Mittwoch, 11.12.2019
 
Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft20.11.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Smartphonevideos können bei der Ortung von Scharfschützen helfen +++ Darwinfinken behalten ihre Angst vor Fressfeinden +++ Ein Spray ersetzt die Klobürste +++ Hilfsgelder in Milliardenhöhe sollen der Ausrottung von Polio dienen +++ In Mittel- und Südamerika grassiert das Dengue-Fieber +++ Menschlicher Lärm ist eine der größten Umweltbelastungen für Tiere

Von Lucian Haas

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Mehr zum Thema

Erforscht, entdeckt, entwickelt Meldungen aus der Wissenschaft

Erforscht, entdeckt, entwickelt Meldungen aus der Wissenschaft

Erforscht, entdeckt, entwickelt Meldungen aus der Wissenschaft

Smartphonevideos können bei der Ortung von Scharfschützen helfen

2017 hat ein Amok-Schütze in Las Vegas von einem Hochhaus aus 58 Menschen auf offener Straße getötet und Hunderte verletzt. Forscher der Carnegie Mellon University haben jetzt eine Technik entwickelt, mit der sich die Position des Schützen allein anhand der Tonspuren von Handy-Videos so eines Vorfalls ermitteln lässt. Das System benötigt mindestens drei Videosequenzen von unterschiedlichen Standorten. Die Filme werden mittels einer Künstlichen Intelligenz zeitlich genau zueinander synchronisiert, zudem wird die Position des Handys bei der Aufnahme erkannt. Anschließend wird die Tonspur jedes Videos ausgewertet. Da sich Schall langsamer ausbreitet als Licht, sind Schüsse in den Videos leicht zeitversetzt zu hören. Anhand der Laufzeitunterschiede kann die Position eines Schützen rechnerisch auf wenige Meter genau bestimmt werden. Ein solches System könnte zwar nicht im akuten Notfall, aber bei der nachträglichen Analyse eines genauen Tathergangs dienlich sein.

Quelle: Carnegie Mellon University


Darwinfinken behalten ihre Angst vor Fressfeinden

Auf einigen Galápagos-Inseln konnten in den vergangenen Jahren einst eingeschleppte Fressfeinde von Vögeln – wie zum Beispiel Ratten und Katzen – wieder ausgerottet werden. Zoologen der University of Cambridge haben jetzt untersucht, inwieweit die auf diesen Inseln lebenden Darwinfinken daraufhin ihr Verhalten änderten. Zur Überraschung der Forscher sind die Vögel noch immer ängstlich. Sie zeigen deutlich stärkere Fluchtreaktionen als Finken von Inseln, auf denen nie Fressfeinde vorkamen. Und das, obwohl die direkte Bedrohung schon über zehn Jahre zurück liegt – was länger ist als die typische Lebenserwartung der Vögel. Offenbar werde Angstverhalten von viel komplexeren Mechanismen bestimmt als nur von der An- oder Abwesenheit von Fressfeinden, schreiben die Forscher im Journal of Animal Ecology.

Quelle: Journal of Animal Ecology


Ein Spray ersetzt die Klobürste

Weltweit werden täglich enorme Wassermengen allein dafür verbraucht, klebrige Reste an den Wänden von Kloschüsseln zu entfernen. Häufig muss dabei auch noch eine Klobürste schrubbend nachhelfen. Forscher aus den USA glauben jetzt eine Lösung für dieses Problem gefunden zu haben. Sie entwickelten eine spezielle Nano-Beschichtung für Keramikoberflächen, die diese extrem rutschig macht, sodass dort keine Exkremente mehr anhaften können. Die Beschichtung aus speziellen Polymeren kann ganz einfach aufgesprüht werden und soll, einmal eingetrocknet, erstaunlich widerstandsfähig sein. Die Rutsch-Schicht müsse laut Experimenten erst nach etwa 500 Spülungen einer Toilette neu aufgetragen werden, schreiben die Forscher im Fachmagazin Nature Sustainability. Ihr Verfahren könne helfen, nicht nur beim Spülen von WCs mit viel weniger Wasser auszukommen, sondern auch bei komplett wasserlosen Toiletten die Hygiene zu verbessern.

Quelle: Nature Sustainability


Hilfsgelder in Milliardenhöhe sollen der Ausrottung von Polio dienen

2,6 Milliarden US-Dollar wollen Geberländer und private Spender bereitstellen, um einen Plan zur Ausrottung von Polio zu finanzieren. Das hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitgeteilt. Mithilfe der Gelder sollen demnach jährlich 450 Millionen Kinder gegen Polio geimpft werden. Rund eine Milliarde US-Dollar komme allein von der Bill and Melinda Gates Foundation. Deutschland habe gut 105 Millionen US-Dollar zugesagt. Insgesamt wären laut Schätzungen 3,2 Milliarden Dollar notwendig, um Polio endgültig auszurotten, so die WHO. In den meisten Ländern der Welt gilt Polio heute schon als gebannt. Wegen mangelhafter Impfkampagnen wird das Polio-Virus aber in Pakistan und Afghanistan weiterhin übertragen. Im vergangenen Sommer führten lokale Behörden in Pakistan sogar Notimpfkampagnen durch, weil die bestätigten Polio-Fälle stark angestiegen waren. Polio, auch als Kinderlähmung bekannt, betrifft vor allem Kinder unter fünf Jahren. Fünf bis zehn Prozent der Erkrankten sterben, weil ihre Atemmuskeln nicht mehr richtig funktionieren.

Quelle: DPA


In Mittel- und Südamerika grassiert das Dengue-Fieber

Mehr als 2,8 Millionen Erkrankungen wurden von Jahresanfang bis Mitte Oktober in Mittel- und Südamerika sowie der Karibik registriert. Es gab rund 1200 Todesfälle. Das zeigt eine Statistik der Pan-Amerikanischen Gesundheitsorganisation PAHO. Nach deren Angaben handelt es sich um den bislang größten dokumentierten Ausbruch von Dengue-Fieber in der Region. Besonders hohe Fallzahlen wurden aus Belize, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Brasilien gemeldet. Kürzlich erst hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO eine starke Zunahme der Dengue-Fallzahlen in asiatischen Ländern gemeldet, vor allem auf den Philippinen. Das Dengue-Virus wird von tagaktiven Stechmücken übertragen. Derzeit gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Virus, von dem es vier verschiedene Subtypen gibt. Eine Dengue-Infektion kann Grippe-ähnliche Symptome hervorrufen. Eine erste Erkrankung verläuft häufig noch mild. Nach der Infektion ist man gegen den verursachenden Virus-Typ resistent. Bei einer Zweitinfektion mit einem anderen Virustyp treten dann häufiger Komplikationen im Krankheitsverlauf auf.

Quelle: PAHO


Menschlicher Lärm ist eine der größten Umweltbelastungen für Tiere

Das berichten Forschende der Universität von Belfast in einer Studie im Fachjournal Biology Letters. Es handelt sich um eine Meta-Analyse von mehr als einhundert Untersuchungen zu den Effekten von Lärmbelastungen bei unterschiedlichsten Tierarten – von kleinen Insekten über Vögel und Fische bis hin zu großen Säugetieren wie Walen. Im Ergebnis zeige sich, dass nicht nur einige wenige Tiere besonders geräuschempfindlich sind, sondern die Mehrheit der untersuchten Spezies auf menschengemachten Lärm negativ reagiert, so die Forscher. Der von Menschen verursachte Lärm müsse als ernste Form der Umweltverschmutzung angesehen und gesetzlich stärker reguliert werden.

Quelle: Biology Letters

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk