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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft12.12.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

In Deutschland werden lokale Begriffe seltener +++ Die Reflektionen von GPS-Signalen könnten Wettervorhersagen verbessern +++ Die Sprache könnte deutlich früher entstanden sein als bisher vermutet +++ Dickere Haare sind nicht unbedingt reißfester als dünne +++ Ein 35 Millionen Jahre altes Wal-Skelett zeigt den Übergang vom schwimmenden Landtier zum Dauerschwimmer

von Magdalena Schmude

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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In Deutschland werden lokale Begriffe seltener

Bezeichnungen wie "pöhlen" oder "bäbbeln" für Fußballspielen verschwinden genauso wie die lokalen Begriffe "Kloß" oder "Fleischküchle" , die von regionalen Bezeichnungen wie "Bulette" oder "Frikadelle" verdrängt werden. Auch die Angabe der Uhrzeit gleicht sich an. So sagen immer mehr Menschen "viertel nach zehn" statt "viertel elf", wenn es fünfzehn Minuten nach zehn ist. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Linguisten aus Bern, Zürich und Salzburg, die in der Fachzeitschrift PLOS ONE erschienen ist.

Der Trend zur Verwendung von weiter verbreiteten, regionalen Begriffen hat laut der Studienautoren auch mit der zunehmenden Mobilität der Menschen zu tun. Wer verstanden werden will, passt sich an.

Für ihre Untersuchung hatten die Wissenschaftler über 770.000 Menschen mit einem Online-Quiz dazu befragt, welche Ausdrücke sie für bestimmte Dinge nutzen. Anschließend verglichen die Forschenden die Ergebnisse mit entsprechenden Daten aus den 1970er Jahren.

Quelle: PLOS ONE


Die Reflektionen von GPS-Signalen könnten Wettervorhersagen verbessern

Zwei Mikrosatelliten des US-Unternehmens Spire Global, die gestern ins All geschossen wurden, sammeln GPS-Signale, die von der Erdoberfläche ins All zurückgeworfen wurden. Das hat ein Mitarbeiter des Unternehmens gestern auf einer Konferenz in San Francisco mitgeteilt.

Da die GPS-Signale eine größere Wellenlänge haben als Mikrowellen, die von Wettersatelliten üblicherweise verwendet werden, können sie auch dichtere Wolkenschichten und starke Niederschläge durchdringen. Das ermöglicht es, die Windgeschwindigkeiten von Stürmen zu vermessen und damit die Vorhersagen zu verbessern.

Laut den Angaben der Firma können auf diese Weise außerdem Informationen über die Feuchtigkeit von Böden und die Eisdecke der Meere aufgenommen werden.

Quelle: Sciencemag.org


Die Sprache könnte deutlich früher entstanden sein als bisher vermutet

Bisher galt ein tief sitzender Kehlkopf als anatomische Voraussetzung für die Fähigkeit, komplexe Sprachlaute zu erzeugen. Und weil Affen einen höher sitzenden Kehlkopf haben, wurde lange angenommen, sie wären dazu nicht in der Lage. Damit wäre die Sprache erst vor 200.000 Jahren entstanden, als sich die Kehlkopfposition veränderte. Ein internationales Forschungsteam hat jetzt in einer Übersichtsarbeit für das Fachjournal Science Advances die Sprachforschung der letzten 50 Jahre ausgewertet und kommt zu einem anderen Schluss. Denn Röntgenaufnahmen des Vokaltrakts von Makaken zeigen, dass die Tiere theoretisch durchaus in der Lage wären, tausende unterschiedliche Wörter zu bilden. Statt einer anatomischen Blockade sei demnach vielmehr die geistige Entwicklung der limitierende Faktor für die Fähigkeit zu sprechen, schlussfolgern die Wissenschaftler.

Ihr Fazit hat auch Folgen für die Frage, wann die Sprache frühestens entstanden sein könnte. Denn durch die neuen Erkenntnisse dehnt sich der Zeitraum dafür von 200.000 auf bis zu 20 Millionen Jahre aus.

Quelle: Science Advances


Dickere Haare sind nicht unbedingt reißfester als dünne

Das Haar von Elefanten ist zwar vier Mal dicker als menschliches Haar, aber nur halb so zugfest. Ähnlich sieht auch das Verhältnis von dickerem Haar von Wildschweinen oder Giraffen zu dünnerem Haar von Bären oder Pferden aus. Und selbst dickeres Haar von Erwachsenen ist dünnem Kinderhaar in Punkto Reißfestigkeit unterlegen. Woran das liegt, berichten Forschende aus den USA in der Fachzeitschrift Matter.

Sie konnten zeigen, dass Haare, die dicker als 200 Mikrometer sind, anders reißen als dünnere Haare. Das hat Einfluss auf ihre Stabilität. Während bei dicken Haaren saubere Bruchflächen entstehen, wie zum Beispiel bei einer Banane, die in der Mitte durchbricht, scheren dünnere Haare auseinander. Dabei bilden sich zuerst zickzack-förmige Risse. Erst wenn diese Risse zusammentreffen, reißt die gesamte Faser, ähnlich wie bei einem Ast, der vom Wind abgeknickt wird.

Materialien die Auseinanderscheren statt zu reißen, halten generell größerer Spannung stand.

Quelle: Matter


Ein 35 Millionen Jahre altes Wal-Skelett zeigt den Übergang vom schwimmenden Landtier zum Dauerschwimmer

Das Fossil wurde schon im Jahr 2007 in der ägyptischen Wüste gefunden. Es nimmt anatomisch eine Mittelstellung zwischen den an Land lebenden Vorfahren der Wale und den modernen Walen ein, wie Forschende aus den USA im Fachmagazin PLOS ONE beschreiben.

Die neue Walart konnte sich im Wasser durch Wellenbewegungen ihres Körpers fortbewegen und war damit, anders als die schwimmenden Landtiere damals, nicht mehr auf Bewegungen der Beine angewiesen. Das zeigen Veränderungen an der fossilen Wirbelsäure, die stabiler ist als die ihrer Vorfahren. Die Hinterbeine sind dafür kleiner und nicht mehr fest mit dem Rückgrat verbunden.

Auch der verlängerte Körper und Schwanz zeigen die Entwicklung zum Schwimmer an. Moderne Wale nutzen vor allem die Bewegungen ihrer Schwanzflosse, um sich im Wasser fortzubewegen.

Quelle: PLOS ONE

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