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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft18.09.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Viele Staaten sind schlecht auf mögliche Pandemien vorbereitet +++ Ernährungsprogramme allein sind nicht genug +++ Auf dem Weg zur künstlichen Zelle ist Biochemikern ein weiterer Schritt gelungen +++ Die Evolution der Pseudozahnvögel begann auf der Südhalbkugel der Erde +++ Ein Bodenbakterium rückt schwer abbaubaren Chemikalien zu Leibe +++ Leipzig wird Standort einer neuen Agentur für Innovationen

von Kathrin Baumhöfer

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Viele Staaten sind nicht hinreichend auf mögliche Pandemien vorbereitet

Das Global Preparedness Monitoring Board - ein Gremium aus WHO und Weltbank – sieht in seinem ersten Jahresbericht deutlichen Handlungsbedarf. Das Papier nennt sieben konkrete Maßnahmen, um die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu verhindern. So müssten sich die Staaten etwa zur Vorsorge auf solche Krisen verpflichten und Schwächen beheben. Viele Länder seien derzeit nicht in der Lage, eine beginnende Epidemie zu erkennen und schnell darauf zu reagieren. Darüber hinaus sei die Entwicklung und der Einsatz neuer Impfstoffe und Medikamente essenziell. Den Angaben zufolge würden schon ein bis zwei Dollar pro Person und Jahr ausreichen, um besser vorbereitet zu sein. Nicht zuletzt fordern die Experten, die Koordinierungsmöglichkeiten der Staaten untereinander zu verbessern; sie sehen hier die Vereinten Nationen in der Pflicht.

Quelle: Global Preparedness Monitoring Board


Ernährungsprogramme allein sind nicht genug.

Kleinkindern in Entwicklungs- und Schwellenländern wird bisher vor allem mit Ernährungsprogrammen geholfen.

Das reicht laut einem internationalen Forscherteam aber nicht aus. Sie schreiben im Fachmagazin The Lancet Global Health, für eine altersgemäße geistige Entwicklung sei es von entscheidender Bedeutung, mehr Lernmöglichkeiten und Betreuung zu bieten.

Das sei auch sinnvoll für die Entwicklung sozial-emotionaler, motorischer und sprachlicher Fähigkeiten der Kinder.

Die Forscher fordern deshalb, den Schwerpunkt von Hilfsprogrammen in Entwicklungs- und Schwellenländern entsprechend anzupassen.

In ihrer Metastudie hatten sie 75 Untersuchungen zum Thema ausgewertet.

Quelle: The Lancet Global Health


Auf dem Weg zur künstlichen Zelle ist Biochemikern ein weiterer Schritt gelungen.

Forscher aus Groningen haben kleine Bläschen konstruiert, die in der Lage sind, Energie so zu produzieren wie eine Zelle. Diese Vesikel  bestehen aus einer fetthaltigen Membran, in die spezielle Eiweiße eingebettet sind, die bestimmte Moleküle von innen nach außen oder in die umgekehrte Richtung transportieren. Im Innern befinden sich Enzyme – also Moleküle, die als Katalysator für die entscheidende Reaktion dienen.

Das Besondere an ihrem System, schreiben die Forscher im Fachmagazin Nature Communications, sei, dass es in der Lage ist, ein System aufrechtzuerhalten, das sich im Ungleichgewicht befindet: Die Moleküle und Ladungen im Innern sind anders zusammengesetzt ist als die Flüssigkeit außerhalb der Membran.

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler versuchen, ein künstliches Chromosom mit der Bauanleitung für die Enzyme herzustellen, die sie für ihr Konstrukt verwendet haben.

Quelle: Nature Communications


Die Evolution der Pseudozahnvögel begann auf der Südhalbkugel der Erde.

… und nicht im Norden, wie bisherige Fossilienfunde nahelegten. Archäologen haben in Neuseeland die mit rund 61 Millionen Jahren bislang ältesten Überreste eines solchen Vogels geborgen – in derselben Gegend, aus der auch der Riesenpinguin stammt, der vor zwei Jahren zum ersten Mal beschrieben wurde.

Beim jetzt entdeckten Fossil handelt es sich ebenfalls um eine neue Art, schreiben die Forscher in den Papers of Palaentology. Der Vogel war etwa so groß wie eine Möwe und besaß sowohl die langen und dünnen Flügelknochen als auch die zackenartigen Fortsätze an den Schnabelrändern, die für Pseudozahnvögel typisch sind.

Einzelne Vögel späterer Generationen konnten Flügelspannweiten von mehr als fünf Meter erreichen. Das belegen Funde aus Nord- und Südamerika.  Ausgestorben sind Pseudozahnvögel vor rund drei Millionen Jahren.

Quelle: Papers of Palaentology


Ein Bodenbakterium rückt schwer abbaubaren Chemikalien zu Leibe.

Die Rede ist von sogenannten PFAS, chemischen Verbindungen, deren Eigenschaften maßgeblich dadurch bestimmt werden, dass sie viele Bindungen zwischen Kohlenstoff- und Fluoratomen enthalten. Das macht sie besonders stabil – und schwer abbaubar. Zum Einsatz kommen sie etwa in Reinigungsmitteln, in Beschichtungen von Textilien und Kunststoff und in Löschschaum.

Das  jetzt beschriebene Bakterium war im Labor in der Lage, innerhalb von 100 Tagen 60 Prozent der gegebenen PFAS abzubauen. Voraussetzung dafür war allerdings, dass es genügend Eisen in den Reaktionsbehältern gab.

Ein Vorteil: Das Bakterium braucht nur wenig Sauerstoff – das macht es brauchbar für einen Einsatz in Boden und Grundwasser.

Die Experimente der Wissenschaftler sind im Fachmagazin Environmental Science and Technology beschrieben.

Quelle: Environmental Science and Technology


Leipzig wird Standort einer neuen Agentur für Innovationen.

Gemeint sind Sprunginnovationen, die guten Ideen schneller als bisher zum Durchbruch verhelfen sollen. Das zuständige Bundesministerium für Bildung und Forschung versteht darunter Ideen und in der Folge Produkte oder Geschäftsmodelle, die in der Lage sind, den Markt zu verändern. Das Ministerium sieht Deutschland, verglichen mit den USA und China, hier im Hintertreffen.

Um das zu ändern bekommt die neue Agentur Fördergelder von rund einer Milliarde Euro für die nächsten zehn Jahre. So sollen Unternehmen entstehen, die diese radikal neuen Produkte auf den Markt bringen.

Die Zentrale in Leipzig soll bis zu 50 Mitarbeiter bekommen. In der Endauswahl als Standort waren auch Potsdam und Karlsruhe.

Quelle: BMBF, Agenturen

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