Sonntag, 31.05.2020
 
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft11.03.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Chemiker beobachten Pflanzen beim Sonnenschutz +++ Mediziner einigen sich auf ein gemeinsames Schmerzvokabular +++ Beim Dampfen bilden sich Giftgase +++ Große Ökosysteme kollabieren schneller als bislang angenommen +++ Die Ernährung greift in den Verlauf von Multipler Sklerose ein +++ Eine Mutter-Kind-Bindung geht über den Tod hinaus +++

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Chemiker beobachten Pflanzen beim Sonnenschutz

Grüne Pflanzen sammeln Licht mithilfe von Pigmenten und produzieren damit Zucker. Zu viel Licht kann diese Organismen schädigen. Überschüssige Energie können Pflanzen daher nicht nur aufnehmen, sondern auch abgeben und zwar in Form von Wärmestrahlung. Diesen Prozess hat nun erstmals ein Team vom MIT in Boston mithilfe von Elektronenspektroskopie beobachtet. Wie die Chemiker im Fachblatt "NATURE Communications" schreiben, verläuft der Vorgang in einem relativ breiten Lichtspektrum in nur zehn Billiardstel Sekunden. Demnach können Pflanzen extrem schnell auf Veränderungen der Sonnenintensität reagieren, so die Studienautoren.

Quelle: NATURE Communications


Mediziner einigen sich auf ein gemeinsames Schmerzvokabular

Beschreiben Patienten ihren Schmerz, fehlen ihnen häufig die Worte, denn Schmerzen können unterschiedlich erscheinen bezüglich Intensität, Häufigkeit und Ort des Auftretens. Auch viele Mediziner können Schmerzen teils nicht eindeutig benennen und in Kategorien einordnen, da Zahnmediziner Schmerzen anders benennen als etwa Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, auch wenn die Schmerzen im gleichen Körperteil auftreten. Im Januar hatte ein internationales Forschungsteam einen einheitlichen Katalog für Kopfschmerzen vorgestellt, nun gibt es einen vergleichbaren Vorstoß eines Gremiums, das Schmerzen im Bereich Gesicht, Mund und Kiefer im Fachblatt "Cephalalgia" beschreibt. Mithilfe dieser einheitlichen Klassifikation von Schmerzen soll Patienten künftig schneller geholfen werden. Die Studienautoren erhoffen sich eine Aufnahme ihrer "International Classification of Orofacial Pain" ins Handbuch der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Quelle: Eurekalert! | Cephalalgia


Beim Dampfen bilden sich Giftgase

In den vergangenen Monaten hatten mehrere US-Behörden eine wachsende Zahl von Fällen von Lungenverletzungen gemeldet, die mit der Verwendung von E-Zigaretten verbunden sind. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC sind mindestens 68 Menschen nach dem Gebrauch von E-Zigaretten gestorben. Ein Team des Royal College of Surgeons in Ireland hat untersucht, ob Vitamin-E-Acetat, das in einigen Dampfprodukten als Zusatzstoff verwendet wird, tatsächlich Verursacher solcher Verletzungen ist.  Wie die Forschenden im Fachblatt "PNAS" notieren, zeigten die Untersuchungen, dass durch den hitzeinduzierten Abbau von Vitamin-E-Acetat das hochgiftige Gas Keten entsteht. Zudem entdeckten die Studienautoren die Bildung verschiedener flüchtiger Alkene und Benzol, die krebserregende Bestandteile des Tabakrauchs sind.

Quelle: PNAS | CDC


Große Ökosysteme kollabieren schneller als bislang angenommen

Ein britisches Forschungsteam hat mithilfe verschiedener Computermodelle simuliert, wann und wie schnell bestimmte Ökosysteme den sogenannten Kipppunkt erreichen und dann zusammenbrechen. Wie die Forschenden im Fachblatt "NATURE Communications" schreiben, könnte der Amazonas-Regenwald innerhalb von fünf Jahrzehnten verschwinden, die karibischen Korallenriffe bereits in 15 Jahren. Die Studienautoren widerlegen damit die bisherige Lehrmeinung, dass größere Ökosysteme deutlich länger brauchen, um zu kollabieren.

Quelle: NATURE Communications


Die Ernährung greift in den Verlauf von Multipler Sklerose ein

Die kurzkettige Propionsäure beeinflusst die Immunregulation bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Das berichtet ein Team der Ruhr-Universität Bochum im Fachblatt "CELL". Demnach reduziert die Gabe dieser Carbonsäure zusätzlich zu MS-Medikamenten langfristig die Schubrate und das Risiko einer Behinderungszunahme. Zudem weisen erste Kernspin-Untersuchungen im Verlauf darauf hin, dass Propionsäure möglicherweise auch den Gehirnschwund als Zeichen eines Nervenzell-Untergangs reduziert.

Quelle: CELL | RUB


Eine Mutter-Kind-Bindung geht über den Tod hinaus

Ob und wie Tiere auf den Tod eines Artgenossen reagieren, hat ein internationales Forschungsteam in Namibia an wild lebenden Bärenpavianen untersucht. Bei ihren Langzeitbeobachtungen konnten die Primatologen zwölf Fälle dokumentieren, in denen Mütter sich um ihren toten Nachwuchs kümmerten. Wie die Forschenden im Fachblatt "Open Science" der britischen Royal Society darlegen, trugen die Pavianmütter ihre toten Kinder bis zu zehn Tage lang mit sich herum, obschon ihr Verhalten darauf schließen ließ, dass ihnen bewusst war, dass ihr Nachwuchs nicht mehr lebte. Trotzdem pflegten und beschützten sie ihre toten Kinder. Als einen Grund vermuten die Studienautorenn die enge Mutter-Kind-Bindung, die sich nicht plötzlich lösen lässt. In drei Fällen wurde das tote Jungtier auch von anderen Angehörigen der Gruppe getragen. Ob die Pavianmütter um ihre Kinder trauern, lässt sich mithilfe der Daten jedoch nicht bestimmen.

Quelle: Royal Society Open Science

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