.000 Jahre altem Puma-Kot +++ Computer analysieren EKG-Daten

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Künstliche Intelligenz erkennt Vogelzugrouten

Und zwar anhand von Wetterradar-Daten. Forschende der University of Massachusetts haben eine KI darauf trainiert, in Bildern von Regenradar-Stationen eindeutig zwischen den von Regen und den von Vogelschwärmen hervorgerufenen Signalen unterscheiden zu können. Mit Hilfe der künstlichen Intelligenz analysierten sie mehr als 200 Millionen Bilder von 143 Regenradar-Stationen in den USA aus den vergangenen 24 Jahren. Daraus generierten sie dynamische Karten, welche die Hauptvogelzugrouten über Nordamerika wiedergeben, aber auch deren Veränderung über die Zeit. Das Programm namens MistNet könne der sogenannten Radar-Ornithologie einen großen Schub verleihen, schreiben die Forscher im Fachmagazin Methods in Ecology and Evolution. Mithilfe der künstlichen Intelligenz sei es sogar möglich, die Fluggeschwindigkeit und die Dichte von Zugvogelschwärmen abzuschätzen.

Quelle: Methods in Ecology and Evolution


Kinder können zum Burnout führen

Kinder aufzuziehen ist für die Eltern nicht immer nur mit Freude verbunden. Häufig kann es auch Stress bedeuten. Und wenn dieser Stress chronisch wird, kann er sogar einen Burnout hervorrufen. Das berichten Forscher aus Belgien und den USA im Fachjournal Clinical Psychological Science. In zwei Studien beschreiben sie, welche negativen Auswirkungen ein elterlicher Burnout haben kann: Aus liebenden Müttern und Vätern, die sich für ihre Kinder aufopfern, können Eltern werden, die sich von ihren Kindern abwenden, sie gar im Stich lassen wollen, oder die sich ihnen gegenüber häufiger aggressiv verhalten. Nach Ansicht der Forscher sollte ein elterlicher Burnout, auch zum Wohl der Kinder, ernst genommen werden. Betroffene bräuchten Unterstützung. Das Thema dürfe in der Gesellschaft nicht tabuisiert, sondern müsse viel stärker beachtet werden. Für die Studien wurden mehrere Tausend Eltern in Belgien und Großbritannien über einen Zeitraum von knapp 1,5 Jahren mehrmals befragt, wie belastend sie ihre Erziehungsaufgaben empfanden, und welche Aggressionen oder auch Flucht-Vorstellungen sie dabei hatten.

Quelle: Clinical Psychological Science


Der Prototyp einer Mars-Rakete ist abgehoben

Starhopper heißt der verkleinerte Prototyp einer Schwerlastrakete, mit der das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX eines Tages Menschen und Fracht zum Mond und später auch zum Mars bringen will. Bei einem Test auf einem Gelände in Texas hat Starhopper einen ersten, kurzen Flug erfolgreich absolviert. Während einer Flugzeit von knapp einer Minute erreichte das Gerät eine Höhe von 150 Metern und flog dabei 100 Meter weit. Der Test diente vor allem als Technologie-Vorführung für ein von SpaceX entwickeltes Raketen-Triebwerk namens Raptor. Es wird mit flüssigem Methan und Sauerstoff betrieben und soll dabei besonders effizient sein. In der von SpaceX geplanten, zweistufigen Mond- und Mars-Rakete namens Super Heavy sollen bis zu 37 solcher Raptor-Motoren verbaut werden.

Quelle: Agenturen


Der Berliner Nahverkehr ist besonders effizient

Forschende der Universität Turin haben in einer Studie im Fachjournal Royal Society Open Science die Geschwindigkeit der öffentlichen Verkehrsnetze von 32 Städten in Europa, Nordamerika und Australien verglichen. Berlin schnitt dabei am besten ab, gefolgt von Paris. Für die Studie teilten die Forscher die Städte in kleine, sechseckige Felder ein. Dann berechneten sie anhand von online verfügbaren Fahrplänen, wie lange man im Durchschnitt brauchen würde, um zu Fuß und mit dem Nahverkehr von Wabe zu Wabe zu gelangen. Allerdings geben die Ergebnisse nur das theoretisch erreichbare Optimum wieder. Denn sie berücksichtigen nur die offiziellen Fahrpläne einer Stadt, nicht die reale Verkehrslage. Der Alltag des ÖPNV kann durch Baustellen, Streckensperrungen, Verspätungen etcetera. deutlich anders aussehen. Die Ergebnisse der Studie sind auf der interaktiven Online-Plattform www.citychrone.org visuell aufbereitet.

Quelle: Royal Society Open Science, citychrone.org


Spulwurm-DNA steckt in 17.000 Jahre altem Puma-Kot

Es handelt sich um die weltweit älteste DNA eines Darmparasiten, die bisher nachgewiesen werden konnte. Forschende aus Argentinien berichten von ihrer Entdeckung im Fachjournal Parasitology. Der Parasit gehört zu einer Art, die bei Hunden und Katzen noch heute verbreitet ist. Der Fund in versteinerten Kotresten, sogenannten Koprolithen, die ein urzeitlicher Berglöwe vor rund 17.000 Jahren in den argentinischen Anden hinterließ, zeigt nun: Spulwürmer muss es schon lange vor der Ankunft des Menschen und seiner Haustiere in Südamerika gegeben haben. Bisher waren Zoologen davon ausgegangen, dass Wildkatzen in Südamerika erst durch domestizierte Hunde und Katzen in Kontakt mit Spulwürmern kamen. Der Fund stellt auch einen neuen Altersrekord für den Nachweis von DNA aus fossilen Kotresten dar.

Quelle: Parasitology


Computer analysieren EKG-Daten

In Zukunft könnten Ärzte künstliche Intelligenz nutzen, um aus einem simplen Elektrokardiogramm eines Patienten Hinweise auf dessen allgemeine Gesundheit zu erhalten. Forschende aus den USA berichten von einem entsprechenden Projekt, bei dem eine KI anhand von EKG-Daten von fast 500.000 Probanden gelernt hat, das Geschlecht und das Alter eines Patienten abzuschätzen. Liefert man der KI eine EKG-Messung als Input, gibt sie als Ergebnis das geschätzte Alter aus. Wird der zugehörige Patient vom Computer auf Basis der Messdaten als deutlich älter eingestuft als er in Realität ist, dann ist das als Hinweis auf mögliche Herz-Probleme zu werten. Die künstliche Intelligenz könnte auf diese Weise helfen, schnell solche Patienten zu identifizieren, für die ein intensiverer Check-up ratsam sein könnte, so die Forscher. Die Studie ist in einem Fachmagazin der American Heart Association erschienen.

Quelle: Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology

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