Mittwoch, 02.12.2020
 
Seit 14:00 Uhr Nachrichten
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft27.12.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

El Niño-Ereignisse könnten sich in Zukunft besser vorhersagen lassen +++ Eiweiße in den Beinen schützen Mücken vor Insektengiften +++ Die Menschen der Eisenzeit waren bereits sehr mobil, wenn es ums Feiern ging +++ China meldet den erfolgreichen Einsatz einer Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 5 +++ Eisbären und Koalas ist es 2019 besonders schlecht ergangen +++ Auch Schimpansen haben offenbar Rhythmus im Blut

Von Lennart Pyritz

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

El Niño-Ereignisse könnten sich in Zukunft besser vorhersagen lassen

Das Klimaphänomen tritt alle paar Jahre um die Weihnachtszeit in heftiger Form auf und geht mit erhöhten Meerestemperaturen vor der südamerikanischen Westküste einher. Ursache sind veränderte Windzirkulation und Meeresströmungen. Das Phänomen kann zum Massensterben von Meereslebewesen und weltweit zu Wetterextremen führen.

Ob ein heftiger El Niño naht, lässt sich durch Messungen von Anomalien der Meeresoberflächentemperatur bislang etwa ein halbes Jahr im Voraus abschätzen. Im Fachblatt PNAS präsentiert ein Forschungsteam jetzt einen neuen Ansatz, mit dem sich die Schwere eines El Niño doppelt so früh vorhersagen lässt. Grundlage dafür ist die Komplexität räumlich-zeitlicher Temperaturschwankungen von Luft und Wasser im östlichen Pazifik. Die Berechnungen der Wissenschaftler zeigten: Das Maß dieser Komplexität korreliert mit der Stärke des El Niño-Effekts im darauffolgenden Jahr.

Auf dieser Grundlage entwickelten die Forscher ein Prognosemodell, das El Niño-Ereignisse zwischen 1984 und 2018 zuverlässig vorhersagte. Eine frühere Vorhersage könnte betroffenen Regionen helfen, sich besser auf das Klimaphänomen einzustellen und so Schäden zu minimieren.

Quelle: PNAS


Eiweiße in den Beinen schützen Mücken vor Insektengiften

Moskitos der Art Anopheles gambiae zählen zu den Hauptüberträgern von Malaria in Westafrika. Ein Forschungsteam aus Griechenland und Großbritannien hat bei diesen Insekten jetzt einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt, der die Mücken resistent gegen Pyrethroide macht. Dabei handelt es sich um eine Klasse synthetischer Insektizide, die oft zum Imprägnieren von Moskitonetzen verwendet wird.

Die Studie im Fachmagazin Nature zeigt, dass bei den unempfindlichen Tieren bestimmte Eiweiße namens SAP2 in den Beinen gehäuft auftreten. Zudem erhöht offenbar der Kontakt mit den Giften die Protein-Menge in den Beinen weiter. Wurden die Gene für die schützenden Eiweiße dagegen ausgeschaltet, zeigten sich die Mücken wieder anfällig für die Insektengifte und starben.

Die Forschenden hoffen, ihre Erkenntnisse nutzen zu können, um neue Substanzen zum Schutz vor resistent gewordenen Moskitos zu entwickeln.

Quelle: Nature


Die Menschen der Eisenzeit waren bereits sehr mobil, wenn es ums Feiern ging

Bereits vor mehr als 2000 Jahren haben Menschen in Irland ihr Vieh über weite Strecken transportiert, um an feierlichen Zusammenkünften teilzunehmen. Darauf weisen Ausgrabungen in Navan Fort hin – ein Ort, der früher vermutlich die Hauptstadt der nordirischen Region Ulster war. Für die Studie im Fachblatt Scientific Reports haben Forschende sterbliche Überreste von 35 Tieren analysiert, darunter Schweine, Schafe und Rinder. Die Untersuchungen zeigen: Das Vieh wurde mitunter aus weit entfernten Regionen in Irland herbeigeschafft, zum Beispiel aus dem mehr als 150 Kilometer entfernten Galway.

In Navan Fort wurden besonders viele Überreste von Schweinen gefunden, die in der frühen irischen Literatur als bevorzugtes Festessen gelten. Das weise darauf hin, dass Navan Fort ein zeremonielles Festzentrum war, so die Autoren.

Um die Herkunft der Nutztiere zu rekonstruieren, hatten die Forschenden Isotopenanalysen anhand von Zahnproben durchgeführt.

Quelle: Scientific Reports


China meldet den erfolgreichen Einsatz einer Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 5

Der Start erfolgte heute um 13:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom neuen Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan. 33 Minuten später setzte die Rakete planmäßig den modernsten und mit acht Tonnen bisher schwersten chinesischen Kommunikationssatelliten in der Umlaufbahn aus, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet.

Es ist das dritte Mal, dass China seine schwere Trägerrakete Richtung All entsendet. Beim ersten Flug 2016 gab es Probleme mit dem Triebwerk. Der zweite Start 2017 war ein Fehlschlag – die Rakete stürzte ins Meer. Die Flugkörper sind ein wichtiger Bestandteil des chinesischen Raumfahrt-Programms. Von ihnen hängt ab, ob künftige chinesische Missionen zum Mond, Mars und zum Bau einer Raumstation wie geplant stattfinden können.

Die "Langer Marsch 5" ist eine der tragfähigsten Raketen der Welt und wird mit der amerikanischen "Falcon 9", der europäischen "Ariane 5" oder Russlands "Proton-M" verglichen. China will auch in der Raumfahrt eine Großmacht werden. Neben einer unbemannten Mars-Mission im Jahr 2020 ist auch eine bemannte Mission auf den Mond geplant. Der Aufbau einer eigenen Raumstation soll bis 2022 stattfinden.

Quellen: DPA, AFPD, Xinhua


Eisbären und Koalas ist es 2019 besonders schlecht ergangen

Diese Einschätzung liefert die Umweltstiftung WWF in einer heute veröffentlichten Liste. Demnach könnte insgesamt ein Drittel der globalen Eisbär-Population bis 2050 verschwinden. Schuld daran sei vor allem die Klimakrise. Koalas wiederum seien besonders stark durch die Brände in Australien betroffen gewesen: Seit Oktober seien mehr als 2000 der Tiere verbrannt, ebenso große Flächen an Eukalyptuswäldern, die Lebensraum und Nahrungsgrundlage der Koalas darstellen. Insgesamt sei derzeit das "größte Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier" im Gange, warnte die Umweltstiftung. Grundlage der WWF-Liste sind unter anderem Daten der Weltnaturschutzunion IUCN.

Der WWF listet allerdings auch einige Gewinner aus dem Tierreich für das Jahr 2019 auf. Goldschakale besiedelten zum Beispiel zunehmend Gebiete in Mitteleuropa – laut Umweltstiftung eine Konsequenz der Erderhitzung aber auch Beleg für die enorme Anpassungsfähigkeit der Tiere.

Zudem wurde im November erstmals nach 30 Jahren wieder ein Vietnam-Kantschil gesichtet. Das Huftier aus der Familie der Hirschferkel war im Osten Vietnams in eine Kamerafalle getappt. Der letzte bekannte Artgenosse des Tieres war im Jahr 1990 von einem Jäger erschossen worden.

Quellen: WWF, DPA


Auch Schimpansen haben offenbar Rhythmus im Blut

Zumindest beschreibt ein japanisches Forschungsteam im Fachmagazin PNAS, dass sich die Tiere rhythmisch zu Musik bewegen können. Die Wissenschaftler hatten sieben Schimpansen jeweils einzeln an mehreren Tagen Klaviermusik vorgespielt. Alle Tiere reagierten darauf mit Tanzelementen, etwa dem Wiegen des Körpers, Stampfen oder Klatschen. Möglicherweise sei der Ursprung des Tanzens ein sehr altes Verhalten, das schon beim gemeinsamen Vorfahr von Mensch und Schimpanse vor etwa sechs Millionen Jahren vorhanden gewesen sei, schlussfolgern die Forscher.

Bei ihren Experimenten achteten sie darauf, dass die Affen möglichst freiwillig teilnahmen. Denn auch Stress könne bei Tieren zu rhythmischen Bewegungen führen. Belohnungen bekamen die Affen nicht.

Auch bei anderen Tieren wurden bereits rhythmische Bewegungen zu Musik beobachtet, darunter Kakadus, Seelöwen und Bonobos.

Bei Menschen zeigen bereits Kleinkinder Tanzverhalten. Neurobiologische Untersuchungen beim Menschen ergaben eine enge Verbindung zwischen jener Gehirnregion, die für die Verarbeitung akustischer Signale verantwortlich ist, und dem Areal, das Bewegungen steuert.

Quelle: PNAS

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk