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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft04.02.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Babysprache hilft beim Sprechen lernen +++ Mediziner widersprechen einer Studie zur Übertragung des neuen Corona-Virus +++ Hunde sollen infizierte Orangenbäume erschnüffeln +++ Sanddünen kommunizieren untereinander +++ Forschende entwickeln chemische Ohrenschützer +++ Das "älteste" Bambus-Fossil muss seinen Titel abgeben +++ In Südafrika werden weniger Nashörner erlegt +++

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Babysprache hilft beim Sprechen lernen

Ein Psychologieteam der Universität von Washington hat ein Jahr lang mehr als 70 Familien mit Babys begleitet. Regelmäßig machten die Eltern Audioaufnahmen von den Interaktionen mit ihren Kindern. Anschließend gaben die Wissenschaftler einigen Eltern Hinweise, wie sie intensiver und überdeutlicher mit ihren Kindern reden könnten. Wie die Forschenden im Fachblatt PNAS darlegen, waren die Ergebnisse eindeutig. Mit anderthalb Jahren sagten die Kinder gecoachter Eltern fast doppelt so häufig ganze Worte und hatten bereits einen Wortschatz von rund 100 Wörtern im Gegensatz zu Kindern nicht gecoachter Eltern. Die Kinder der Kontrollgruppe nutzten im Schnitt aktiv nur 60 Worte. Dieser Ansatz könnte auch Einfluss auf die weitere Sprachentwicklung haben, vermuten die Forschenden.

Quelle: PNAS


Mediziner widersprechen einer Studie zur Übertragung des neuen Corona-Virus

Am 31. Januar erschien im New England Journal of Medicine ein Artikel über die ersten vier Infektionsfälle in Deutschland. Demnach zeigten diese Patienten keine Symptome einer Erkrankung, was die Kontrolle der Ausbreitung des Virus erheblich erschweren würde. Somit könnten auch symptomfreie Menschen das neue Corona-Virus übertragen. Dieser Annahme widersprechen mehrere Institutionen, unter anderem aus den USA, Schweden und Deutschland und verweisen auf Mängel der Studie. Demnach waren die infizierten Patienten nicht symptomfrei, sondern zeigten sehr wohl einige, wenn auch nur sehr leichte Symptome einer Erkältung. Dennoch sorgen vermutlich gerade die milden Infektionen für die starke Verbreitung des Virus, heißt es in dem Artikel im Fachmagazin SCIENCE.

Quelle: NEJM | Science      


Hunde sollen infizierte Orangenbäume erschnüffeln

In einigen Obstregionen in den USA und Brasilien sind die Ernten wegen eines Bakterienbefalls um 70 Prozent zurückgegangen. Die so genannte Citrus Greening Disease oder Huanglongbing ist im Anfangsstadium bislang nicht zu erkennen, wodurch sich die Erreger schnell ausbreiten können. Später verschrumpeln alle Zitrusfrüchte, werden ungenießbar, und die Bäume sterben. Ein Team des U.S. Department of Agriculture hat für eine Studie 19 Drogenspürhunde ausgebildet, um infizierte Orangenbäume frühzeitig zu erkennen, heißt es im Fachblatt PNAS. Demnach konnten die Tiere infizierte Bäume binnen zwei Wochen nach dem Befall in 99 Prozent der Fälle korrekt erkennen. Offenbar reagieren die Hunde auf einen Stoff, den die Bakterien selbst produzieren und nicht auf Substanzen infizierter Pflanzen. Weitere Versuche zeigten, dass die Spürhunde die Orangenkrankheit von anderen Bakterien-, Virus- und Pilz-Erkrankungen unterscheiden können.

Quelle: PNAS


Sanddünen kommunizieren untereinander

Das geht aus Berechnungen und Beobachtungen von Physikern der Universität von Cambridge hervor. Die Forscher hatten bei Experimenten untersucht, ob zwei identische Sanddünen während ihrer Bewegung interagieren. Wie die Wissenschaftler in den Physical Review Letters notieren, starteten die hintereinander befindlichen Dünen gleichzeitig, entfernten sich aber zunehmend voneinander. Berechnungen ergaben, dass bestimmte Wirbel der vorgelagerten Düne die hintere Düne wegstoßen. Das zugehörige Model könnte helfen, große Dünenbewegungen besser vorherzusagen. Im Zuge des Klimawandels prognostizieren viele Modelle eine zunehmende Wüstenbildung in vielen heute noch bewohnten Gebieten. Bei heftigem Wind können Sanddünen ganze Dörfer und Städte überziehen.

Quelle: Eurekalert!   


Forschende entwickeln chemische Ohrenschützer

Wer extremem Lärm ausgesetzt ist, kann Hörschäden entwickeln. Präventiv helfen können bisher nur Kopfhörer oder Ohrenwachs. Ein Team der Universität von Iowa hat an Mäusen einen chemischen Lärmschutz erprobt. Wie die Biologen im Fachblatt PNAS darlegen, blockiert ihr Wirkstoff bestimmte Rezeptoren, die für die Weiterleitung akustischer Reize wichtig sind und im Extremfall Schäden an den Synapsen im Innenohr verursachen. Brachten die Forschenden den Wirkstoff operativ in die Hörschnecke der Mäuse ein, konnten die Tiere den Lärm zwar hören, entwickelten aber keine Hörschäden. Als nächstes wollen die Studienautoren an ähnlich wirksamen Mitteln forschen, die auch nicht-invasiv verabreicht werden können.

Quelle: PNAS


Das "älteste" Bambus-Fossil muss seinen Titel abgeben

1941 hatten zwei argentinische Botaniker den Holotyp der Art Chusquea oxyphyllum wissenschaftlich beschrieben. Das rund 52 Millionen Jahre alte Exemplar galt bislang als der älteste bekannte Bambusfund. Große Bedeutung hatte das Fossil, weil es als Beleg dafür galt, dass Bambusarten bereits auf dem Urkontinent Gondwana existiert hatten. Eine Studie widerlegt nun die fast 80 Jahre geltende Lehrmeinung. Analysen eines Geowissenschaftlers der Pennsylvania State University zufolge weist das alte Exemplar keinerlei Merkmale eines Bambus auf. Stattdessen handelt es sich eindeutig um einen Vertreter der Koniferen, also der Nadelhölzer, heißt es im Fachblatt Phytokeys. Im Vergleich mit weiteren kürzlich beschriebenen Fossilien kommt der Wissenschaftler zu dem Schluss, dass das alte Fossil zur Gattung Retrophyllum gehört, von der heute noch sechs Arten existieren. Die Neubeschreibung hat eine Umbenennung des alten Fossils zufolge. Um den alten Namen teilweise zu bewahren, behielt der Forscher den Artnamen bei und bezeichnet das Fossil als Retrophyllum oxyphyllum.

Quelle: EurekAlert! | Phytokeys


In Südafrika werden weniger Nashörner erlegt

Die Zahl der von Wilderern getöteten Nashörner in Südafrika ist 2019 um 23 Prozent zurückgegangen. Wie das Umweltministerium mitteilte, sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr von 769 auf 594 Tiere. Die Naturschutzorganisation WWF begrüßt die Entwicklung als Erfolg der gemeinsamen Anstrengungen von Regierung, Privatwirtschaft, Gemeinden und Nichtregierungsorganisationen. Nur durch internationale Kooperation gebe es eine Chance, der globalen Wildtier-Mafia das Handwerk zu legen, hieß es in einer Mitteilung. Der internationale Handel mit dem Horn der Unpaarhufer ist verboten. Vor allem in Vietnam und China ist Horn als Inhaltsstoff der traditionellen Medizin beliebt und kostet etwa so viel wie Gold. In Afrika leben noch rund 20.000 Breitmaulnashörner und etwa 5.000 Spitzmaulnashörner.

Quelle: Gov.za | WWF

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