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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft29.10.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Neuartige Lichtwellen halten Spiegelmoleküle auseinander +++ Menschen verstärken die Bodenerosion seit mehr als 4.000 Jahren +++ Der Mars-Maulwurf hat wieder Probleme +++ Beim Brand des Grenfell Tower gab es offenbar "systemisches Versagen" der Feuerwehr +++ Dunkle Eierschalen halten die Wärme +++ Die Wiege der Menschheit könnte im heutigen Botsuana gestanden haben +++

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Neuartige Lichtwellen halten Spiegelmoleküle auseinander

Mithilfe von Licht lassen sich rechts- und linkshändige chirale Moleküle unterscheiden. Dabei handelt es sich um Atomverbindungen, deren Spiegelbild durch Drehung nicht mit dem Original zur Deckung gebracht werden kann. Eine Unterscheidung, welche Händigkeit vorliegt, ist für viele Anwendungen in der Chemie und Biologie wichtig. Normales Licht spricht jedoch nur schwach auf die molekulare Händigkeit an. Ein internationales Forschungsteam hat nun ein neues synthetisches chirales Licht erzeugt und zur Charakterisierung der Moleküle genutzt. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt NATURE Photonics darlegen, zeichnen diese Lichtwellen eine chirale Struktur zu jeder Zeit an jedem einzelnen Punkt im Raum. Damit können die Forschenden die Händigkeit von Molekülen eindeutig sichtbar machen. Mithilfe diese Methode könnte es möglich sein, chirale chemische Reaktionen in Echtzeit zu beobachten oder den Wechsel bei der Händigkeit von Molekülen nachzuweisen, hoffen die Studienautoren.

Quelle: NATURE Photonics | Forschungsverbund Berlin


Menschen verstärken die Bodenerosion seit mehr als 4.000 Jahren

Die Erosion von Böden verändert die Nährstoffkreisläufe, reduziert die Produktivität von Ökosystemen und wirkt sich direkt auf das Klima und die Gesellschaft aus. Ein internationales Forschungsteam hat die zeitlichen Veränderungen der Bodenerosion anhand der Sedimentablagerungen in mehr als 600 Seen weltweit analysiert. Dabei sahen sie, dass die Sedimente vor rund 4.000 Jahren global betrachtet deutlich zugenommen hatten, heißt es im Fachblatt PNAS. Gleichzeitig sank der Anteil an Pollen von Bäumen stark, was ein Hinweis für eine großflächige Entwaldung ist. Den Daten zufolge hatten die Einflüsse des Menschen, wie eine veränderte Landnutzung, die Bodenerosion schon lange vor der Industrialisierung verstärkt.

Quelle: PNAS | MPI für Biogeochemie


Der Mars-Maulwurf hat wieder Probleme

Vor knapp zwei Wochen vermeldeten Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), dass der Marsmaulwurf nach einem halben Jahr nicht mehr in 35 Zentimetern Tiefe feststeckt, sondern wieder gräbt. Der in Deutschland entwickelte Bohrroboter HP3 hatte sich demnach gut zwei Zentimeter weiter in die Tiefe bewegt. Neue Daten zeigen jedoch, dass der Maulwurf nicht wie geplant tiefer in den Marsboden eingedrungen ist, sondern sich wieder nach oben gearbeitet hat, berichtet nun das DLR. Die Forschenden wollen zunächst sicherstellen, dass die Sonde nicht vollständig umkippt. Anschließend wollen sie das Loch inspizieren, das die Sonde möglicherweise weiter vertieft hat. Ob ein erneutes Hämmern ohne Rückwärtsbewegung möglich ist, sei derzeit noch unklar, heißt es in dem InSight-Blogeintrag.

Quelle: DLR


Beim Brand des Grenfell Tower gab es offenbar "systemisches Versagen" der Feuerwehr

Zwei Jahre nach dem Brand im Londoner Hochhaus Grenfell Tower hat eine Untersuchung einem Medienbericht zufolge schwere Versäumnisse der Feuerwehr festgestellt. Der britische "Telegraph" zitiert aus dem Report einer Kommission, der morgen vorgestellt werden soll. Bei dem Brand in dem Wohnturm waren 72 Menschen ums Leben gekommen. Der Feuerwehr wird unter anderem vorgeworfen, dass sie die Bewohner noch anwies, in ihren Wohnungen zu bleiben, als das Feuer schon außer Kontrolle gewesen sei. Ohne diesen schwerwiegenden Fehler hätte es vermutlich weniger Opfer gegeben, heißt es in dem Bericht. Hauptgrund für die schnelle Ausbreitung des nächtlichen Feuers im Juni 2017 waren brennbare Baumaterialien. Als Auslöser gilt ein in Brand geratener Kühlschrank.

Quelle: BBC | Telegraph


Dunkle Eierschalen halten die Wärme

Ein amerikanisch-australisches Forschungsteam hat die Pigmentierung der Eier von mehr als 630 Vogelarten untersucht. Danach glichen die Biologen die Eierfarben mit dem geografischen Brutgebiet der jeweiligen Spezies ab. Dabei sahen die Studienautoren, dass in kühleren Klimazonen lebende Vögel im Schnitt dunklere Eier legen als jene in wärmeren Gefilden, heißt es im Fachblatt NATURE Ecology & Evolution. Demnach werden die Eier durch die dunkle Färbung im Sonnenlicht besser warmgehalten. Dies kann helfen, die Eier länger auf der für die Entwicklung des Embryos optimalen Temperatur zu halten. Vor allem Eier in Gebieten mit niedriger Temperatur und Sonneneinstrahlung sind demnach häufig stark pigmentiert; dies gilt insbesondere für Vögel, die ihre Nester offen auf dem Boden bauen.

Quelle: NATURE Ecology & Evolution


Die Wiege der Menschheit könnte im heutigen Botsuana gestanden haben

Das berichtet ein internationales Forschungsteam im Fachblatt NATURE. Die Forscherinnen hatten zusammen mit Kollegen genetische, linguistische sowie geographische Daten erhoben und für ihre Berechnungen auch Klimamodelle verwendet. Demnach soll der Ursprung des anatomisch modernen Menschen vor 200.000 Jahren im südlichen Afrika im Gebiet des heutigen Botsuana gelegen haben. Von dort aus sollen die ersten großen Wanderungen der modernen Menschheit begonnen haben. Kritiker bemängeln, dass für die genetischen Analysen Daten nur von wenigen Menschen in Afrika erhoben wurden, die aber allgemeine Aussagen über die Geschichte der ganzen Menschheit ermöglichen sollen. In Botsuana gab es zudem bisher keine wichtigen Fossilienfunde der ersten Vertreter von Homo sapiens. Die ältesten bislang bekannten Fossilien unserer Menschenart stammen aus Marokko und sind rund 300.00 Jahre alt.

Quelle: NATURE

 

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