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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft23.09.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Die Antarktis-Gletscher fließen schneller +++ Die Zahl der Krankheitsfälle durch E-Zigaretten steigt +++ Darmbakterien schädigen die Leber +++ Asiens Kraftwerken droht der Wassermangel +++ Ein Asteroiden-Crash steigerte die Artenvielfalt auf der Erde +++ Fukushima-Chefs wurden freigesprochen

von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Die Antarktis-Gletscher fließen schneller

Britische Forscher haben erstmals nachgewiesen, dass die Bildung von Schmelzwasser an der Oberfläche von Eisflächen in der Antarktis dazu beiträgt, dass die Gletscher schneller ins Meer abfließen. Das Wasser versickert durch Spalten zum Grund der Gletscher und wirkt dort wie ein Schmiermittel. Die Forscher nutzten Satellitenmessungen und -bilder in Kombination mit regionalen Klimamodellen. Dabei konnten sie beobachten, dass manche küstennahe Gletscher wiederholt tage- oder wochenlang ihre Fließgeschwindigkeit erhöhten, teilweise sogar verdoppelten. Die Perioden mit einem gesteigerten Tempo fielen mit Zeiten erhöhter Schneeschmelze zusammen. Die Studie ist im Fachmagazin Nature Communications erschienen.

Quelle: Nature Communications


Die Zahl der Krankheitsfälle durch E-Zigaretten steigt

Das geht aus Zahlen hervor, die die US-Gesundheitsbehörde CDC vorgelegt hat. Demnach seien in den USA inzwischen 530 Fälle von Lungenverletzungen nach dem Gebrauch von E-Zigaretten erfasst. Zuvor war von rund 450 möglichen Erkrankungen die Rede gewesen. Zudem wurden bislang sechs Todesfälle gemeldet, die offenbar auf die Nutzung von E-Zigaretten zurückgehen. Die Ursachen für die Beschwerden sind nach wie vor unbekannt. Die Betroffenen in den USA konsumierten in den meisten Fällen den Cannabis-Inhaltsstoff THC oder THC zusammen mit Nikotin. Zu gut 370 der Verletzten haben die CDC genauere Angaben. Etwa zwei Drittel von ihnen seien zwischen 18 und 34 Jahre alt. Drei Viertel seien männlich. In Deutschland und Europa ist bislang kein ähnlicher Anstieg entsprechender Fälle bekannt. In den USA stehen die Geräte inzwischen auch wegen einer kürzlich veröffentlichten Studie im Fachjournal "Jama Internal Medicine" unter Druck: In E-Zigaretten und Kautabak hatten Wissenschaftler einen möglicherweise krebserregenden Geschmacksstoff "in besorgniserregend hoher Konzentration" entdeckt.

Quellen: CDC, Jama 


Darmbakterien schädigen die Leber

Forscher aus China haben eine Erklärung dafür gefunden, warum Menschen, die keinen Alkohol konsumieren, dennoch an einer sogenannten Fettleber erkranken können. Auch bei ihnen ist demnach Alkohol im Spiel, wenn auch versteckt. Die Betroffenen haben bestimmte Bakterien in ihrem Darm, die Zucker in Alkohol umwandeln. Die Forscher fanden in Stuhlproben eines Patienten, der ohne Alkohol-Konsum häufig wie betrunken wirkte, einen besonderen Stamm des weitverbreiteten Bakteriums Klebsiella pneumoniae. Diese Mikroben produzierten größere Mengen von Alkohol. Weitere Untersuchungen an Patienten mit einer sogenannten nichtalkoholischen Fettleber zeigten, dass auch viele von ihnen alkoholproduzierende Klebsiella-Bakterien im Darm besaßen. Bei gesunden Probanden war das selten der Fall. Versuche mit Mäusen ergaben: Tiere, deren Darm gezielt mit alkohol-produzierenden Klebsiellen besiedelt wurde, begannen Fettlebern zu entwickeln. Das Ergebnis war vergleichbar mit Kontrolltieren, denen Alkohol direkt ins Futter gemischt wurde. Die Studie ist im Fachmagazin Cell Metabolism nachzulesen.

Quelle: Cell Metabolism


Asiens Kraftwerken droht der Wassermangel

Große Kraftwerke brauchen viel Wasser zur Kühlung. In Asien könnte das im Zuge des Klimawandels zum Problem werden. Forschende der Ohio State University haben untersucht, in welchen Regionen Asiens besonders viele Großkraftwerke geplant sind und wie die Regionen vom Klimawandel getroffen werden könnten. Dabei zeigte sich: Vor allem in der Mongolei, in Südost-Asien sowie in Teilen Indiens und Chinas könnten die in Zukunft zu erwartenden, stärkeren Dürrephasen dafür sorgen, dass Kraftwerken zumindest temporär nicht genug Kühlwasser zur Verfügung steht. In den genannten Regionen sind allein bis 2030 neue Kraftwerke mit einer Leistung von 400 Gigawatt geplant. Nach Ansicht der Wissenschaftler sind diese Pläne mit Blick auf die Kühlwasserversorgung allerdings zu ambitioniert. Ihre Studie ist im Fachmagazin Energy and Environmental Science erschienen.

Quelle: Energy & Environmental Science


Ein Asteroiden-Crash steigerte die Artenvielfalt auf der Erde

Vor 470 Millionen Jahren ereignete sich im Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter eine große Kollision. Die dabei entstandene Wolke aus Asteroidenstaub soll auch die Sonneneinstrahlung auf die Erde gedämpft und dadurch eine Eiszeit ausgelöst oder zumindest verstärkt haben – was letztendlich der Artenvielfalt einen enormen Schub gab. Schwedische Forscher stellen diese Theorie im Fachblatt Science Advances vor. Die Wissenschaftler analysierten Meeressedimente vor Schweden und Russland und stießen dabei auf extraterrestrisches Material, das sie dem Asteroiden-Crash zuschreiben. Nach Darstellung der Forscher ist ihr Fund das zweite konkrete Beispiel dafür, wie astronomische Ereignisse das irdische Leben geprägt haben. Vor 66 Millionen Jahren hatte ein Asteroiden-Einschlag das Ende der Dinosaurier eingeläutet.

Quelle: Science Advances


Fukushima-Chefs wurden freigesprochen

Ein Gericht in Tokio hat den früheren Vorstand des japanischen Atomkraftwerkbetreibers Tepco freigesprochen. Drei Männer, darunter der ehemalige Tepco-Chef Tsunehisa Katsumata, waren wegen der Atomkatastrophe von Fukushima angeklagt. Der Vorwurf lautete: kriminelle Fahrlässigkeit. Sie sollen Warnungen zu möglichen Tsunami-Risiken für die Atomreaktoren von Fukushima nicht beachtet haben. Die Richter kamen in ihrem Urteil zu dem Schluss, dass es unrealistisch sei anzunehmen, die Firmenchefs könnten sich auf alle Szenarien eines Tsunamis vorbereiten. Das Vorgehen des Tepco-Managements hätte den staatlichen Sicherheitsrichtlinien entsprochen. Bei der Atomkatastrophe von 2011 hatte ein Tsunami mit 14 Meter hohen Wellen das Kraftwerksgelände von Fukushima geflutet. Durch Ausfall der Kühlsysteme kam es bei drei der Reaktoren zu einer Kernschmelze. Das Kraftwerk besaß einen Schutzwall gegen Tsunami-Wellen. Dieser war aber nur auf eine Wellenhöhe von zehn Metern ausgelegt.

Quelle: Nature

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