Donnerstag, 02.04.2020
 
Seit 11:35 Uhr Der Vormittag
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft06.12.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Ein Fossilfund gibt neue Einblicke in die Evolution des Säugetierohrs +++ Die Zahl der Angriffe von Wölfen auf Nutztiere ist gestiegen +++ An Bord der ISS soll bald ein Experiment zum Bierbrauen stattfinden +++ Fledermäuse können von Waldbränden profitieren +++ Evolution wiederholt sich +++ Die Zahl der Masernfälle ist deutlich gestiegen

Von Lennart Pyritz

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Ein Fossilfund gibt neue Einblicke in die Evolution des Säugetierohrs

Heutige Säugetiere haben drei Gehörknöchelchen im Mittelohr, die Schwingungen an das Innenohr weiterleiten. In der frühen Entwicklungsgeschichte waren diese Knöchelchen Teil des Kiefers, der bei unseren Vorfahren mit Kauen und Hören also eine doppelte Funktion hatte. Ihre Loslösung war die Voraussetzung für bessere Hörleistungen moderner Säugetiere. Jetzt präsentiert ein chinesisches Forschungsteam im Fachblatt Science das Fossil einer bislang unbekannten Säugetier-Spezies aus der Kreidezeit, die eine Zwischenstufe dieser Entwicklung darstellt. Bei ihr liegen Kiefergelenk und die Gehörapparat noch in unmittelbarer Nähe, haben aber keinen direkten Kontakt mehr.  

Die Überreste der neuen Art namens Origolestes lii wurden in einer Ausgrabungsstätte im Nordosten Chinas gefunden.

Sie wurden mit Hilfe von hochauflösender Computertomografie und anderen bildgebenden Verfahren untersucht.

Quelle: Science


Die Zahl der Angriffe von Wölfen auf Nutztiere ist gestiegen

Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, kurz DBBW, knapp 650 gemeldete Übergriffe von Wölfen mit getöteten, verletzten oder vermissten Nutztieren. Der Großteil davon waren Schafe. Die meisten Übergriffe gab es in Brandenburg und Niedersachsen. 2017 lag die Zahl für Deutschland um etwa 35 Prozent niedriger.

Das Bundesumweltministerium verwies gestern auf einen Gesetzentwurf, mit dem sich derzeit der Bundestag beschäftigt. Demzufolge sollen Wölfe unter anderem leichter geschossen werden können, wenn sie Schafe und andere Nutztiere reißen – auch wenn nicht klar ist, welcher Wolf die Tiere angegriffen hat. Die Länderbehörden müssen allerdings jeden Abschuss einzeln genehmigen. Was verboten bleibt, ist das vorsorgliche Töten von Wölfen, ohne dass es einen Angriff auf Nutztiere gab.

In Deutschland leben mittlerweile 105 Wolfsrudel. Dazu kommen 25 Paare und 13 Einzeltiere. Die meisten der Tiere leben in Ost- und Norddeutschland. Einen bestätigten Angriff eines Wolfs auf einen Menschen in Deutschland gab es seit der Rückkehr der Tiere nicht.

Quellen: DPA, DBBW


An Bord der ISS soll bald ein Experiment zum Bierbrauen stattfinden

Derzeit befindet sich ein Dragon-Frachter auf dem Weg zur Internationalen Raumstation. Das unbemannte Raumschiff hat mehr als 2500 Kilogramm Nachschub und Materialien für wissenschaftliche Experimente an Bord – darunter auch ein Bierbrau-Experiment. Damit soll getestet werden, wie Gerste bei Schwerelosigkeit gemälzt werden kann. Die Forschenden erhoffen sich davon Erkenntnisse darüber, wie Astronautinnen und Astronauten künftig bei längeren Flügen im All verpflegt werden können.

Am Sonntag soll der Dragon-Frachter an der ISS ankommen. Es handelt sich um den 19. Versorgungsflug des vom privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX entwickelten und betriebenen Raumschiffs.

Quellen: DPA, SpaceX


Fledermäuse können von Waldbränden profitieren

Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam im Fachmagazin Scientific Reports nach Beobachtungen in Nadelwäldern der Sierra Nevada. Der Studie zufolge haben die Populationen der Tiere insgesamt den größten Nutzen von mittelschweren Flächenbränden mit unterschiedlich stark verbrannten Arealen. Der Grund: Das Feuer macht den Lebensraum der Fledermäuse vielfältiger. Es schafft Raum zur Jagd auf Insekten und Totholz, das einige Arten als Unterschlupf nutzen. Jahrzehntelange Brandbekämpfung habe untypisch dichte Wälder geschaffen, so einer der Autoren. Die Studie unterstützt damit die Praxis der kontrollierten Waldbrände, bei denen etwa durch Blitze verursachte Brände in abgelegenen Gebieten der Sierra Nevada brennen dürfen.

Die Forscher hatten den Effekt von Flächenbränden auf Fledermaus-Populationen in der Sierra Nevada zwischen 2014 und 2017 mit Hilfe von Ultraschall-Aufnahmen untersucht. In Gebieten ohne Brände konnten sie acht Spezies nachweisen. In solchen mit mittleren bis schweren Bränden dagegen elf. Von zunehmender Stärke der Brände profitierten offenbar sechs der 17 im Gebiet vorkommenden Arten, darunter die Große Braune Fledermaus, eine Spezies der Mausohren und die Mexikanische Bulldoggfledermaus.

Quelle: Scientific Reports


Evolution wiederholt sich

Im Lauf des Erdmittelalters vor etwa 250 bis 66 Millionen Jahren entwickelten sich viele Male pflanzenfressende Dinosaurier. Zwar kauten und verwerteten diese ihre Kost nicht alle gleich und zeigten eine große Vielfalt an Körperformen. Ein Forschungsteam konnte jetzt aber zwei grundlegende Merkmalskombinationen nachweisen, die mehrfach und unabhängig voneinander entstanden sind – auch bei nicht verwandten Spezies. Das jeweilige Funktionsmuster hing wiederum damit zusammen, ob die Dinosaurier die Pflanzen im Darm oder im Mund aufschlossen.

Straußenartige Ornithomimosaurier und die riesigen Titanosaurier, die ihre Nahrung im Darm verarbeiteten, hatten demnach längliche Schädel und eine geringere Bisskraft. Triceratops und die Vogelfußdinosaurier, die Pflanzen bereits stark im Mund zerkleinerten, kennzeichneten dagegen mächtige Kiefer und Mahlzähne.

Die Wissenschaftler hatten insgesamt 160 Schädel von Dinosauriern untersucht. Ihre Studie ist im Fachmagazin Current Biology erschienen.

Quelle: Current Biology


Die Zahl der Masernfälle ist deutlich gestiegen

Ungefähr 140.000 Menschen sind Schätzungen der Weltgesundheits-Organisation zufolge im vergangenen Jahr an der hochansteckenden Krankheit gestorben. Die meisten davon waren Kinder unter fünf Jahren. Zwar ist die Zahl der Todesopfer im Langzeit-Vergleich gesunken. Seit Kurzem steigt sie jedoch wieder. So gab es 2018 den WHO-Schätzungen zufolge rund 16.000 Masern-Tote mehr als 2017. Auch die Zahl der Infektionen nahm zu.

Da in vielen Ländern keine Meldepflicht besteht, wird laut WHO nur ein Bruchteil der Masernfälle bekannt. Besonders betroffen von der Infektionskrankheit sind derzeit die Demokratische Republik Kongo, Liberia, Madagaskar, Somalia und die Ukraine.

Vielerorts bestehen Probleme mit dem Impfen. Die WHO schätzt, dass 86 Prozent der Kinder eine erste Impfung erhalten, nur rund 70 Prozent dann aber die empfohlene zweite Dosis. Nach WHO-Angaben ist eine Impfrate von 95 Prozent mit zwei Dosen in jedem Land nötig, um die Bevölkerung zu schützen.

In Deutschland wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Januar bis Ende November 501 Masern-Fälle gezählt, etwas weniger als 2018 im selben Zeitraum. Zum 1. März 2020 soll hierzulande ein Gesetz für eine Impfpflicht in Kraft treten.

Quellen: DPA, WHO, RKI

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk