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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft28.04.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Ein Medikament gegen Arthritis hilft nicht gegen COVID-19 +++ Ein Gen lässt Pflanzen leuchten +++ Ein VR-System bietet auch haptische Erlebnisse +++ Wirbelstürme verändern Eidechsenfüße +++ Hochgeschwindigkeitszüge bringen Feinstaub in Bahnhöfe ein +++ Kochgeschirr verrät frühe Milchbauern +++ Das Herpesvirus ist entschlüsselt +++

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Ein Medikament gegen Arthritis hilft nicht gegen COVID-19

Im Februar wurde eine Studie in China publik, bei der 21 COVID-19-Patienten mit einem Medikament gegen Arthritis behandelt wurden. Das Fieber der Patienten verschwand innerhalb weniger Tage, zudem hätten sich alle anderen Symptome merklich verbessert. Die Mediziner folgerten, dass das von ihnen eingesetzte Medikament Tocilizumab der Firma Roche eine wirksame Behandlung bei Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf ermöglicht. Jetzt hat ein US-Team das Arthritis-Medikament Sarilumab untersucht, das als Kevzara vermarktet und von den Pharmakonzernen Regeneron und Sanofi hergestellt wird. Bei der klinischen Studie an gut 450 COVID-19-Patienten erhielten die Teilnehmenden entweder 400 oder 200 Milligramm Sarilumab oder ein Placebo. Erste Ergebnisse zeigen, dass das Arthritis-Medikament Sarilumab COVID-19-Patienten, die nicht beatmet werden müssen, nicht hilft. Die Studie an schwer erkrankten Patienten wird fortgesetzt.

Quelle: Regeneron | Studie China


Ein Gen lässt Pflanzen leuchten

Ein Team der Russischen Akademie der Wissenschaften hat bei einer Studie Erbgutstücke eines Pilzes in Tabak überführt, woraufhin diese Pflanzen ebenso wie der Pilz hellgrün leuchten konnten. Wie die Forschenden im Fachblatt NATURE Biotechnology schreiben, war der Kernpunkt ein Molekül, das Organismen zur Bildung von Zellwänden benötigen. Diese natürliche Lichtproduktion wirkt sich demnach nicht auf die Gesundheit der Tabakpflanzen aus. Gentechnisch modifizierte Pflanzen, die schwach leuchten können, gab es bereits. In früheren Studien hatten Teams unter anderem Enzyme von Leuchtkäfern dazu verwendet.

Quelle: NATURE Biotechnology


Ein VR-System bietet auch haptische Erlebnisse

Virtual-Reality-Systeme können Menschen in eine andere Welt versetzen, bislang war dies aber nur über visuelle und akustische Eindrücke möglich. Ein Team der Carnegie Mellon University hat ein VR-Gerät entwickelt, mit dem Nutzerinnen und Nutzer auch ein haptisches Feedback erhalten. Dabei werden an Fingern und Händen Schnüre befestigt, die mit einem Gerät verbunden sind, das auf der Schulter der Nutzer befestigt ist. Die Seile simulieren das Gefühl von Hindernissen und schweren Gegenständen. Damit ist es etwa möglich, die Konturen einer virtuellen Skulptur zu spüren, Widerstand zu erleben, wenn Nutzer auf ein Möbelstück drücken oder einem virtuellen Charakter die Hand geben.

Quelle: Eurekalert!


Wirbelstürme verändern Eidechsenfüße

2017 verursachten die Hurrikans Irma und Maria gewaltige Schäden in der Karibik und auf den Bahamas. Ob und wie sich diese Wirbelstürme auf die Tierwelt ausgewirkt haben, hat ein Team der Washington Universität in Saint Louis an Eidechsen untersucht. Die Forschenden analysierten die Vielfalt und das Vorkommen von 200 Eidechsenpopulationen und glichen diese Daten mit den Extremwettern ab. Dabei entdeckten sie einen Zusammenhang zwischen den Zehenpolstern der Tiere und der Häufigkeit der Hurrikans, heißt es im Fachblatt PNAS. Demnach überlebten vor allem Eidechsen mit großen, griffigen Zehenpolstern die Hurrikan-Saison 2017. In der nächsten Generation waren diese Füße, mit denen die sich die Tiere gut festhalten können, weiter verbreitet als in den Jahrzenten zuvor. 

Quelle: PNAS


Hochgeschwindigkeitszüge bringen Feinstaub in Bahnhöfe ein

Während Magnetschnellbahnsysteme wie der Transrapid aufgrund der Schwebetechnik und des berührungslosen Antriebs keinen Feinstaub erzeugen, entstehen beim Betrieb von Rad-Schienen-Hochgeschwindigkeitsbahnsystemen Feinstaubpartikel. Bislang war unbekannt, wie groß die emittierten Mengen sind. Das hat ein Team der Technischen Hochschule Deggendorf untersucht. Demnach emittierte ein ICE-Hochgeschwindigkeitszug der Baureihen 1 bis 4 im Jahr bis zu 4,9 Tonnen Feinstaub. Vor allem bei Bahnhofseinfahrten entstehen dabei kurzzeitige Feinstaubemissionsspitzen, was besonders bei Bahnhöfen in Tunnellage zu Problemen führen kann.

Quelle: TU Deggendorf


Kochgeschirr verrät frühe Milchbauern

Die Jungsteinzeit gilt als erste Revolution der Menschheit. Ackerbau und Viehzucht lösten allmählich das Jagen und Sammeln ab. Vor allem Rinder, Schafe und Ziegen trugen zum Überleben der ersten Bauern bei, da diese Tiere auch im Winter Milch produzierten. Wann und wo sich in Europa entlang des Atlantiks der bäuerliche Lebensstil durchgesetzt hat, hat ein internationales Team an 24 Ausgrabungsstätten untersucht. Dabei konzentrierten sich die Forschenden auf die Nahrungsmittelreste, die sie in den bis zu 7.000 Jahre alten Keramiken finden konnten. Demnach siedelten die ersten Milchbauern in Südeuropa und kamen erst später in den Norden, wo sich die Milchwirtschaft aber erfolgreicher durchsetzte, heißt es im Fachblatt NATURE Communications.

Quelle: NATURE Communications


Das Herpesvirus ist entschlüsselt

Rund 90 Prozent der Menschen in Deutschland tragen das Herpes-simplex-Virus 1 in sich, allerdings meist im Ruhezustand. Der Erreger löst Lippenherpes aus, kann aber auch lebensbedrohlich werden. Ein internationales Genetik-Team hat nun das Erbgut des Erregers mithilfe neuester systembiologischer Methoden entschlüsselt. Wie die Forschenden im Fachblatt NATURE Communications notieren, können sie nun die einzelnen Gene des Herpes-simplex-Virus 1 genauer als bislang analysieren. Sie hoffen, dass diese Daten helfen, einen Wirkstoff zu entwickeln, der auch die schlummernden Herpesviren bei Patienten bekämpfen kann.

Quelle: NATURE Communications 

     

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