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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft20.03.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Kunststoffverpackungen zu öffnen, kann Mikroplastik erzeugen +++ Es gibt weitere Sicherheitsbedenken gegen den Einsatz von Cytotec zur Geburtseinleitung +++ Es gibt wieder mehr Spitzmaulnashörner in Afrika +++ Ein Forschungsteam beschreibt eine versteckte Kohlenstoffquelle in der Arktis +++ Giftige Schlangen als Haustiere zu halten, sollte stärker reguliert sein +++ Pflanzen können Erosion verhindern – aber auch befördern +++ Krötenweibchen werfen auch einen Blick auf Männchen anderer Spezies

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Kunststoffverpackungen zu öffnen, kann Mikroplastik erzeugen

Bislang war bekannt, dass Mikroplastik aus Kosmetikartikeln oder dem Abbau größerer Plastikobjekte im Lauf der Zeit stammt. Jetzt kommt ein Forschungsteam im Fachmagazin Scientific Reports zum Schluss: Auch durch alltägliche Handgriffe wie das Aufdrehen einer Plastikflasche oder das Aufreißen einer Verpackung können kleinste Mengen Mikroplastik frei gesetzt werden – also weniger als fünf Millimeter große Partikel. Ob diese Kunststoff-Stückchen gefährlich sind und wie sie eventuell vom Körper aufgenommen werden, müssen weitere Studien erst noch zeigen.

Mit Hilfe chemischer Tests und mikroskopischer Untersuchungen hatten die Wissenschaftler nachgewiesen, dass beim Öffnen von Schokoladenverpackungen und dem Aufdrehen von Plastikflaschen Mikroplastik anfällt.

In den Experimenten entstanden Fasern oder Dreiecke von Nano- bis Millimetergröße. Je nach Beschaffenheit des Materials könnten sich beim Aufdrehen oder Schneiden pro 300 Zentimeter Kunststoff zehn bis 30 Nanogramm Mikroplastik bilden, schätzen die Autoren.

Quelle: Scientific Reports


Es gibt weitere Sicherheitsbedenken gegen den Einsatz von Cytotec zur Geburtseinleitung

Das berichtet unter anderem die Deutsche Apothekerzeitung in ihrer Online-Ausgabe mit Verweis auf das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz BfArM. Das Arzneimittel mit dem Wirkstoff Misoprostol wurde als Magenschutzmittel zugelassen. Es wird aber auch in der Geburtshilfe eingesetzt, um Wehen auszulösen. Vor kurzem hatten Medien auf vereinzelte schwere Komplikationen durch Cytotec in der Geburtseinleitung aufmerksam gemacht. Das hatte eine Diskussion über den Off-Label-Einsatz des Medikaments ausgelöst.

Jetzt berichtet das BfArM in einem sogenannten Rote-Hand-Brief von zahlreichen neuen Berichten über schwere Nebenwirkungen bei der Anwendung von Cytotec außerhalb der zugelassenen Indikation, darunter Gebärmutterrisse und exzessive Wehen. Laut BfArM liegen für die Anwendung von Cytotec bei der Geburtseinleitung keine ausreichenden Daten zur Beurteilung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses vor.

Zudem wiesen Fallberichte darauf hin, dass Patientinnen häufig nur Teile einer Tablette erhalten, was in einer ungenauen Dosierung resultiert. Das BfArM ruft in seinem Brief dazu auf, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung offiziell zu melden – auch bei einer Anwendung außerhalb der Zulassung.

Quellen: BfArM, DAZ.online


Es gibt wieder mehr Spitzmaulnashörner in Afrika

Zwischen 2012 und 2018 sei die Zahl der in Freiheit lebenden Tiere auf dem Kontinent von etwa 4850 auf mehr als 5600 gestiegen – und damit jährlich um rund 2,5 Prozent. Das hat die Weltnaturschutzunion, kurz IUCN, anlässlich der Aktualisierung ihrer Roten Liste gefährdeter Arten berichtet. Die Organisation führt die Entwicklung auf zahlreiche Schutzanstrengungen für die Nashörner zurück. Sie warnt aber auch davor, dass die Tiere weiterhin vom Aussterben bedroht seien. Es müsse noch mehr gegen Wilderei unternommen werden.

Etwas anders ist die Situation bei Breitmaulnashörnern, die laut IUCN ebenfalls gefährdet sind. Deren Population ist zwar größer. Die Zahl der Tiere nahm von 2012 bis 2017 allerdings um etwa 15 Prozent auf 18.000 Tiere ab.

Das nördliche Breitmaulnashorn, eine Unterart, sei möglicherweise in der Wildnis bereits ausgestorben.

Insgesamt enthält die aktuelle Liste der IUCN 116.177 Arten, von denen mehr als 31.000 als direkt vom Aussterben bedroht gelten.

Quellen: AFPD, IUCN


Ein Forschungsteam beschreibt eine versteckte Kohlenstoffquelle in der Arktis

Der Studie im Fachblatt Nature Communications zufolge gelangen bislang undokumentierte aber erhebliche Mengen gelöster organischer Stoffe in die arktischen Küstengewässer. Die Quelle dafür ist offenbar der Grundwasserfluss auf dem Permafrostboden. Dieses Wasser gelange ungesehen vom Land ins Meer und transportiere dabei Kohlenstoff und andere Nährstoffe in die marinen Nahrungsnetze, so die Autoren nach Untersuchungen in Alaska. Bislang waren Forschende davon ausgegangen, dass der gefrorene Boden in der Arktis für einen geringen Grundwassereintrag vom Land ins Meer sorge.

Welche Rolle diese Einträge für die Ökosysteme an der Küste spielen, ist noch unklar. Sie könnte aber mit dem zunehmenden Abtauen des Permafrosts durch die Erderwärmung in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen, sie die Autoren.

Quelle: Nature Communications


Giftige Schlangen als Haustiere zu halten, sollte stärker reguliert sein

Das fordern zwei Autoren im Fachmagazin Vet Record im Hinblick auf die Zustände in England. Untersuchungen des Fachmagazins hatten gezeigt, dass potenziell tödliche Spezies wie Kobras und Klapperschlangen einfach über Zoohandlungen im Land erhältlich sind. Allerdings sei es schwer, die Tiere artgerecht zu halten. Zudem seien nur wenige Tierärzte ausreichend versichert oder verfügten über das entsprechende Fachwissen, um die Reptilien im Notfall zu behandeln. Es gebe auch keine Kontrollen, wenn Giftschlangen in EU-Ländern gekauft und nach Großbritannien gebracht würden. Die Vorgaben zum Verkauf und Erwerb der Tiere sollten daher verschärft werden, so die Autoren.

Die Haltung von Giftschlangen ist auch in Deutschland umstritten. Derzeit wird in NRW ein von der Landesregierung vorgelegter Gesetzentwurf diskutiert, der ein Verbot der privaten Neuanschaffung von giftigen Schlangen, Spinnen oder Skorpionen vorsieht. Für Personen, die bereits solche Tiere halten, sollen bestimmte Vorschriften gelten, darunter eine Anzeigepflicht sowie der Nachweis der persönlichen Zuverlässigkeit und einer Haftpflichtversicherung.

Quellen: Vet Record, Landtag NRW


Pflanzen können Erosion verhindern – aber auch befördern

Zu diesem Schluss kommt ein dreiköpfiges Forschungsteam der Universität Tübingen im Fachmagazin Science. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler einen 3.500 Kilometer langen Abschnitt entlang des Westrandes der Anden in Chile und Peru über unterschiedliche Klimazonen untersucht. Dabei zeigte sich: Eine dichte Pflanzendecke schützt nicht automatisch vor Bodenerosion im Gebirge. Vegetation und Niederschläge können im Zusammenspiel vielmehr ganz unterschiedliche Folgen haben.

In der Atacama-Wüste stabilisiert die Vegetation zum Beispiel den Untergrund. In feuchteren Regionen mit dichterer Pflanzendecke ermittelten die Forscher dagegen eine höhere Erosionsrate. Der Grund: Wo die Vegetation üppig ist, fällt auch viel Regen – und der verstärke insgesamt die Erosion. Außerdem könnten Pflanzen mit ihren Wurzeln Gestein in lockeren Boden aufbrechen – der durch Niederschläge wiederum einfacher weggespült werden kann.

Quelle: Science


Krötenweibchen werfen auch einen Blick auf Männchen anderer Spezies

Weibliche Schaufelfußkröten aus Nordamerika bevorzugen unter bestimmten Umständen Vertreter einer anderen Krötenart zur Paarung. Das berichten zwei Forscherinnen aus den USA im Fachblatt Science. Bislang haben Forschende meist angenommen, dass durch solche Kreuzungen entstehende Hybride eine geringere Fitness haben. Die aktuelle Studie weist nun darauf hin, dass artübergreifende Paarungen auch besonders gut angepasste Nachkommen hervorbringen können.

Die Forscherinnen berichten, dass weibliche Flachlandschaufelfußkröten mitunter gezielt männliche Gebirgsschaufelfußkröten zur Paarung wählen. Das machen sie besonders oft, wenn die Tümpel schnell auszutrocknen drohen, in denen ihre Kaulquappen heranwachsen. Denn diese entwickeln sich schneller, wenn die Väter der anderen Art angehören – und sind so kürzere Zeit auf das Wasser angewiesen.

Die Studie verdeutlicht, dass die Weibchen einer Art über den Fortpflanzungserfolg von Männchen einer anderen Spezies mitentscheiden können.

Quelle: Science



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