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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft15.01.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Sex beeinflusst die Menopause +++ Die Zersiedelung der Welt nimmt zu +++ Ein Hirn-Parasit macht angstfrei +++ Schizophrenie führt zum Verlust von Synapsen +++ Astronomen suchen nach der Quelle eines seltsamen Gravitiationswellen-Ausbruchs +++ Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes hat sich 2019 fast verdoppelt

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Sex beeinflusst die Menopause

Wann Frauen in die Wechseljahre kommen, gilt weitgehend als eine Veranlagungssache. Doch es gibt offenbar noch einen weiteren Einflussfaktor: der Sex. Bei Frauen mit einem aktiven Sexualleben setzt laut einer statistischen Studie aus den USA die Menopause signifikant später ein als bei Frauen, die kaum noch Sex haben. An der Langzeitstudie nahmen knapp 3000 Probandinnen mit einem anfänglichen Durchschnittsalter von 45 Jahren teil. Zehn Jahre lang wurden sie immer wieder untersucht und befragt, um mögliche Zusammenhänge zwischen dem sexuellen Verhalten und dem Alter bei Beginn der Menopause zu erfassen. Nach Ansicht der Forscher deutet die Tendenz "mehr Sex = später einsetzende Wechseljahre" darauf hin, dass der weibliche Körper sich offenbar auch an der Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis orientiert, wenn es darum geht, wie lange er in die Empfängnisbereitschaft investiert. Im Durchschnitt setzte die Menopause bei den Probandinnen im Alter von 52 Jahren ein. Frühere Untersuchungen hatten bereits Hinweise geliefert, dass verheiratete Frauen tendenziell später in die Wechseljahre kommen als alleinstehende. Die aktuelle Studie ist im Fachjournal Royal Society Open Science erschienen.

Quelle: Royal Society Open Science


Die Zersiedelung der Welt nimmt zu

Weltweit wachsen viele Städte in die Fläche. Die dabei entstehenden Verläufe neuer Straßen weisen allerdings einen abnehmenden Grad der Verbundenheit auf, weil mehr kreuzungsfreie Sackgassen und Stichstraßen gebaut werden. Das sei ein globaler Trend, der die Zersiedelung fördere und den Einsatz öffentlicher Verkehrsmittel erschwere, berichtet ein Forscherteam aus den USA im Fachmagazin PLoS One. Die Wissenschaftler untersuchten anhand weltweiter Satellitenbilder und Daten von Openstreetmap die Straßennetze von Städten, und wie gut man darüber von einem Punkt zum einem anderen gelangen kann. Dabei zeigte sich weltweit ein Trend zu verhältnismäßig längeren und komplexeren Wegen – im Vergleich zu historischen Siedlungsstrukturen. Besonders stark ist die Zergliederung der Straßennetze in Südostasien, in den USA und auf den Britischen Inseln ausgeprägt.

Quelle: PLoS One


Ein Hirn-Parasit macht angstfrei

Der Parasit Toxoplasma gondii hat eine ungewöhnliche Wirkung auf Mäuse. Studien zeigten: Gelangen die Erreger ins Gehirn der Nager, scheinen diese gezielt ihre Angst vor Katzen zu verlieren. Sie werden dann eher gefressen – was wiederum den Mikrobien nutzt, denn Toxoplasma gondii vermehrt sich exklusiv im Darm von Katzen. Ein Team der Universität Genf hat nun allerdings in Experimenten beobachtet: Die Wirkung der Hirn-Parasiten auf das Verhalten der Mäuse ist gar nicht spezifisch auf Katzen ausgerichtet. Vielmehr werden infizierte Mäuse allgemein neugieriger und fürchten dann auch andere Fressfeinde wie beispielsweise Ratten nicht mehr. Die Studie ist im Fachmagazin Cell Reports erschienen.

Quelle: Cell Reports


Schizophrenie führt zum Verlust von Synapsen

Das hat ein Forscherteam aus Großbritannien bei Betroffenen erstmals direkt nachweisen können – mit einer besonderen Hirn-Scan-Methode. Bisher hatte es dazu nur Verdachtsmomente auf Basis von Analysen der Gehirne bereits Verstorbener gegeben. Wie die Wissenschaftler im Fachjournal Nature Communications berichten, nutzten sie einen speziellen Marker, der sich an spezifische Proteine in den Synapsen von Hirnzellen heftet. Mit Hilfe eines sogenannten PET-Scans konnten sie dann indirekt die Dichte der Verbindungen zwischen den Neuronen messen. Der Vergleich der Hirn-Scans von 18 kranken mit 18 gesunden Probanden zeigte: Bei Patienten mit Schizophrenie gibt es eine signifikante Reduktion der Zell-Verbindungen im Vorderhirn. Interessant ist dieser Fund vor allem, weil sich daraus neue Möglichkeiten zur Diagnose von Schizophrenie ergeben könnten. Die psychische Erkrankung Schizophrenie geht häufig sowohl mit psychotischen Symptomen einher als auch einem Kognitionsverlust. Die reduzierte Dichte der Synapsen könnte dafür eine Erklärung sein.

Quelle: Nature Communications


Astronomen suchen nach der Quelle eines seltsamen Gravitiationswellen-Ausbruchs

Die Gravitationswellen-Detektoren Ligo und Virgo haben gestern ein unerwartetes, explosives Signal verzeichnet. Es könnte sich um einen sogenannten Gravitationswellen-Burst handeln. Diese Form einer besonders kurzen Erschütterung der Raumzeit wurde noch nie zuvor messtechnisch erfasst. Forscher spekulieren nun darüber, dass sie von einer Supernova oder einem sogenannten Gamma-Ray Burst ausgelöst worden sein könnte. Auf die ersten Meldungen hin haben Astronomen weltweit verschiedenste Teleskope auf jene  Himmelsregion gerichtet, aus der der Gravitationswellen-Burst kam. Sie hoffen darauf, anhand auffälliger Signale in anderen Spektren Hinweise auf die tatsächliche Quelle zu finden. Da die Region in der Nähe des Sterns Beteigeuze liegt, der in letzter Zeit auf rätselhafte Weise schwächelt, wurde in sozialen Netzen schon darüber spekuliert, Beteigeuze könnte explodiert sein. Doch das ist nicht der Fall. Beteigeuze ist immer noch am Himmel sichtbar.

Quelle: Cnet / Independent


Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes hat sich 2019 fast verdoppelt

Das hat das brasilianische Klimainstitut Inpe bekannt gegeben. Demnach wurden 2019 knapp 9166 Quadratkilometer Wald abgeholzt, das sind 85 Prozent mehr als im Jahr davor. Bei den aktuellen Zahlen handelt es sich um vorläufige Daten der Echtzeit-Satellitenüberwachung des Inpe. Davon werden allerdings nur größere Kahlschläge von mindestens 25 Hektar automatisch erfasst. Genauere Analysen, die auch kleinere Rodungen mit einbeziehen, dürften nach Ansicht von Experten noch höhere Werte liefern. Umweltschützer machen Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro verantwortlich für den zunehmenden Verlust des Amazonaswaldes. Bolsonaro steht in der Kritik, weil er eine stärkere Nutzung des weltgrößten Regenwaldgebietes über den Naturschutz stellt.

Quelle: Agenturen

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