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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft30.03.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Hälfte der Deutschen hält Handyortung beim Kampf gegen Covid-19 für sinnvoll +++ Stammzellen gegen Makuladegeneration +++ Löwen scheren sich nicht um Nationalparks +++ Weiche Gehirnimplantate +++ Abhörsichere Satellitenkommunikation +++ Psychische Probleme senken Wahrscheinlichkeit, ein zweites Kind zu bekommen

Von Piotr Heller

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Die Hälfte der Deutschen ist dafür, beim Kampf gegen Covid-19 auch auf Handyortung zu setzen

Das geht aus einer Online-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presseagentur hervor. Von über 2000 Befragten sagten 50 Prozent, sie fänden es sinnvoll, Handy-Daten auszuwerten, um Kontaktpersonen von Infizierten zu finden. 38 Prozent hielten ein derartiges Vorgehen für unangemessen.

Laut dem Handelsblatt wollte Gesundheitsminister Jens Spahn das Handy-Tracking per Gesetz zulassen, ruderte dann jedoch zurück. Wie die dpa berichtet, ist das Thema aber nicht vom Tisch: Es solle bei Beratungen nach Ostern eine Rolle spielen, wenn es um eine Phase der Pandemie-Bekämpfung gehe, bei der Einschränkungen der persönlichen Freiheiten nach und nach wieder gelockert werden könnten.
 
Quelle: dpa | Handelsblatt


Stammzellen sollen bei der Behandlung von Makuladegeneration helfen

Die Erkrankung ist eine der Hauptursachen dafür, dass ältere Menschen erblinden. Zu dem Sehverlust kommt es, weil bestimmte Zellen in der Netzhaut absterben. Um diesen Prozess zu stoppen, gibt es schon länger die Idee, die abgestorbenen Netzhautzellen durch intakte zu ersetzen, die aus embryonalen Stammzellen gezüchtet werden. Forscher aus Schweden sind diesem Ziel nun gleich zwei Schritte nähergekommen.

Den ersten haben sie im Fachblatt Nature Communications beschrieben: Sie haben Marker auf der Oberfläche der Zellen gefunden, mit denen man sie einfach erkennen kann. Somit können sie die Zellen effektiv züchten, ohne dass die Zellkultur durch andere Typen verunreinigt wird. Die Wissenschaftler haben bereits begonnen, Zellen für eine erste klinische Studie herzustellen.

Doch sobald man die Zellen ins Auge einpflanzt, könnte das Immunsystem des Empfängers sie angreifen. Das zu verhindern, war das Ziel des zweiten Schritts der Forscher. Mittels der Genschere Crispr/Cas entfernten sie bestimmte Moleküle von der Oberfläche der Stammzellen und versteckten sie dadurch vor dem Immunsystem. Diesen Aspekt seiner Arbeit hat das Team in den Stem Cell Reports beschrieben.
 
Quelle: Stem Cell Reports | Natrue Comunications | Pressemitteilung 


Westafrikas Löwen scheren sich nicht um Nationalparks

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler, die Löwen im Grenzgebiet zwischen Benin, Burkina Faso und Niger beobachtet haben. Dort gibt es fünf Nationalparks, wo die Tiere vor menschlichen Einflüssen geschützt sind. Die Parks grenzen jedoch an Jagdgebiete.

Die Forscher haben vermutet, dass die scheuen Tiere die Jagdgebiete meiden würden. Doch die Aufnahmen aus knapp 240 Fotofallen zeichneten ein anderes Bild: Tatsächlich hielten sich die Löwen ebenso häufig in den Jagdgebieten wie in den Nationalparks auf, schreiben die Wissenschaftler im Journal of Applied Ecology.

Sie vermuten, dass üppige, teils künstlich angelegte Wasserstellen und eine Vielzahl an Beutetieren die Löwen trotz ihrer Scheu in die Jagdgebiete locken. Daher fordern sie, die Nationalparks für die Tiere attraktiver zu gestalten.
 
Quelle: Journal of Applied Ecology 


Wissenschaftler drucken weiche Gehirnimplantate

Gehirnimplantate sind Elektroden, die Ströme in Nervenzellen messen oder sie stimulieren. Sie dienen etwa zur Behandlung von Epilepsie, könnten aber auch Gelähmten dabei helfen, Roboterarme zu steuern.

Das Problem ist, dass solche Neuroimplantate bislang aus Metall bestehen und hart sind. Somit können sie das Gehirn verletzen. Forscher des MIT haben nun einen Kunststoff entwickelt, der Strom leitet und sich mit einem 3D-Drucker verarbeiten lässt.

Wie sie im Magazin Nature Communications schreiben, haben sie damit Gehirnimplantate gedruckt und erfolgreich an Mäusen getestet. Die Kunststoff-Elektroden waren weich und schmiegten sich passgenau an das Gehirn an. Da die Methode auf 3D-Druck setzt, kann man mit ihr schnell Prototypen herstellen, was die Forschung an Neuroimplantaten erleichtern könnte.
 
Quelle: Nature Communications


Eine neue Photonenquelle soll abhörsichere Satellitenkommunikation ermöglichen

Für die Quantenkryptographie braucht man verschränkte Photonen. Bislang konnte man für die Verschlüsselungsmechanismen nur Photonen im Nahinfrarot-Bereich von 700 bis 1550 Nanometern nutzen.

Das Problem dabei ist, dass Photonen dieser Wellenlänge von der Erdatmosphäre absorbiert oder durch das Sonnenlicht gestört werden. Eine quanten-verschlüsselte Satellitenkommunikation ist damit kaum zu bewerkstelligen.

Forscher aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Japan haben im Magazin Scinece Advances nun eine Lösung präsentiert: Ihnen ist es gelungen, verschränkte Photonen mit 2100 Nanometern Wellenlänge herzustellen, die die Technik robuster und leistungsfähiger machen könnten. Derzeit arbeiten sie daran, das Verfahren zu miniaturisieren, um daraus eine praxistaugliche Quantenverschlüsselung zu entwickeln.

Quelle: Science Advances


Psychische Probleme nach der ersten Geburt senken die Wahrscheinlichkeit, ein zweites Kind zu bekommen

Das zeigen Daten von über 400 000 Frauen aus Dänemark, die ein Forscherteam ausgewertet hat. Über 4300 dieser Frauen wurden in den Monaten nach der Geburt wegen psychischer Probleme behandelt. Bei diesen Frauen war die Wahrscheinlichkeit, ein zweites Kind zu bekommen, um ein Drittel geringer als bei Frauen, die derartige Probleme nicht hatten. Das schreiben die Wissenschaftler im Magazin Human Reproduction.

Sie haben keine Informationen darüber, warum die Frauen sich tatsächlich gegen weitere Kindern entschieden haben. Falls es sich um Angst vor einer Rückkehr der psychischen Probleme handelte, solle man den Betroffenen klarmachen, dass es klinische Möglichkeiten gibt, dem vorzubeugen, heißt es von der Hauptautorin der Studie.
 
Quelle: Human Reproduction | Pressemitteilung 

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