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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft29.11.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Telekommunikations-Kabel im Meer können als Erdbeben-Sensoren dienen +++ Korallenriffe könnten sich mit der richtigen Geräuschkulisse besser erholen +++ Rembrandt und da Vinci haben offenbar doch nicht geschielt +++ Das künftige Ressort der EU-Kommissarin Mariya Gabriel wird auch das Wort Forschung im Namen tragen +++ Angriffe erschweren den Kampf gegen Ebola im Kongo +++ Ultrakalte Moleküle reagieren langsam miteinander +++ In China gibt es mittlerweile vier bestätigte Fälle von Pest +++ Die Brände im Amazonasgebiet könnten die Andengletscher stärker schmelzen lassen

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Telekommunikations-Kabel im Meer können als Erdbeben-Sensoren dienen

Ein Forschungsteam aus den USA hat 20 Kilometer Glasfaserkabel vor der kalifornischen Küste genutzt, um seismische Aktivität am Meeresgrund zu messen. Dazu nutzten sie eine Methode namens Distributed Acoustic Sensing, bei der Laserlicht-Pulse eingesetzt werden, um kontinuierlich auch leichte Bewegungen entlang der Kabel zu registrieren. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler im Fachmagazin Science vor. Die Studie demonstriere, wie sich ein vor Jahrzehnten verlegtes Telekommunikations-Kabel in das Äquivalent von tausenden Sensoren verwandelt. Mit der Methode ließen sich seismische und meereskundliche Prozesse in bislang unerreichter Detailfülle untersuchen.

Die Autoren hoffen, irgendwann in der Zukunft das weltumspannende Glasfasernetz zu nutzen, um Erd- und Unterseebeben zu überwachen.

Die drei kalifornischen Wissenschaftler hatten ein viertägiges Zeitfenster für Wartungsarbeiten genutzt, um ihre Studie durchzuführen. In dieser Zeit kartierten sie ein bislang unbekanntes System geologischer Verwerfungen am Meeresgrund. Außerdem beobachteten sie unterschiedliche durch Gezeiten und Sturm bedingte Prozesse im Wasser über dem Kabel.

Ihre Technik hatten die Forscher zuvor mit Glasfaserkabeln an Land getestet.

Quelle: Science


Korallenriffe könnten sich mit der richtigen Geräuschkulisse besser erholen

Mit Hilfe von Lautsprechern, die Geräusche eines gesunden Riffs verbreiten, lassen sich junge Fische zu einem geschädigten Riff locken. Das legt eine Studie im Fachblatt Nature Communications nahe. Der akustische Ansatz könnte die Neubesiedlung und Wiederherstellung degradierter Riffe unterstützen, argumentiert das britisch-australische Forschungsteam.

Die Wissenschaftler hatten über sechs Wochen Bereiche mit abgestorbenen Korallen im australischen Great Barrier Reef untersucht. Wenn sie an solchen Orten  Unterwasserlautsprecher installierten, die die Geräuschkulisse eines gesunden Riffs aussendeten, fanden sich im Vergleich zu unbeschallten Stellen doppelt so viele Fische und 50 Prozent mehr Arten ein – und blieben. Das Anwachsen der Fischpopulation könne wiederum dabei helfen, dass sich andere natürliche Prozesse im Riff erholen, so die Autoren.

Das Knistern schnappender Garnelen und das Rufen und Grunzen von Fischen machen gesunde Riffe zu erstaunlich lauten Orten. Junge Fische orientieren sich an dieser Klanglandschaft, wenn sie einen geeigneten Lebensraum suchen.

Quelle: Nature Communications


Rembrandt und da Vinci haben offenbar doch nicht geschielt

Auf Selbstporträts der beiden Künstler hat es den Anschein, als ob ihr eines Auge nach außen blickt – sie also schielen. Jetzt argumentieren zwei Forscher aus Baltimore im medizinischen Fachblatt JAMA Ophthalmology gegen diese Diagnose. Ihrer Analyse nach ist es wahrscheinlicher, dass Rembrandt und da Vinci ein sogenanntes dominantes Auge hatten. Dessen Informationen werden im Gehirn bevorzugt verarbeitet. Dadurch hätten die Maler beim Blick in den Spiegel nur subjektiv den Eindruck gehabt, dass das nicht-dominante Auge nach außen gerichtet ist – und hätten diese Sichtweise auf ihre Selbstporträts übertragen.

In einer vor etwa einem Jahr publizierten Studie im selben Fachmagazin hatte ein Wissenschaftler noch die Vermutung geäußert, Leonardo da Vinci habe geschielt. Diese Eigenschaft habe dem Künstler eventuell dabei geholfen, dreidimensionale Objekte realitätsnah auf die Leinwand zu bringen, heißt es in der damaligen Studie.

Quelle: JAMA Opthalmology


Das künftige Ressort der EU-Kommissarin Mariya Gabriel wird auch das Wort Forschung im Namen tragen

Ursprünglich war dafür der Name "Innovation und Jugend" vorgesehen. Dagegen hatte sich Widerstand in der Wissenschaftsgemeinschaft geregt, unter anderem von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und dem Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland. Die Sorge: Die einseitige Konzentration auf den Begriff Innovation würde die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Forschung überbetonen und die Grundlagenforschung diskreditieren. Diese Argumentation hat offenbar überzeugt. In ihrer Rede vor dem Europäischen Parlament zur Vorstellung ihres Programms und der EU-Kommissare sagte die gewählte EU-Präsidentin Ursula von der Leyen in dieser Woche, dass das künftige Ressort in "Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend" umbenannt wird.

Quelle: DPG


Angriffe erschweren den Kampf gegen Ebola im Kongo

Bei zwei Attacken auf Hilfspersonal im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind vier Menschen getötet und mindestens fünf weitere verletzt worden. Das meldet die Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO. Bei den Todesopfern handele es sich um ein Mitglied eines Impfungsteams, zwei Fahrer und einen Polizisten. Unter den Verletzten befinden sich demnach ein WHO-Mitarbeiter und mehrere Personen, die für das kongolesische Gesundheitsministerium arbeiten. Als Folge musste die Organisation ihren Einsatz in der Region um Biakato Mines unterbrechen.

WHO-Angaben zufolge ist die Zahl der Ebola-Fälle zwar in letzter Zeit zurückgegangen. Durch die Angriffe werde die Epidemie aber wieder erstarken, so die Befürchtung.

Im Ost-Kongo sind etliche Milizen aktiv. Sie greifen immer wieder Zivilisten und auch Ebola-Helfer an.

Die Ebola-Epidemie grassiert seit mehr als einem Jahr im Ost-Kongo. Bislang haben sich nach Angaben der kongolesischen Behörden mehr als 3300 Menschen infiziert und fast 2200 Menschen sind gestorben. Die WHO hat nach eigenen Angaben 800 Mitarbeiter im Land.

Quellen: WHO, DPA


Ultrakalte Moleküle reagieren langsam miteinander

Ein Forschungsteam aus Harvard und Paris hat die Reaktion zweier Kalium-Rubidium-Moleküle unter Bedingungen nahe dem absoluten Nullpunkt von etwa minus 273 Grad Celsius beobachtet. Durch die extreme Kälte verlangsamte sich das Lösen alter und das Bilden neuer Bindungen dabei so stark, dass die Wissenschaftler die Zwischenphase bei der Entstehung reiner Kalium- und Rubidium-Moleküle erstmals detailliert untersuchen konnten. Die Studie ist im Fachmagazin Science erschienen.

Mit der Methode könnten die Forscher künftig Theorien überprüfen, die bislang vorhergesagt haben, wie sich neue Moleküle bilden.

Die Forscher haben für ihre Studie auf die Laser-basierten Methoden Massen-Spektrometrie und Photoelektronen-Spektroskopie zurückgegriffen.

Quelle: Science


In China gibt es mittlerweile vier bestätigte Fälle von Pest

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, erkrankte ein Hirte in der Inneren Mongolei an Beulenpest und wird in einem Krankenhaus behandelt. Bereits Mitte November war in der nordchinesischen Region ein Mann an der Beulenpest erkrankt. Davor meldeten die Behörden zwei Patienten mit Lungenpest, die ebenfalls aus der Inneren Mongolei stammten, aber in der Hauptstadt Peking behandelt wurden.

In China kommt es immer wieder vereinzelt zu Infektionen mit Pest-Erregern. Von 2009 bis September 2019 erkrankten staatlichen Medien zufolge 27 Menschen an verschiedenen Formen der Pest – 12 von ihnen starben.

Ausgelöst wird eine Pesterkrankung durch das Bakterium Yersinia pestis. Bei der Beulenpest wird es normalerweise von Ratten über Flöhe auf Menschen übertragen. Die schwerer verlaufende Lungenpest verbreitet sich dagegen durch Tröpfcheninfektion.

Quelle: DPA


Die Brände im Amazonasgebiet könnten die Andengletscher stärker schmelzen lassen

Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam im Fachmagazin Scientific Reports. Die Wissenschaftler haben modelliert, wie sich Feuer im Amazonasbecken auf den Zongo-Gletscher in den bolivianischen Anden auswirken. Dafür nutzten sie Daten zu Bränden, Bewegungen von Rauchwolken, Niederschlag und Gletscherschmelze, die zwischen 2000 und 2016 gesammelt worden waren. Das Ergebnis: Bei Bränden entstehende Aerosole wie Ruß können vom Wind bis zu den benachbarten Gletschern transportiert werden. Lagern sie sich dort auf dem Schnee ab, vermindern sie die Reflexion von Sonnenlicht und fördern so das Abschmelzen.

Das Modell zeigte, dass Rußpartikel die jährliche Gletscherschmelze um drei bis vier Prozent erhöhen können. Wurden zusätzlich Staubablagerungen auf dem Gletscher eingerechnet, erhöhte sich der Wert noch einmal deutlich.

Die Autoren warnen, dass steigender globaler Nahrungsbedarf zu einer weiteren Expansion der Agrarflächen im Amazonasgebiet und dadurch auch zum stärkeren Abschmelzen der Gletscher führen könnte.

Das Rückstrahlvermögen einer reflektierenden Gletscheroberfläche wird auch als Albedo bezeichnet.

Quelle: Scientific Reports

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