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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft20.01.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Riesige Datenbank mit Gesichtsbildern +++ Ein Modell kleinster Blutgefäße +++ Kunstvolle Fischabdrücke helfen Biologen +++ Adipositas, Herzkrankheiten und Diabetes eventuell doch übertragbar +++ Mehr Wald kann zu weniger Wasser führen

Von Piotr Heller

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Ein kleines Tech-Unternehmen soll eine riesige Datenbank mit Gesichtsbildern betreiben

Das berichtet die New York Times. Das Unternehmen nennt sich Clearview AI. Es soll drei Milliarden Fotos von Webseiten wie Facebook und Instagram zusammengetragen und mit Gesichtserkennungsalgorithmen analysiert haben.

Gibt man dem Unternehmen das Foto einer Person, kann es damit seine Datenbank durchsuchen und herausfinden, wo Bilder dieses Menschen sonst noch auftauchen. Zu den Kunden von Clearview sollen 600 amerikanische Ermittlungsbehörden zählen, die die Datenbank nach Verdächtigen abfragen. Sie hätten den Dienst genutzt, um die Täter bei Fällen von Ladendiebstahl bis hin zu Mord zu identifizieren.

Die Times-Reporterin hat einige Polizeibeamte gebeten, ihr Foto durch die Datenbank zu schicken. Nach einiger Zeit, so schreibt sie, habe sich Clearview bei den Beamten gemeldet und gefragt, ob sie mit den Medien sprechen würden. Das deute darauf hin, dass das Unternehmen mitverfolgt, nach wem die Polizisten die Datenbank durchsuchen.

Quelle: New York Times


Ein Modell kleinster Blutgefäße soll die Behandlung von Malaria verbessern

Bei einer Malaria-Infektion verändern sich die roten Blutkörperchen der Betroffenen. Sie können enge Blutgefäße nicht mehr ohne weiteres passieren, was wiederum den Blutfluss stört. Jährlich sterben schätzungsweise eine halbe Million Menschen an diesem Nebeneffekt der Malaria-Infektion.

Die genauen Strömungsverhältnisse in den Blutgefäßen, die dieses Problem hervorrufen, sind bisher kaum erforscht. Amerikanische Wissenschaftler haben daher ein Modell der bis zu fünf Mikrometer engen Gefäße gebaut und Blutkörperchen hindurchgepumpt.

Die von Malaria betroffenen Blutkörperchen waren nicht so flexibel wie die gesunden und konnten die engen Stellen aus diesem Grund nicht passieren, berichten die Wissenschaftler im Magazin Science Advances. Mit ihrem Modell könnte man noch weitere Gefäßkrankheiten erforschen. 

Quelle: Science Advances


Kunstvolle Fischabdrücke aus Japan helfen Biologen bei der Arbeit

Manche Angler in Japan bestreichen ihren Fang mit Tinte und pressen ihn auf ein Blatt Papier. So entsteht ein Abdruck des Fisches, der oft noch mit kalligraphischen Notizen zum Datum oder dem Ort des Fangs ergänzt wird. Diese "Gyotaku" genannte Tradition geht in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück und könnte nun Biologen behilflich sein.

Ein japanisches Team hat über 320 solcher Abdrücke untersucht und die Fischarten darauf bestimmt. Bei manchen davon handelte es sich um heute bedrohte Arten, notieren die Forscher in den Zoo Keys. Weil die Gyotakus die historische Zusammensetzung der Fischbestände in bestimmten Gewässern wiederspiegeln,  könnte man sie nutzen, um die einstigen Populationen heute bedrohter Arten abzuschätzen.

Quelle: Zoo Keys


Adipositas, Herzkrankheiten und Diabetes könnten doch übertragbar sein

Eigentlich stuft die Weltgesundheitsorganisation diese Krankheiten als "nicht übertragbar" ein. Im Fachblatt Science haben Forscher nun aber eine gegenteilige  Hypothese veröffentlicht. Sie gehen davon aus, dass die Krankheiten sehr wohl von Mensch zu Mensch übertragen werden könnten, und zwar über das Mikrobiom. Das ist die Gesamtheit der Bakterien, Pilze und Viren, die sich auf und im Körper jedes Menschen finden.

Die Forscher verweisen auf drei Erkenntnisse: Erstens zeigt sich das Mikrobiom Kranker im Vergleich zu gesunden Menschen verändert. Zweitens gibt es Belege dafür, dass Veränderungen des Mikrobioms zur Ausprägung der Krankheiten führen. Und Drittens weisen Studien auf eine natürliche Übertragbarkeit des Mikrobioms hin.

Die Wissenschaftler betonen, dass die Hypothese gewagt ist. Es brauche mehr Forschung, um die mikrobielle Übertragung und ihre Auswirkungen zu verstehen.

Quelle: Pressemitteilung | Science


Mehr Wald kann zu weniger Wasser führen

Dieser Zusammenhang ist angesichts von Vorschlägen interessant, Aufforstung zu betreiben, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Seit langem ist bekannt, dass die zusätzlichen Bäume dazu führen könnten, dass angrenzende Flüsse weniger Wasser transportieren. Britische Botaniker haben dieses Phänomen nun auf langen Zeitskalen untersucht.

Dazu betrachteten sie über 40 Orte, an denen Wälder angelegt worden waren. Nach fünf Jahren gingen die Wassermengen in den angrenzenden Flüssen um ein Viertel zurück. Nach 25 Jahren führten die Flüsse sogar 40 Prozent weniger Wasser. Manche trockneten komplett aus, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt Global Change Biology.

Diesen Einfluss auf das Wasser müsse man bei Klimaschutzbemühungen im Auge behalten, heißt es von den Forschern. Die am stärksten vom Rückgang der Wassermengen betroffenen Regionen lagen in Australien und Südafrika. Kontraintuitiv war der Befund, dass der Einfluss der Bäume in trockenen Jahren kleiner war als in nassen. Das liege daran, dass Bäume in Trockenzeiten ihre Poren schließen, und dadurch weniger Wasser aus dem Boden saugen.

Es mache zudem einen Unterschied, wo die Bäume gepflanzt würden, schrieben die Forscher. Entstünden Wälder auf ehemaligem Grasland, würde das die Flüsse besonders stark beeinträchtigen. Wälder auf altem Ackerland beeinflussen benachbarte Flüsse deutlich weniger.  

Quelle: Global Change Biology | Pressemitteilung 

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