Montag, 28.09.2020
 
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft27.03.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Eine Studie gibt neue Einblicke, warum Pflanzen vorzeitig Blüten und Früchte abwerfen +++ Das Coronavirus könnte von infizierten Müttern auf ihr ungeborenes Kind übertragen werden +++ Eine Studie soll zeigen, wie viele Menschen in Deutschland bereits immun gegen das neue Coronavirus sind +++ Eine Schwammart könnte im Kampf gegen Viren helfen +++ Ein Fossilfund gibt neue Einblicke in die Evolution fleischfressender Dinosaurier +++ Bakterien könnten helfen, das Krebsrisiko bei HPV-infizierten Frauen früher zu erkennen +++ Der Klimawandel verschiebt das Leben polwärts

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Eine Studie gibt neue Einblicke, warum Pflanzen vorzeitig Blüten und Früchte abwerfen

Apfelbäume, Baumwolle oder Sojabohnen: Viele Kulturpflanzen reagieren auf Dürre, indem sie Organe aufgeben, bevor diese ausgereift sind. So sparen sie Energie. Ein Forschungsteam der Universität Hohenheim beschreibt jetzt in einer Studie im Fachmagazin Science den molekularen Mechanismus hinter diesem Phänomen am Beispiel von Tomaten. Die Arbeit der Wissenschaftler zeigt: Trockenstress führt zur Bildung eines bestimmtes Enzyms, das das Peptidhormon Phytosulfokin aktiviert. Dieses wiederum bewirkt im Ansatz der Stiele, dass die Zellwände sich auflösen und Blüten abgeworfen werden.

Bislang war über das Peptidhormon nur bekannt, dass es das Wachstum fördert und das Abwehrsystem der Pflanze beeinflusst.

Unter normalen Umständen wird das Abwerfen von reifen Früchten oder von Blättern im Herbst durch das Hormon Ethylen ausgelöst.

Quelle: Science


Das Coronavirus könnte von infizierten Müttern auf ihr ungeborenes Kind übertragen werden

Bislang ist dieser Übertragungsweg umstritten. Jetzt schildern chinesische Mediziner im Fachmagazin JAMA einen Fall, der darauf hinweist, dass eine sogenannte vertikale Infektion möglich ist. Demnach wurden bei einem Neugeborenen einer an Covid-19 erkrankten Mutter erhöhte Antikörperspiegel gegen Sars-CoV-2 nachgewiesen.

Das weist den Autoren zufolge darauf hin, dass das Kind im Uterus infiziert wurde. Zwar könne eine Infektion bei der Geburt nicht ausgeschlossen werden. Die Antikörper würden aber normalerweise erst einige Tage nach einer Infektion auftauchen. Zudem konnten im Vaginalsekret der Mutter keine Coronaviren nachgewiesen werden.

Die Mediziner verweisen allerdings darauf, dass es sich um eine Einzelfallstudie handelt und dass keine PCR-Tests von Fruchtwasser oder Plazenta durchgeführt wurden.

Eine im Februar im Fachblatt The Lancet vorgelegte Untersuchung hatte bei neun Frauen keine Übertragung des Virus auf ihren Nachwuchs gezeigt.

Quellen: JAMA; The Lancet


Eine Studie soll zeigen, wie viele Menschen in Deutschland bereits immun gegen das neue Coronavirus sind

Das berichtet der Spiegel in einem Online-Artikel. An der geplanten – allerdings noch nicht endgültig bewilligten – Studie sind demnach unter anderem das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, das Robert Koch-Institut und das Institut für Virologie der Charité in Berlin beteiligt. Bluttests bei mehr als 100.000 Menschen sollen ab dem kommenden Monat zeigen, wer bereits mit Sars-CoV-2 infiziert war und Antikörper gebildet hat. So wollen die Forschenden neue Erkenntnisse zur Durchseuchung der Bevölkerung und zur Sterberate unter den Infizierten gewinnen.

Laut Spiegel können die Ergebnisse der Studie auch als Entscheidungshilfe dienen, wann Schulen wieder geöffnet und Großveranstaltungen erlaubt werden können.

Quelle: Der Spiegel


Eine Schwammart könnte im Kampf gegen Viren helfen

Goldschwämme sind im Mittelmeer und Atlantik verbreitet. Die gelblichen, koloniebildenden Tiere produzieren natürlicherweise Substanzen, die das Wachstum von Viren und deren Eintritt in Zellen hemmen. Ein Forschungsteam der TU Freiberg hat den bioaktiven Wirkstoff im Lauf der vergangenen Jahre erforscht und größere Mengen davon isoliert. Im Fachmagazin Materials Science and Engineering C beschreiben die Wissenschaftler das pharmakologische Potenzial der Schwamm-Substanz. Dem Hauptautor der Studie zufolge könnte künftig auch getestet werden, ob sie gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wirkt.

Die Substanz hat nicht nur antivirale sondern auch antibakterielle und antiparasitäre Eigenschaften. Die Wirkung beruht Bromtyrosinen. Diese chemischen Stoffe produzieren die Schwämme zur Abwehr, wenn ihr Gewebe verletzt wurde. Den Wirkmechanismus haben die Forscher in ihrer Studie anhand von Tumorzellen nachgewiesen.

Die Bromtyrosine haben die Wissenschaftler mit Hilfe von Mikrowellenstrahlung aus den Zellen und Skelettfaser gezüchteter Goldschwämme extrahiert.

Quelle: Materials Science and Engineering: C


Ein Fossilfund gibt neue Einblicke in die Evolution fleischfressender Dinosaurier

In New Mexiko hat ein US-Forschungsteam die Überreste einer zuvor unbekannten Dinosaurier-Spezies entdeckt. Die Art zählt zu den sogenannten Dromaeosauriden – eine Gruppe relativ kleiner, zweibeinig laufender, gefiederter Fleischfresser, zu der auch Velociraptoren gehören. Das Tier lebte offenbar in der späten Kreidezeit vor etwa 70 Millionen Jahren. Der Fund weise darauf hin, dass die Familie diverser gewesen sei als bislang bekannt – kurz bevor es vor gut 65 Millionen Jahren zum Massenaussterben der Dinosaurier gekommen sei. Die Studie ist im Fachmagazin Scientific Reports erschienen.

Die neue beschriebene Art weist eine Reihe charakteristischer Merkmale auf, darunter Wirbel in der Nähe der Schwanzbasis, die sich nach innen krümmen. Das könnte die Beweglichkeit der Tiere verbessert und und so ihren Jagderfolg erhöht haben.

Der Name der neu beschriebenen Art ist Dineobellator notohesperus. Das bedeutet "Navajo-Krieger aus dem Südwesten" - ein Verweis auf die noch heute in der Region lebende Ureinwohner-Ethnie.

Quelle: Scientific Reports


Bakterien könnten helfen, das Krebsrisiko bei HPV-infizierten Frauen früher zu erkennen

Infektionen mit Humanen Papillomaviren, kurz HPV, zählen zu den häufigsten sexuell übertragenen Infektionen und können unter anderem zu Gebärmutterhalskrebs führen. Bislang ist unklar, warum das nur bei einem kleinen Teil der HPV-Infektionen geschieht. Jetzt berichtet ein Forschungsteam im Fachblatt Plos Pathogens: Bakterien der Gruppe Gardnerella im Mikrobiom von Gebärmutterhals und Vagina könnten ein Hinweis darauf sein, dass bei Frauen mit einer HPV-Infektion eine Vorstufe von Krebs droht.

Die Wissenschaftler hatten Proben aus der Gebärmutter von mehr als 270 HPV-infizierten Frauen untersucht. Dabei zeigte sich, dass Gardnerella-Bakterien – gefolgt von einem Anstieg der mikrobiellen Vielfalt – ein sogenannter Biomarker für das Fortschreiten einer Infektion in Richtung Tumor sind. Die genauen Zusammenhänge dahinter sind allerdings noch unklar.

Eventuell lasse sich künftig auch das Mikrobiom gezielt manipulieren, um das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern, so die Autoren.

Quelle: PLOS Pathogens


Der Klimawandel verschiebt das Leben polwärts

Eine Studie im Fachblatt Current Biology zeigt, dass sich duch die Erwärmung der Ozeane das Vorkommen von Säugetieren, Fischen, Pflanzen, Plankton und Seevögeln im Meer verändert. Demnach nahm die Dichte der Arten am polwärts gelegenen Ende ihres jeweiligen Verbreitungsgebietes zu. Dort eröffnet die Erwärmung offenbar neue, bislang unzugängliche Lebensräume. In der Nähe des Äquators nahm die Dichte dagegen ab – vermutlich weil es dort zu warm wird.

Einige Arten nahe der Polgrenze scheinen so insgesamt vom Klimawandel zu profitieren. Manche Populationen in der Nähe des Äquators drohen dagegen durch die Erwärmung auszusterben. Beide Entwicklungen könnten dem marinen Ökosystem schaden, warnen die Autoren.

Die Forscher hatten Daten zu etwa 300 marinen Spezies aus 540 Studien analysiert. So konnten sie die Verbreitung der Lebewesen im Lauf des vergangenen Jahrhunderts rekonstruieren. In dieser Zeit haben sich die Weltmeere um mehr als ein Grad Celsius erwärmt.

Quelle: Current Biology

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