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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft29.08.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Forschende finden ein neues Kurzschlaf-Gen +++ Im Burgund beginnt die Weinlese immer früher +++ Wissenschaftler imitieren das perfekte Weiß +++ Ein extra-weicher Greifer hält Quallen sanfter fest +++ In Europa gibt es wieder mehr Masernfälle

Von Magdalena Schmude

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Forschende finden ein neues Kurzschlaf-Gen

Träger dieser Genvariante fühlen sich nach durchschnittlich vier bis sechs Stunden Nachtschlaf komplett erholt. Wer die Mutation nicht besitzt, braucht im Schnitt acht Stunden Schlaf, um ausgeruht zu sein. Das Gen enthält die Bauanleitung für einen Rezeptor, der durch das Stresshormon Adrenalin aktiviert wird, wie Neuro-Wissenschaftler aus San Francisco im Fachjournal Nature berichten. Sie konnten zeigen, dass der Aufbau des Rezeptors bei Kurzschläfern verändert ist.

Bei Mäusen mit der gleichen Rezeptor-Variante waren außerdem die Hirnzellen, die den Rezeptor besitzen, leichter aktivierbar. Das führt dazu, dass die Tiere schneller aufwachen und länger wach bleiben können, schreiben die Forscher.

Quelle: Nature


Im Burgund beginnt die Weinlese immer früher

Weintrauben reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen der Temperatur und der Niederschlagsmenge. In Jahren mit trockenen, warmen Frühsommern werden sie eher reif. Der Beginn der Weinlese kann deshalb als Indikator für eventuelle Klimaveränderungen dienen. Wissenschaftler aus der Schweiz, Frankreich und Deutschland haben historische Daten aus dem Burgund für die vergangenen 650 Jahre ausgewertet und konnten einen deutlichen Trend ausmachen. Während die Weinlese dort bis1987 typischerweise ab dem 28. September begann, lag der Start der Erntesaison in den letzten 30 Jahren durchschnittlich 13 Tage früher, also um den 15. September. Das berichten die Forscher im Fachmagazin Climate of the Past.

Mit Hilfe von Temperaturaufzeichnungen konnten die Wissenschaftler außerdem zeigen, dass ein Zusammenhang zu besonders warmen und trockenen Frühsommern von April bis Juli besteht. Während solche Phasen bis 1988 die Ausnahme waren, kommen sie seitdem regelmäßig vor.

Quelle: Climate of the Past


Wissenschaftler imitieren das perfekte Weiß

Als Vorbilder dienten den Forschern der University of Sheffield dabei Käfer der Gattung Cyphochilus. Die Tiere sind weißer als alle anderen bekannten Farbstoffe und tarnen sich so vor Fressfeinden. Dabei wird der perfekte Farbeindruck nicht durch Pigmente erzeugt, sondern mit Hilfe unregelmäßig geformter Schuppen, die ihren Körper bedecken. Das Besondere: Die Schuppen sind so gestaltet, dass sie sämtliche Wellenlängenbereiche gleich streuen. Gleichzeitig sind sie nur fünf Mikrometer dick.

Untersuchungen mit einem Röntgen-Tomographen zeigten, dass für die optimale Streuung des Lichts auch die richtigen Proportionen von kleinen Aussparungen im Schuppenmaterial entscheidend sind. Anschließend waren die Wissenschaftler in der Lage, die Strukturen aus Plastik nachzubilden, wie sie im Fachjournal Communications Chemistry schreiben.

Quelle: Communications Chemistry


Eine extra-weicher Greifer hält Quallen sanfter fest

Quallen bestehen zu 95 Prozent aus Wasser und sind deshalb, ähnlich wie ein mit Flüssigkeit gefüllter Ballon, extrem empfindlich. Um sie für Forschungszwecke zu fangen oder festzuhalten, werden aber bisher Werkzeuge eingesetzt, die dafür ungeeignet sind: Greifarme oder Saugvorrichtungen aus der Unterwasserindustrie, die die weichen Tiere zerdrücken oder zerreißen. Bioingenieure aus Harvard haben jetzt eine neuartige Greifhand entwickelt, deren bewegliche Teile selbst hauptsächlich aus Wasser bestehen. In der Fachzeitschrift Science Robotics stellen die Forscher ihre Entwicklung vor.

Die sechs Finger des Greifers bestehen aus dünnen Silikonstreifen, die mit Wasser gefüllt werden und auf der Innenseite mit Nanofasern beschichtet sind. Die Finger können sich koordiniert nach Innen krümmen und so eine Qualle oder ein anderes Weichtier festhalten.

Dabei wirkt auf die Qualle ein Druck von weniger als 0.05 kPa pro Finger. Das ist weniger als ein Zehntel des Drucks, mit dem ein Augenlied auf das menschliche Auge drückt.

Quelle: Science Robotics


In Europa gibt es wieder mehr Masernfälle
In der ersten Jahreshälfte 2019 sind europaweit rund 90.000 Menschen an Masern erkrankt. Das meldet die Weltgesundheitsorganisation WHO. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es etwa halb so viele. Besonders stark betroffen sind die Ukraine, Kasachstan, Georgien und Russland. In Deutschland treten die Masern noch regional begrenzt auf. 2019 gab es bisher etwa 450 Fälle.

Außerdem haben vier Länder ihren Status als masernfrei verloren, weil erstmals wieder Masernerkrankungen aufgetreten sind: Griechenland, Großbritannien, Albanien und Tschechien.

Ziel der WHO ist es, die Masern langfristig auszurotten. Dafür ist eine stabile Impfrate von 95 Prozent der Bevölkerung nötig.

Quelle: WHO

 

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