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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft18.10.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Eine Studie liefert neue Erkenntnisse auf dem Weg zu künstlichen Embryonen +++ Wer hungrig ist, handelt nicht unbedingt egoistischer +++ Ein Forschungsteam hat eine neue Vogelart aus Borneo beschrieben +++ Eine neue Kühlmethode macht 3D-Drucke schneller und größer +++ Trilobiten haben schon vor einer halben Milliarde Jahren Gruppenverhalten gezeigt

Von Lennart Pyritz

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Eine Studie liefert neue Erkenntnisse auf dem Weg zu künstlichen Embryonen

Einem internationalen Forschungsteam ist es einer Studie im Fachblatt Cell zufolge gelungen, aus einzelnen Stammzellen von Mäusen embryoartige Strukturen zu erzeugen. Genauer glichen die im Labor erschaffenen Zellverbände Blastocysten – ein frühes, Hohlkugel-artiges Stadium der Embryonalentwicklung. Untersuchungen zeigten, dass sich die künstlichen Blastoide auch bis zu einem gewissen Grad wie echte Blastocysten weiter entwickelten. In einigen Fällen gelang es sogar, die embryoartigen Strukturen in Muttertiere einzupflanzen. Dort bildeten sie aber nur ungeordnetes Gewebe.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten für ihre Experimente sogenannte Stammzellen mit erweitertem Potenzial verwendet, kurz EPS-Zellen. Diese wuchsen in einer dreidimensionalen Vorrichtung zu den embryoähnlichen Strukturen heran.

Derartige Stammzell-Experimente gäben neue Einblicke in die frühe Embryonalentwicklung und bereiteten den Weg für die Erzeugung künstlicher Embryonen im Labor, so das Autorenteam.

Quelle: Cell


Wer hungrig ist, handelt nicht unbedingt egoistischer

Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam im Fachmagazin Nature Communications. Es hatte in vier Studien untersucht, wie sich akutes Hungergefühl auf das soziale Verhalten von Menschen auswirkt. Dafür ließ es hunderte Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer – davon einige satt, andere ausgehungert – unterschiedliche Spiele spielen, bei denen zum Beispiel ein Geldbetrag oder Essen aufgeteilt werden sollten.

Das Ergebnis: Hunger beeinflusst das soziale Verhalten nicht. Vermutlich würden die sozialen Rahmenbedingungen – zum Beispiel mögliche Sanktionen oder der drohende Verlust von sozialem Ansehen – die egoistischen Impulse ausbremsen, so einer der Autoren.

In einer weiteren Studie zeigten die Forschenden, dass allerdings – im Gegensatz zu ihren Studienergebnissen – der Glaube verbreitet sei, Hunger führe zu egoistischem Verhalten.

Quelle: Nature Communications


Ein Forschungsteam hat eine neue Vogelart aus Borneo beschrieben

Und ihr den Namen Bebrillter Mistelfresser gegeben. Die Tiere sind klein, grau gefärbt aber mit markanten weißen Bögen über und unter den Augen. Sie leben in den tropischen Tiefland-Wäldern der südostasiatischen Insel und ernähren sich – wie der Name vermuten lässt – von Mistelfrüchten. Die Art war bereits im Jahr 2009 von einem Ornithologenteam beobachtet und fotografiert worden. Erst jetzt gelang es allerdings, ein Exemplar zu fangen und genau zu untersuchen. Die genetische Analyse belege, dass es sich um eine bislang nicht beschriebene Spezies handelt, so das internationale Forschungsteam im Fachblatt Zootaxa.

Sie sei nicht besonders eng verwandt mit irgendeinem anderen Vertreter der Mistelfresser, so die Autorinnen und Autoren. Anhand des Mageninhalts konnten sie auch bestimmen, welche Mistel-Arten die neue Spezies bevorzugt – Informationen, die Hinweise auf die ökologischen Bedürfnisse der Tiere geben.

Die Forschenden hoffen, dass ihr Fund Aufmerksamkeit für die teils noch unentdeckte – und durch Umweltzerstörung bedrohte – Biodiversität Borneos schafft.

Quelle: Zootaxa


Eine neue Kühlmethode macht 3D-Drucke schneller und größer

Die Stereolitografie ist eine weitverbreitete 3D-Druck-Methode. Dabei entsteht ein Objekt durch schichtweisen Aufbau. Das verwendete flüssige Harz wird während dieses Vorgangs mit Hilfe von UV-Licht ausgehärtet. Bislang war die Geschwindigkeit dabei durch die Hitze begrenzt, die beim Aushärten entsteht. Drei Wissenschaftler aus den USA stellen jetzt im Fachmagazin Science eine verfeinerte Methode namens "High Area Rapid Printing", kurz HARP, vor. Dabei wird überschüssige Wärme mit Hilfe eines speziellen Öls abgeführt, so dass schneller und größer gedruckt werden kann.

Mit dem neuen Verfahren ließen sich vertikale Druckraten von mehr als 43 Zentimetern pro Stunde erreichen. Ein Objekt von der Größe eines erwachsenen Menschen kann so in wenigen Stunden gedruckt werden. Das neuartige Verfahren funktioniert mit einer Reihe von Materialien: Die Forscher haben Objekte aus Hartplastik, Elastomeren und Keramiken gedruckt.

Der neuartige Drucker soll innerhalb der kommenden eineinhalb Jahre kommerziell verfügbar sein. Das Verfahren könnte das Lagern bestimmter vorgefertigter Teile seiner Größenklasse überflüssig machen, da sie sich nach Bedarf drucken ließe, so einer der Autoren.

Quelle: Science


Trilobiten haben schon vor einer halben Milliarde Jahren Gruppenverhalten gezeigt

Trilobiten sind Gliederfüßer, die Krebsen oder Asseln ähneln. Die Meeresbewohner lebten im Erdaltertum und starben vor etwa 250 Millionen Jahren aus. Im Fachmagazin Scientific Reports beschreibt ein Forschungsteam jetzt anhand von Fossilfunden, dass die Tiere bereits vor 480 Millionen Jahren lineare Formationen aus mehreren dicht aneinandergereihten Individuen bildeten. Das Phänomen könnte eine kollektive Wanderung zeigen, ausgelöst durch Umweltfaktoren oder die Fortpflanzungssaison, so die Autorinnen und Autoren. Der Fund weise darauf hin, dass kollektives Verhalten sehr früh im Lauf der Evolution aufgetreten ist und bereits damals Parallelen zu dem heutiger Krebse aufwies.

Die Forschenden beschreiben in ihrer Studie mehrere Trilobitenketten der Art Ampyx priscus aus Marokko. In allen linearen Anordnungen wiesen die Vorderkörper der blinden, etwa zwei Zentimeter großen Tiere in dieselbe Richtung. Über stachelartige Fortsätze hielten sie Körperkontakt.

Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass die Trilobiten auf diese Weise gemeinsam auf dem Meeresboden wanderten. Ein ähnliches Verhalten zeigen heute lebende Langusten, die zu den Krebsen zählen.

Quelle: Scientific Reports

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