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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft28.02.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Die mütterliche Darmflora beeinflusst den Stoffwechsel des ungeborenen Nachwuchses +++ Es gibt nicht nur eine sondern zwei Arten von Roten Pandas +++ ESA-Generaldirektor Jan Wörner verzichtet auf eine weitere Amtszeit +++ Für das Leben in einer Röhre sind Beine überflüssig +++ Eine Hitzewelle hat die Antarktis stark abschmelzen lassen +++ Viele Amphibien können offenbar leuchten

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Die mütterliche Darmflora beeinflusst den Stoffwechsel des ungeborenen Nachwuchses

Diesen Zusammenhang beschreibt ein Forschungsteam im Fachblatt Science zumindest bei Mäusen. Die Analysen des japanischen Teams zeigen: Kurzkettige Fettsäuren, die von den Darmbakterien trächtiger Mäuse produziert werden, beeinflussen die Entwicklung von Nerven-, Darm- und Bauchspeicheldrüsen-Zellen bei deren Embryonen. Dieser Entwicklungsprozess verhilft den ungeborenen Mäusen offenbar zu einem ausgeglichenen Energiehaushalt. Nachkommen von mikrobenfreien Müttern waren dagegen anfällig für Fettleibigkeit und Glukoseintoleranz.

Das mütterliche Mikrobiom zu verändern – zum Beispiel durch eine bestimmte Diät – oder gezielt Fettsäuren zu verabreichen, könnte eine präventive Strategie darstellen, um den Nachwuchs vor Stoffwechselproblemen im späteren Leben zu schützen.

Ob der Ansatz auch auf Menschen übertragbar ist, müssen weitere Studien erst zeigen.

Quelle: Science


Es gibt nicht nur eine sondern zwei Arten von Roten Pandas

Rote Pandas sind relativ kleine, mit Mardern verwandte Tiere, die in Asien verbreitet sind und vorwiegend Bambus fressen. Aufgrund von Unterschieden in Aussehen und Verbreitung wurden die Tiere bereits in zwei Unterarten oder sogar Arten aufgeteilt – den Himalaya-Roten Panda und den Chinesischen Roten Panda. Diese Klassifizierung war allerdings umstritten. Jetzt belegt eine genetische Studie im Fachmagazin Science Advances, dass es sich tatsächlich um zwei Spezies handelt.

Das Forschungsteam hatte dafür 65 vollständige Genome und zusätzlich jeweils knapp 50 Y-Chromosomen und mitochondriale Genome Roter Pandas unterschiedlicher Herkunft untersucht.

Das Ergebnis habe entscheidende Auswirkungen auf Schutzbemühungen für die Tiere. So sollte zum Beispiel in Gefangenschaft darauf geachtet werden, dass sich Tiere unterschiedlicher Arten nicht miteinander fortpflanzen.

Rote Pandas gehören zu den bedrohten Tierarten. Mit den großen Pandas sind sie – trotz des ähnlichen Namens – nicht unmittelbar verwandt.

Quellen: Science AdvancesBBC


ESA-Generaldirektor Jan Wörner verzichtet auf eine weitere Amtszeit

Zum 1. Juli des kommenden Jahres braucht die Europäische Weltraumorganisation ESA somit eine neue Leitung. Jan Wörner steht seit 2015 an der Spitze, tritt aber aus Altersgründen nicht wieder an, wie er gestern dem Deutschlandfunk mitteilte.

Jan Wörner, der vor seiner Zeit bei der ESA sieben Jahre lang das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt geleitet hat, konnte vor zwei Jahren nur nach erbittertem Widerstand Frankreichs, Italiens und Tschechiens seinen Vertrag verlängern. Für eine weitere Verlängerung gab es nun aber keine Unterstützung der Bundesregierung.

Wörner führt die ESA nach Einschätzung von Beobachtern sehr erfolgreich. Beim letzten Treffen der Raumfahrtminister der Mitgliedsstaaten Ende November 2019 im spanischen Sevilla bekam die ESA 14,5 Milliarden Euro für ihre Projekte bewilligt – erstmals genauso viel wie beantragt.

Quellen: Mitteilung von Jan Wörner an den Dlf, ESA-Blogeintrag


Für das Leben in einer Röhre sind Beine überflüssig

Ein Forschungsteam beschreibt im Fachmagazin Current Biology den ältesten bekannten Fall eines Tieres, das im Lauf der Evolution Körperteile zurückgebildet hat, die es nicht mehr benötigt. Facivermis war ein wurmartiger Organismus, der im frühen Kambrium vor mehr als 500 Millionen Jahren lebte. Er hatte einen langgestreckten Körper und fünf Armpaare in der Nähe des Kopfes. Die neue Studie legt jetzt nahe, dass die Tiere in Röhrchen am Meeresboden lebten – und deshalb über die Zeit ihre unteren Gliedmaßen verloren. Diese Annahme beruht unter anderem auf einem Fossil, bei dem der hintere Körperteil von einer Röhre umschlossen ist.

Die meisten verwandten Spezies hätten drei bis neun untere Beinpaare gehabt, so einer der Autoren. Diese hätte Facivermis als sesshafte Art nicht mehr benötigt. Die oberen Gliedmaßen nutzte die Art aber offenbar noch, um Nahrung aus dem Wasser zu filtern.

Bereits vor Millionen von Jahren seien Körperbaupläne als Anpassung an veränderte Lebensbedingungen also sekundär vereinfacht worden, resümieren die Forschenden.

Quelle: Current Biology


Eine Hitzewelle hat die Antarktis stark abschmelzen lassen

Das geht aus Daten hervor, die die US-Raumfahrtbehörde NASA vorgelegt hat. Dabei traten in der ersten Februarhälfte Rekordtemperaturen auf. Am 6. Februar seien an der argentinischen Forschungsstation Esperanza Base im Norden der Antarktis zum Beispiel 18,3 Grad Celsius gemessen worden, mehr als je zuvor seit Beginn der Messungen dort. Am selben Tag sei es in der US-Metropole Los Angeles etwa gleichwarm gewesen.

Satellitenbilder der NASA zeigen, dass die Hitzewelle große Schneemassen hat abschmelzen lassen. Auf der Insel Eagle Island am nördlichen Ende der Antarktischen Halbinsel schmolzen zum Beispiel zwischen dem 6. und 11. Februar nach NASA-Angaben 20 Prozent der saisonalen Schneeanhäufung.

Zuvor waren bereits zwei Hitzewellen im November und im Januar in der Antarktis verzeichnet worden.

Quellen: DPA, NASA


Viele Amphibien können offenbar leuchten

Biofluoreszenz bezeichnet die Eigenschaft von Organismen, selbst zu leuchten, nachdem sie Lichtenergie aus der Umgebung aufgenommen haben. Das Phänomen ist bislang unter anderem bei Fischen, Skorpionen und Vogelfedern beobachtet worden. Jetzt berichtet ein Forschungsteam im Fachblatt Scientific Reports nach Experimenten, dass offenbar auch viele Salamander und Frösche fluoreszieren. Die Eigenschaft könnte bewirken, dass Amphibien derselben Art leichter zueinander finden, vermuten die Forschenden. Biofluoreszenz könnte außerdem der Tarnung oder der Abschreckung von Fressfeinden dienen.

Die Erkenntnisse weisen darauf hin, dass bereits die Vorfahren heutiger Amphibien die Fähigkeit hatten und das Phänomen deshalb weit verbreitet ist.

Die Autoren hatten Vertreter von 32 Amphibien-Arten blauem oder ultraviolettem Licht ausgesetzt und ermittelt, ob die Tiere selbst leuchten. Dabei zeigte sich, dass alle untersuchten Spezies fluoreszierende Flecken, Streifen oder Knochen aufwiesen – oder sogar der ganze Körper glimmte.

Verantwortlich dafür könnten fluoreszierende Eiweiße, Sekrete oder spezielle Farbzellen an der Körperoberfläche sein.

Quelle: Scientific Reports

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