Sonntag, 16.02.2020
 
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft28.01.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Aktiver Klimaschutz ist billiger als keiner +++ Atommüllbehälter korrodieren eher als prognostiziert +++ Neandertaler zog es mindestens zweimal nach Sibirien +++ Holzgebäude können zu einer CO2-Senke werden +++ Biochips simulieren einen Organismus +++ Nasenkorrekturen verjüngen das Gesicht

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Aktiver Klimaschutz ist billiger als keiner

Ein Team des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung hat mithilfe von Computersimulationen Klimaschäden, etwa durch zunehmende Wetterextreme oder sinkende Arbeitsproduktivität, mit den Kosten der Verringerung des Treibhausgasausstoßes verglichen. Demnach sind die Klimakosten wahrscheinlich am geringsten, wenn die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius begrenzt wird, heißt es im Fachblatt NATURE Communications. Damit ist das kosteneffizienteste Niveau der globalen Erwärmung auch dasjenige, welches mehr als 190 Nationen als Pariser Klimaabkommen vereinbart haben. Bislang reichen die von den Staaten weltweit versprochenen CO2-Reduktionen jedoch nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen.

Quelle: NATURE Communications | PIK


Atommüllbehälter korrodieren eher als prognostiziert

Denn bestimmte Kombinationen unterschiedlicher Materialien von Endlagercontainern verrotten schneller als einzelne Stoffe allein. Ein Team der Ohio State University hat bei Experimenten mit Glas, Keramiken und Edelstahl entdeckt, dass sich an den Kontaktpunkten von Edelstahl und eingegossenem Atommüll Spalten mit saurer Flüssigkeit bilden. Diese greifen nicht nur das Metall an, sondern auch das Glas und die Keramiken, berichten die Ingenieure im Fachblatt NATURE Materials. Diese Korrosion könnte die prognostizierte Lebensdauer von Atommüllbehältern erheblich reduzieren und früher als geplant Radionuklide in die Umwelt freisetzen. Um diese Effekte zu unterbinden, bedarf es der Entwicklung neuer, mit dem Atommüll kompatible Materialien, so die Studienautoren.

Quelle: NATURE Materials            


Neandertaler zog es mindestens zweimal nach Sibirien

Die vor knapp 30.000 Jahren ausgestorbenen Neandertaler hatten nicht nur Großteile Europas und Westasiens besiedelt, sondern sind auch bis in das Altaigebirge vorgedrungen. Unklar war bislang, wann Neandertaler erstmals nach Sibirien kamen. Ein internationales Archäologenteam hat bei Ausgrabungen in der Chagyrskaya-Höhle im Altaigebirge 90.000 Steinartefakte und 74 Neandertalerfossilien ausgegraben. Diese lagen in Schichten, die die Forschenden auf ein Alter von 49- bis 59.000 Jahren datieren konnten, schreiben sie im Fachblatt PNAS. Die Steinwerkzeuge unterscheiden sich signifikant von späteren Neandertalerfundstätten im Altaigebirge, die wesentlich jünger sind.  Demnach muss es zwei separate Einwanderungswellen von Neandertalern nach Sibirien gegeben haben, so die Studienautoren.

Quelle: PNAS


Holzgebäude können zu einer CO2-Senke werden

Würden im Städtebau Zement und Stahl durch Holz ersetzt, kann dies doppelten Nutzen für die Klimastabilisierung haben. Das geht aus einer Studie eines internationalen Forschungsteam hervor, die im Fachblatt NATURE Sustainability vorgestellt wird. Den dortigen Hochrechnungen zufolge würden Holzgebäude zum einen Treibhausgasemissionen aus der Zement- und Stahlproduktion vermeiden. Zum anderen würden sich diese Bauten in eine Kohlenstoffsenke verwandeln, da im Bauholz das von den Bäumen zuvor aus der Luft aufgenommene und in ihren Stämmen eingelagerte CO2 gespeichert wird. Obschon die erforderliche Menge an Holz theoretisch verfügbar ist, würde eine solche Ausweitung jedoch eine sehr sorgfältige nachhaltige Waldbewirtschaftung erfordern, betonen die Studienautoren.

Quelle: NATURE Sustainability | PIK


Biochips simulieren einen Organismus

Seit Jahren tüfteln Forschende an Organen im Miniaturformat. Mit dieser Methode könnten künftig Medikamente billiger und Tierversuche überflüssig werden. Ein Team der Harvard University hatte vor zehn Jahren erstmals eine Mini-Lunge aus menschlichen Zellen entwickelt. Das Organ als Biochip reagierte auf Luft, Bakterien und Giftstoffe. Nun haben die Forschenden zehn solcher Organchips entwickelt und miteinander verbunden, unter anderem Niere, Leber, Blut-Hirn-Schranke, und Haut. Wie sie im Fachblatt NATURE Biomedical Engineering darlegen, zirkulierte das Blut ähnlich wie in einem echten Körper. Der nachgebaute Organismus blieb drei Wochen voll funktionsfähig. Dabei konnten die Bioingenieure Wirkstoffe wie Nikotin zugeben und schauen, welche Wirkung dies auf die Organe hatte, wie der Stoff verarbeitet und ausgeschieden wurde.

Quelle: Nature Biomedical Engineering


Nasenkorrekturen verjüngen das Gesicht

Das hat ein Team der Universität von Kalifornien in Los Angeles herausgefunden. Die Forschenden hatten Fotos von einhundert Frauen in eine Datenbank eingespeist und mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) deren Alter bestimmen lassen. Das Besondere: Alle Frauen hatten sich einer Rhinoplastik unterzogen, also einer Nasenkorrektur. Die Bilder in der Datenbank enthielten Fotos der Frauen vor der Operation und zwölf Wochen nach dem Eingriff. Wie die Mediziner im Aesthetic Surgery Journal schreiben, bestimmte der Algorithmus das Alter der Frauen vor der Operation im Mittel korrekt. Bei den Bildern der operierten Gesichter gab die KI jedoch ein durchschnittlich um drei Jahre niedrigeres Alter an. Der Altersunterschied war zudem umso größer, je älter die Studienteilnehmerinnen waren. Bei den Teilnehmerinnen älter als 40 lag die ermittelte Altersdifferenz im Schnitt sogar bei sieben Jahren. Den Medizinern zufolge hat die Nase einen größeren Einfluss auf das vermutete Alter einer Person als bislang angenommen.

Quelle: UCLA

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