Freitag, 07.08.2020
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft05.03.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Zigarettenrauch schadet noch aus dritter Hand +++ Neuartige Schnelltests können eine Infektion mit dem neuen Coronavirus schon nach zwanzig Minuten anzeigen +++ Große Satelliten-Netzwerke beeinträchtigen astronomische Beobachtungen nur mäßig +++ Körperzellen schützen sich aktiv vor bakteriellen Angriffen +++ Übermäßiger Lärm könnte mehr als 100 Millionen Menschen in Europa krank machen

Von Magdalena Schmude

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Zigarettenrauch schadet noch aus dritter Hand

Raucher, die einen zuvor gut belüfteten Raum betreten, tragen an ihrem Körper und in der Kleidung noch relevante Mengen an Schadstoffen wie Nikotin und Formaldehyden  hinein. Andere Personen, die sich im selben Raum aufhalten, werden durch diesen sogenannten Rauch aus dritter Hand so vielen schädlichen Substanzen ausgesetzt, wie beim Passivrauchen von bis zu zehn Zigaretten. Das haben Forschende aus Yale berechnet. In der Fachzeitschrift Science Advances stellen die Wissenschaftler ihre Arbeit vor.j

Für die Studie analysierten sie die Luftqualität in einem Nichtraucher-Kino, bevor und nachdem das Publikum darin Platz genommen hatte. Bei Filmen, die erst ab einem Alter von 18 Jahren freigegeben waren wie "Resident Evil" oder "Irre Helden" war die Schadstoffbelastung der Luft deutlich höher als bei Filmen ohne Altersfreigabe wie etwa "Wendy".  Auch die Uhrzeit der jeweiligen Kinovorstellung hatte einen Einfluss auf die Luftqualität im Kino. Je später am Tag ein Film gezeigt wurde, desto stärker belastet war die Raumluft.

Quelle: Science Advances


Neuartige Schnelltests können eine Infektion mit dem neuen Coronavirus schon nach zwanzig Minuten anzeigen

Die Tests weisen nicht das Erbgut des Erregers selbst nach, sondern die Reaktion des menschlichen Immunsystems, also die Antikörper. Der Arzt muss dazu nur einen Tropfen Blut in eine kleine Plastikbox geben und schon 20 Minuten später zeigen bunte Striche ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest an, ob eine Person Kontakt zu dem neuen Corona-Virus hatte. Die neuen Tests sind also praktisch, aber sie haben Einschränkungen. Denn der Körper braucht ungefähr vier Tage, bis er nach einer Infektion messbare Antikörpermengen bildet. Deshalb schlägt der Test in der Anfangsphase nur bei 70 Prozent der Infizierten an.

In Deutschland setzen Labormediziner weiterhin auf den Nachweis des Virus. In Ländern mit weniger gut ausgestatten Laboren könnten die Tests auf Antikörper  eine wertvolle, weil einfachere Alternative sein. Außerdem  zeigen sie auch zurückliegende Infektionen an. Süd Korea  und Singapur nutzen die Tests derzeit, um  Infektionsketten nachzuvollziehen.

Auch die genetischen Tests werden weiterentwickelt. Es gibt Geräte für Großlabore, die in einem Nasenabstrich innerhalb nur einer Stunde 21 unterschiedliche Viren nachweisen können. Dieser Test wurde jetzt um das neue Corona-Virus erweitert. Die Zulassung ist beantragt, im Moment kann der Schnelltest auf das Virus nur im Rahmen von Forschungsprojekten eingesetzt werden. Ob der Geschwindigkeitsvorteil von vier Stunden die höheren Kosten rechtfertigt, muss sich noch zeigen.

Quelle: CGTN


Große Satelliten-Netzwerke beeinträchtigen astronomische Beobachtungen nur mäßig

Zu diesem Schluss kommen Forschende der Europäischen Südsternwarte in München. Für die Studie wurden 18 verschiedene Satellitenkonstellationen mit insgesamt über 26.000 Satelliten berücksichtigt, die unter anderem von SpaceX, Amazon oder OneWeb unterhalten werden. Die Flugobjekte reflektieren das Sonnenlicht und könnten dadurch unter bestimmten Bedingungen Teleskopaufnahmen verfälschen, so die Annahme der Wissenschaftler. Ihre Studie, die im Fachjournal Astronomy and Astrophysics erscheint, untersucht die Auswirkungen für verschiedene Szenarien. Demnach werden große Teleskope wie das Very Large Telescope nur mäßig beeinflusst, am stärksten bei Aufnahmen mit Langzeitbelichtung. Das Ausmaß der Effekte ist außerdem von der Tageszeit und damit vom Sonnenstand abhängig.

Die systematische Untersuchung des gesamten Himmels mit sogenannten Durchmusterungsteleskopen könnten die Satellitennetzwerke allerdings  stärker beeinträchtigen, schreiben die Forschenden.

Quelle: Astronomy and Astrophysics


Körperzellen schützen sich aktiv vor bakteriellen Angriffen

Die Zellen setzen bei Bedarf proteingefüllte Bläschen frei, die wie Schwämme wirken. Die sogenannten Exosomen fangen giftige Substanzen ab, die von Bakterien im Körper abgegeben werden und die sonst die Hülle der Zellen beschädigen würden. Diesen bisher unbekannten Mechanismus, den es sowohl beim Menschen als auch bei Tieren gibt, beschreibt ein Forschungsteam aus New York in der Fachzeitschrift Nature.

Die Entdeckung könnte erklären, warum bestimmte Personen zwar mit Erregern wie Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus infiziert sind, aber keine Krankheitssymptome entwickeln, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle: Nature


Übermäßiger Lärm könnte mehr als 100 Millionen Menschen in Europa krank machen

Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Umweltagentur. Etwa 113 Millionen Menschen, also etwa jeder fünfte Einwohner in der EU sowie in Island, Norwegen. Liechtenstein und der Schweiz muss demnach mit einem permanenten Geräuschpegel von mindestens 55 Dezibel fertig werden. Das entspricht in etwa der Lautstärke eines normalen Gesprächs.

In dem Bericht, der heute veröffentlicht wurde, benennen die Autoren den Straßenverkehr als Hauptlärmquelle. Außerdem werden Züge, Flugzeuge und Industrie genannt.

Die permanente Lärmbelästigung hat gesundheitliche Folgen: Rund 6,5 Millionen Europäer berichten über schwere Schlafstörungen. Außerdem sind knapp 12.000 vorzeitige Todesfälle auf Umgebungslärm zurückzuführen, heißt es in dem Bericht.

Quelle: Europäische Umweltagentur

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk