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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft31.01.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

In Bayern hat sich ein Kind mit dem neuen Coronavirus angesteckt +++ Regelmäßiges Rauchen und Alkoholtrinken lassen das Gehirn etwas schneller altern +++ Auch Menschen in Afrika tragen Neandertaler-Erbgut in sich +++ Der Darminhalt verrät den Speiseplan tropischer Raupen +++ Auf Fleisch zu verzichten, könnte das Risiko für Harnwegsinfektionen senken +++ Die Gene der Xhosa liefern neue Erkenntnisse über Schizophrenie +++ Die US-Umweltbehörde hält Glyphosat weiterhin nicht für krebserregend

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

In Bayern hat sich ein Kind mit dem neuen Coronavirus angesteckt

Dabei handelt es sich um das Kind eines infizierten Mannes aus dem Landkreis Traunstein, wie das bayerische Gesundheitsministerium am Freitag in München mitteilte. Somit ist zum ersten Mal in Deutschland ein Familienmitglied eines Infizierten an dem neuen Coronavirus erkrankt.

Der Vater des Kindes zählt zu den fünf schon bekannten Coronavirus-Patienten in Bayern. Sie sind Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto. Dort war vergangene Woche eine infizierte Kollegin aus China zu Gast, die ihre Erkrankung erst auf dem Rückflug bemerkt hatte.

Alle Betroffenen befinden sich nach Angaben von Ärzten derzeit in einem stabilen gesundheitlichen Zustand, wie das Ministerium weiter mitteilte.

Weltweit haben sich bislang etwa 9.800 Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert.

Quellen: DPA, Bayerisches Gesundheitsministerium


Regelmäßiges Rauchen und Alkoholtrinken lassen das Gehirn etwas schneller altern

Dieses Ergebnis präsentiert ein Forschungsteam aus den USA in den Scientific Reports. Dass Tabak- und Alkoholkonsum negative Folgen für bestimmte Hirnregionen haben, war bekannt. Die aktuelle Untersuchung zeigt jetzt, dass sich das Verhalten auch messbar auf das Alter des Gehirns auswirkt.

Die Forscher griffen auf eine Datenbasis zurück, in der Scans des gesamten Gehirns mit Lebensgewohnheiten der Probanden verknüpft sind. Sie erstellten ein Modell, das mittels Künstlicher Intelligenz aufgrund der MRT-Bilder das relative Gehirnalter einer Person ermittelt. Darunter versteht man das Gehirnalter einer Person im Vergleich zum durchschnittlichen Gehirnalter Gleichaltriger. Dabei zeigten sich kleine aber messbare Einflüsse des Rauchens und Alkoholtrinkens: Jedes Jahr, in dem eine Person täglich ein Päckchen Zigaretten raucht, lässt das Gehirn demnach um zusätzlich 0,03 Jahre altern. Jedes Gramm Alkohol mehr, das eine Person pro Tag zu sich nimmt, erhöht das relative Gehirnalter um 0,02 Jahre.

Die Daten zeigten auch: In Tests zu kognitiven Leistungen zeigten Probanden mit einem niedrigeren Gehirnalter bessere Leistungen als solche mit höherem Gehirnalter.

Quellen: DPA, Scientific Reports


Auch Menschen in Afrika tragen Neandertaler-Erbgut in sich

Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam der Universität Princeton im Fachmagazin Cell. In vorangegangenen Untersuchungen zur Neandertaler-DNA in Europäern und Asiaten dienten afrikanische Populationen als Vergleichsgruppe, da angenommen wurde, dass diese kein Neandertaler-Erbgut aufweisen. Die Wissenschaftler haben für ihre Studie nun eine neue statistische Methode namens IBDmix entwickelt. Diese erkennt Neandertaler-DNA im Erbgut moderner Menschen anhand spezifischer Eigenschaften und beruht nicht auf einer Vergleichsgruppe. Damit zeigte sich, dass auch Menschen in Afrika Neandertaler-Erbgut besitzen – und zwar etwa 0,3 Prozent des Genoms.

Eine Erklärung der Forschenden dafür ist, dass frühe Europäer nach Afrika zurück gewandert sind und dabei Neandertaler-Erbgut mitbrachten.

Quelle: Cell


Der Darminhalt verrät den Speiseplan tropischer Raupen

Nur von wenigen tropischen Schmetterlingen ist bekannt, auf welche Futterpflanzen ihre Raupen spezialisiert sind. Das liegt daran, dass die Tiere in schwer zugänglichen Baumkronen leben oder nachtaktiv sind. Ein deutsches Forschungsteam hat nun die Nahrungspräferenzen südamerikanischer Schmetterlingslarven genauer untersucht und berichtet darüber im Fachmagazin PLoS One. Dafür sammelten die Wissenschaftler 130 Raupen von dutzenden Bäumen im peruanischen Regenwald. Die Insektenlarven und die Wirtsbäume wurden anschließend genetisch bestimmt. Zusätzlich wurde der Darminhalt von einem Teil der Larven analysiert. Dabei zeigte sich: Nur ein Fünftel der Raupen hatte von dem Baum gefressen, auf dem sie gefunden wurden. Die meisten hatten benachbarte Pflanzen zu sich genommen.

Die Forschenden sammelten die Raupen, indem sie die Baumkronen mit Pyrethrum benebelten – ein natürliches Insektizid, das aus Blüten gewonnen wird.

Die Methodik der publizierten Studie liefere einen neuen Ansatz, um die Ernährung tropischer Schmetterlingslarven zu rekonstruieren.

Quelle: PLoS One


Auf Fleisch zu verzichten, könnte das Risiko für Harnwegsinfektionen senken

Das lässt die Studie eines Forschungsteams im Fachblatt Scientific Reports vermuten. Harnwegsinfektionen werden meist durch Darmbakterien wie E. coli ausgelöst, die über die Harnwege eindringen. Bakterienstämme, die zu solchen Infektionen führen, finden sich häufig in Fleisch. Das haben vorherige Untersuchungen bereits gezeigt. Für die aktuelle Studie wurden nun Daten zu Harnwegsinfektionen von knapp 10.000 taiwanesischen Buddhisten analysiert, von denen sich etwa ein Drittel vegetarisch ernährt. Das Ergebnis: Das Risiko für Harnwegsinfekte war in der vegetarischen Teilgruppe um 16 Prozent niedriger.

Die Autoren geben zwei Erklärungsansätze für ihre Befunde. Indem sie auf Schweine- und Geflügelfleisch verzichten, könnten Vegetarier die Aufnahme von E. Coli-Bakterien vermeiden, die später in den Harnwegen Probleme bereiten. Außerdem könnte die ballaststoffreiche vegetarische Ernährung das Wachstum von E. coli im Darm erschweren.

Quelle: Scientific Reports


Die Gene der Xhosa liefern neue Erkenntnisse über Schizophrenie

Der größte Teil der menschlichen Evolution hat in Afrika stattgefunden. Ursprüngliche afrikanische Bevölkerungsgruppen weisen daher eine große genetische Vielfalt auf, standen aber bislang selten im Fokus der genetischen Forschung. Jetzt hat ein Team von Genetikern die Grundlagen von Schizophrenie bei den Xhosa untersucht – eine südafrikanische Ethnie, die sprachlich zu den Bantu zählt. Dafür analysierten die Wissenschaftler das Erbgut von mehr als 1.800 Xhosa, von denen die Hälfte als schizophren diagnostiziert worden war. Dabei konnten sie häufige und seltene genetische Varianten identifizieren, die die Krankheit beeinflussen. Viele davon betreffen die Funktion von Synapsen im Gehirn.

Die große genetische Diversität der Afrikaner erlaube es, die genetischen Ursachen komplexer Erkrankungen wie Schizophrenie besser zu entschlüsseln. Die Ergebnisse seien wiederum relevant für alle menschlichen Populationen.

Die neuen Erkenntnisse könnten zudem bei der Entwicklung neuer Behandlungsansätze helfen, so die Forschenden im Fachmagazin Science.

Quelle: Science


Die US-Umweltbehörde hält Glyphosat weiterhin nicht für krebserregend

Und steht mit dieser Entscheidung im Gegensatz zu einer Reihe von Gerichtsurteilen. Die Behörde teilte mit, eine neue Überprüfung abgeschlossen zu haben und das Pestizid bei vorschriftsgemäßem Gebrauch nicht als Gesundheitsrisiko für Menschen einzustufen.

Damit hält die US-Umweltbehörde EPA an ihrer Linie fest, die den bisherigen US-Gerichtsurteilen bei Klagen gegen Bayer wegen angeblicher Krebsgefahren entgegensteht. Der Konzern begrüßte die Entscheidung. Bayer hatte sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto immense Rechtsrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat ins Haus geholt.

Analysten erwarten, dass sich Bayer über kurz oder lang auf einen milliardenschweren Vergleich mit den Klägern in den USA einigt. Darauf dringen auch die zuständigen Gerichte.

Quellen: DPA, EPA

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