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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft18.11.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Neue Methode, um Hundejahre in Menschenjahre umzurechnen +++ Forscher wollen Zugang zu Mobilfunkdaten +++ Neue Anwendungen für alte Medikamente +++ Wissenslücken bei Antibiotika +++ Aufräummechanismus der Zellen könnte bei Diabetes helfen +++ Dehnbares Glas

Von Piotr Heller

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Biologen schlagen eine neue Methode vor, um Hundejahre in Menschenjahre umzurechnen

Die verbreitete Faustregel lautet, dass ein Hundejahr sieben Menschenjahren entspricht. Diese Formel hat keinen wissenschaftlichen Hintergrund und so haben amerikanische Biologen sich daran gemacht, eine fundierte Umrechnungsmethode zu ermitteln.

Sie basiert auf der Theorie, dass man das biologische Alter von Menschen an kleinen Veränderungen des Erbguts ablesen kann. Die Wissenschaftler haben diese DNA-Veränderungen bei 104 Labradoren nachvollzogen und mit den menschlichen verglichen. So konnten sie ermitteln, wie viel schneller die Hunde alterten.

Sie kamen zu folgender Formel: Das Alter in Menschenjahren beträgt 16*ln(Alter des Hundes)+31 (ln ist der Natürliche Logarithmus). Ein drei Monate alter Welpe wäre demnach neun Menschenjahre alt. Ein zweijähriger Hund bereits über 40 und ein zwölf Jahre alter Vierbeiner wäre in Menschenjahre umgerechnet 70.

Quelle: Sciencemag | bioRxiv


Forscher wollen Zugang zu Mobilfunkdaten

Es geht darum, die Ausbreitung von Epidemien besser vorher zu sagen. Das Team aus Singapur, der Schweiz und den USA hat sich Dengue-Fieber-Ausbrüche angeschaut, die sich vor einigen Jahren in Singapur zugetragen hatten.

Mit verschiedenen Informationen simulierten die Forscher die Ausbreitung der Krankheit. Dabei stellten sie fest: Anhand von Mobilfunkdaten der Menschen in Singapur konnten sie die Ausbreitung am genausten nachvollziehen.

Daten von Handys wären also ein probates Mittel, um Epidemien vorherzusagen und einzudämmen, notieren die Wissenschaftler in den Scientific Reports. Allein, diese Daten befänden sich zumeist im Besitz privater Firmen. Die Gesetze, die den Zugang zu diesen Daten regeln, müssten überdacht werden, heißt es von den Forschern.

Quelle: Pressemitteilung | Scientific Reports


Ein Computerprogramm findet neue Anwendungen für alte Medikamente

Zugelassene Medikamente haben den Vorteil, dass sie bereits strenge Kontrollverfahren durchlaufen haben. Daher interessieren sich Mediziner dafür, herauszufinden, ob diese Wirkstoffe auch bei Krankheiten helfen, für die sie eigentlich gar nicht gedacht waren.

Die Suche nach solchen Stoffen haben italienische Mediziner nun anhand des Metabolischen Syndroms erforscht – einer Ansammlung von Beschwerden, die etwa zu Diabetes führen können. Die Forscher ermittelten zunächst Gene, die das Syndrom begünstigen. Dann fanden sie Strukturen im Körper, die durch diese Gene entstehen. Schließlich durchsuchten sie eine Wirkstoff-Datenbank nach Molekülen, die diese Strukturen beeinflussen.

Sie wurden fündig und konnten im Tierversuch zeigen, dass ein bereits zugelassener Wirkstoff bei dem Syndrom helfen könnte. Ihre Methode habe das Zeug, die Entwicklung von Medikamenten zu beschleunigen, schreiben die Wissenschaftler im  Fachblatt Nature Communications.

Quelle: Nature Communications


Medizinische Fachkräfte in Europa haben Wissenslücken, wenn es um Antibiotika geht

Das zeigt eine Untersuchung des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und Kontrolle. Die Experten haben 18 000 Ärzten, Apothekern und anderen Fachkräften Wissensfragen zu Antibiotika gestellt.

Nur knapp 60 Prozent konnten die sieben Fragen komplett richtig beantworten. So wussten fast alle, dass Antibiotika nicht gegen Viren wirken. Jedoch waren sich nur drei von vier Befragten bewusst, dass jede Antibiotika-Therapie das Risiko für Resistenzen erhöht – also für die Entstehung von Keimen, denen bestimmte Antibiotika nichts anhaben können.

Zudem gaben mehr als 40 Prozent an, kürzlich Antibiotika verschrieben zu haben, obwohl sie es eigentlich nicht wollten – etwa aus Angst, der Zustand des Patienten würde sich sonst verschlechtern.

Laut dem Europäischen Rechnungshof sterben jährlich rund 33 000 Menschen in der EU an Antibiotika-resistente Bakterien.

Quelle: European Centre for Disease Prevention and Control | dpa


Ein natürlicher Aufräummechanismus der Zellen könnte bei Diabetes helfen

Menschen, die an Diabetes leiten, haben oft auch Probleme mit den Blutgefäßen. Das kann zum Erblinden oder zu Nierenschäden führen.

Südkoreanische Mediziner konnten nun mit Mäusen zeigen, dass die Blutgefäße vor derartigen Schäden schützen kann, wenn man einen natürlichen Mechanismus der Zellen anregt – die so genannte Autophagozytose. Bei diesem Prozess entledigen sich die Zellen bestimmter Bestandteile, indem sie sie abbauen.

Wie die Forscher im Magazin Experimental Physiology darlegen, könnte dieser Mechanismus ein Ansatz sein, um die negativen Folgen von Diabetes abzumildern.

Quelle: Experimental Physiology


Wissenschaftler haben dehnbares Glas geschaffen

Es handelt sich um Glas aus Aluminiumoxid, das eigentlich sehr spröde ist. Das internationale Team berichtet nun aber im Magazin Science, ein solches Glas konstruiert zu haben, das bei Zimmertemperatur auf das doppelte seiner Länge gedehnt werden kann. Der Schlüssel liegt darin, dass die Struktur des Glases keine Fehler aufweist. Oxidgläser haben eine Reihe von Anwendungen, sie können etwa in Smartphones oder als Fensterscheiben zum Einsatz kommen.

Allerdings müsste für die dehnbare Variante noch ein Produktionsverfahren gefunden werden. Die Forscher haben ihr Glas lediglich im Labormaßstab hergestellt. Dafür feuerten sie mit Laserpulsen auf einen Kristall, wobei Plasma entstand, das dann extrem schnell abkühlte, sich ablagerte und das dehnbare Glas bildete.

Quelle: Science

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