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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft08.01.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Eine riesige Gaswelle durchzieht die Milchstraße +++ Fliegende Tiere haben eine leichte Darmflora +++ Hirneiweiß übersteht Jahrtausende +++ Das Weltraumteleskop TESS beobachtet ungewöhnliche Planeten- und Stern-Konstellationen +++ 2019 war das bisher zweitwärmste Jahr +++ Australiens Brände wirken sich bis nach Südamerika aus

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Eine riesige Gaswelle durchzieht die Milchstraße

Ein internationales Team von Astronomen hat eine riesige, gashaltige Struktur entdeckt. Sie windet sich über Billiarden Kilometer hinweg wellenartig über und unter der galaktischen Scheibe der Milchstraße. Die sogenannte Radcliff-Welle gilt als Geburtsort neuer Sterne. An ihrem nächsten Punkt ist die Radcliff-Welle nur 500 Lichtjahre von unserer Sonne entfernt. Bemerkenswert ist diese Entdeckung auch, weil sie eine seit 150 Jahren vorherrschende Vorstellung über die Verteilung von Stern-Entstehungsgebieten in der Milchstraße überholt. Bisher waren Astronomen von einer ringförmigen Struktur ausgegangen, dem Gouldschen Gürtel. Den neuen Erkenntnissen nach gehören aber Teile von dem, was man bisher als Gürtel ansah, zu der weitaus größeren Welle. Auf die Radcliff-Welle stießen die Forscher, als sie Daten der Gaia-Raumsonde der ESA mit weiteren Messungen kombinierten, um eine detaillierte 3D-Karte der interstellaren Materie in der Milchstraße zu erstellen. Die zugehörige Studie ist im Fachmagazin Nature erschienen.

Quelle: Nature


Fliegende Tiere haben eine leichte Darmflora

Das Mikrobiom, das sind die Bakteriengemeinschaften, die vor allem im Darm von höheren Organismen vorkommen. Ein US-Forscherteam hat jetzt bei Vergleichen der Mikrobiom-Struktur von Hunderten von Wirbeltieren eine unerwartete Entdeckung gemacht: Vögel und Fledermäuse sind zwar nicht miteinander verwandt. Doch ihre Darmflora folgt einem ganz ähnlichen Grundmuster. Im Vergleich zu anderen Wirbeltieren besitzen sie auffallend wenige Mikroben im Darm. Zudem ist auch die Zusammensetzung der Bakterienarten ungewöhnlich. Die Wissenschaftler vermuten, dass dies eine evolutorische Anpassung ist an die Fähigkeit zu fliegen. Eine schlanke Darmflora bedeutet weniger Gewicht, was das Fliegen wiederum leichter macht. Für ihre Studie, erschienen im Fachmagazin mBio, bestimmten die Forscher mittels Genanalysen die Bakteriengehalte in Kotproben von rund 900 Tierarten.

Quelle: mBio


Hirneiweiß übersteht Jahrtausende

Wenn Menschen sterben und begraben werden, gehören Hirnstrukturen normalerweise zu den ersten Geweben, die abgebaut werden. Doch unter bestimmten Bedingungen kann es offenbar auch anders kommen. Britische Forscher haben in den Überresten des Schädels eines vor 2600 Jahren enthaupteten Mannes noch Überreste von Hirnstrukturen mit intakten Proteinen gefunden. Es handelt sich um Strukturproteine, die normalerweise das Gerüst für Neuronen bilden. In dem untersuchten Fall waren diese Proteine stark verklumpt, was vermutlich ihren Abbau verhinderte. Allerdings gleichen diese Proteinaggregate nicht den Strukturen, die heute mit Hirnkrankheiten wie Alzheimer in Verbindung gebracht werden. Die Forscher berichten von ihrem Fund im Journal of the Royal Society Interface.

Quelle: Journal of the Royal Society Interface 


Das Weltraumteleskop TESS beobachtet ungewöhnliche Planeten- und Stern-Konstellationen

TESS war im April 2018 gestartet, mit der Mission, lebensfreundliche Exoplaneten um andere Sterne nachzuweisen. Beim Jahreskongress der American Astronomical Society in Honolulu wurden jetzt gleich eine Reihe erster, interessanter Ergebnisse vorgestellt. Darunter ist TOI-700 d. So tauften Planetenjäger der NASA einen Exoplaneten, der erdähnliche Dimensionen besitzt und sich in der sogenannten habitablen, also lebensfreundlichen Zone eines Sterns befindet – rund 100 Lichtjahre von unserer Sonne entfernt. Daneben lieferten die TESS-Daten auch Nachweise für den ersten bekannten Exoplanten, der einen Doppelstern umkreist. Zudem beobachtete das Teleskop einen weiteren Doppelstern, bei dem sich die beiden Sonnen von der Erde aus betrachtet immer wieder gegenseitig verdunkeln – wie bei einer Sonnenfinsternis.

Quelle: NASA / TESS-Mission


2019 war das bisher zweitwärmste Jahr

Und zwar global betrachtet seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das hat der europäische Copernicus Klimawandeldienst bekannt gegeben. Damit gehören nun die letzten fünf Jahre zu den fünf wärmsten überhaupt; und auch die Dekade von 2010 bis 2019 ist die bislang wärmste. Die globale Durchschnittstemperatur lag 2019 nur um 0,04 Grad Celsius unter der des Rekordjahres 2016. Das bedeutet auch, es war knapp 0,6 Grad Celsius wärmer als im globalen Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Europa erlebte 2019 sogar sein bislang wärmstes aufgezeichnetes Kalenderjahr.

Quelle: Copernicus C3S


Australiens Brände wirken sich bis nach Südamerika aus

Die Rauchfahne der Buschbrände in Australien hat mittlerweile den Südpazifik überquert und macht sich über Südamerika bemerkbar – bis zu 12.000 Kilometer vom Ursprung entfernt. Über Teilen Chiles und Argentiniens erscheint der Himmel durch die Rauchpartikel ergraut, wie Wetterdienste der Länder berichten. Auch wirken die Sonnenuntergänge rötlicher als sonst. Da die Rauchfahne sich auf rund 5000 Metern Höhe befindet, geht von ihr aber nach Einschätzung der Meteorologen keine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung aus. Seit Beginn der großen Feuer im Oktober brannten in Australien bereits rund 110.000 Quadratkilometer Land nieder. Das entspricht etwa der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen.

Quelle: Agenturen

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