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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft11.09.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Die Krebsprävention erhält in der Forschung mehr Gewicht +++ In Europa wurden schon vor 6000 Jahren Milchprodukte konsumiert +++ Geisterkrabben knurren mit den Zähnen +++ Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA will in Zukunft auf Tierversuche verzichten +++ Der Wissenschaftsverlag Elsevier nimmt Gutachter ins Visier

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Die Krebsprävention erhält in der Forschung mehr Gewicht

Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Deutsche Krebshilfe haben angekündigt, in Heidelberg ein nationales Krebspräventionszentrum aufbauen zu wollen. Es soll die Forschung auf dem Gebiet der Vorbeugung von Krebserkrankungen bündeln. Den Plänen nach wird in dem Zentrum eine ambulante Klinik für Teilnehmer an Präventionsstudien entstehen. Ziel ist es, dort Programme für eine dem persönlichen Krebsrisiko angepasste Prävention zu entwickeln. In Deutschland erkranken jährlich rund 500.000 Menschen neu an Krebs. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums wären bis zu 70 Prozent aller Krebs-Todesfälle durch Prävention und Früherkennung vermeidbar. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt nach eigenen Angaben mit 25 Millionen Euro.

Quelle: dpa


In Europa wurden schon vor 6000 Jahren Milchprodukte konsumiert

Und das, obwohl die Menschen damals laut Gen-Analysen noch laktose-intolerant waren. Britische Forscher der University of York konnten allerdings im Belag von Zähnen von Bauern aus der Jungsteinzeit in Großbritannien ein bestimmtes Milch-Protein namens Beta-Lactoglobulin nachweisen, das dort eingelagert war. Das könnte bedeuten, dass die Menschen damals zwar keine Rohmilch tranken, Milch aber in fermentierter Form als eine Art Käse oder Joghurt konsumierten, so die Forscher. Bei der Fermentation wird die Laktose abgebaut. Viele moderne Europäer besitzen eine genetische Mutation, die es ihnen ermöglicht, Laktose zu verdauen. Diese Mutation trat allerdings erst vor rund 4000 Jahren auf. Der Fund von Milchprotein im Plaque von 6000 Jahre alten Zähnen ist der bisher früheste direkte Nachweis des Milchkonsums in Europa. Die Studie ist im Fachjournal Archaeological and Anthropological Sciences erschienen.

Quelle: Archaeological and Anthropological Sciences


Geisterkrabben knurren mit den Zähnen

Und diese Zähne sitzen im Magen der Krabben. Das berichten Forschende im Fachmagazin Proceedings of the Royal Society B. Nach ihren Angaben handelt es sich um den ersten Nachweis, dass ein Tier Magengeräusche für die Kommunikation einsetzt. Viele Krabben erzeugen Geräusche, indem sie ihre Scheren aneinander reiben, um so einem Angreifer zu drohen. Bei Geisterkrabben der Art Ocypode quadrata aus dem Atlantik beobachteten die Wissenschaftler aber, dass diese auch eine Art Knurren von sich geben können, wenn sie die Scheren in hoch erhobener Abwehrstellung halten. Weitere Untersuchungen unter anderem mit Röntgenaufnahmen ergaben, dass die Geisterkrabben das Knurren erzeugen, indem sie Zähne in ihrem Magen aneinander reiben. Die Magenzähne der Krabben dienen normalerweise dazu, bereits geschluckte Nahrung mechanisch wie in einer Mühle zu zerkleinern.

Quelle: Proceedings of the Royal Society B


Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA will in Zukunft auf Tierversuche verzichten

Das hat die Environmental Protection Agency (EPA) gestern bekannt gegeben. Die Pläne sehen vor, bis zum Jahr 2025 Versuche mit Tieren um 30 Prozent zurückzufahren. Ab 2035 will die EPA dann gar keine Studien mehr durchführen oder in Auftrag geben, die auf Experimenten mit Säugetieren basieren. Bisher dienen die Tierversuche der EPA dazu, die Sicherheit von Chemikalien einzuschätzen und Grenzwerte festzulegen. Künftig sollen dafür verstärkt alternative Testmethoden eingesetzt werden, etwa auf Basis von Zellkulturen, Organchips oder Computersimulationen. In den kommenden Jahren will die Behörde mehr als vier Millionen US-Dollar für die Entwicklung entsprechender Verfahren bereitstellen. Laut Angaben der EPA werden derzeit jährlich zwischen 20.000 und mehr als 100.000 Tiere in toxikologischen Studien für die Behörde eingesetzt. Die Mehrzahl davon sind Ratten, Mäuse und Kaninchen.

Quelle: Science


Der Wissenschaftsverlag Elsevier nimmt Gutachter ins Visier

Hunderte Forscher sollen unter Verdacht stehen, Peer-Review-Prozesse systematisch dafür genutzt zu haben, die Zitationsrate eigener Studien zu erhöhen. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature. Beim sogenannten Peer-Review werden zur Veröffentlichung eingereichte Forschungsarbeiten von eigentlich unabhängigen Fachkollegen begutachtet und dann zur Veröffentlichung empfohlen oder abgelehnt. Laut dem Bericht ist Elsevier bei einer Überprüfung der Arbeit von fast 55.000 seiner Gutachter auf Manipulationshinweise gestoßen: In einigen Hundert Fällen sollen Peer-Reviewer Studienautoren dazu verleitet haben, Forschungsarbeiten der Gutachter bewusst häufiger zu zitieren – vermutlich mit der Gegenleistung, dafür eine positive Peer-Review-Bewertung zu erhalten.

Quelle: Nature

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