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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft05.05.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

2070 könnte jeder dritte Mensch unter großer Hitze leiden +++ Das Leben unter einer Wasserstoffatmosphäre ist möglich +++ Genetiker rekonstruieren die Evolution der Löwen +++ Pilze könnten gegen Malaria wirken +++ Turbulenzen im Blut sind nicht ungewöhnlich +++ Geowissenschaften können bei globalen Krisen helfen +++ Mikroben wandeln Gestein in Wasser +++

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

2070 könnte jeder dritte Mensch unter großer Hitze leiden

Wenn der Ausstoß der Treibhausgase nicht deutlich reduziert wird, könnten in fünf Jahrzenten rund 3,5 Milliarden Menschen unter großer Hitze leiden. Damit würden sie in Regionen leben, in der die jährliche Durchschnittstemperatur mehr als 29 Grad Celsius beträgt. Das geht aus Analysen eines internationalen Teams hervor, das seine Daten im Fachblatt PNAS vorstellt. Die Forschenden hatten die bevorzugten Siedlungsgebiete mit den klimatischen Bedingungen in diesen Regionen analysiert und diese mit der Klimaprognose aus dem 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) abgeglichen. Den Hochrechnungen zufolge könnte es 2070 in einem Drittel der bewohnten Regionen dann zu heiß für die dortige Bevölkerung werden.

Quelle: PNAS


Das Leben unter einer Wasserstoffatmosphäre ist möglich

Zumindest können Mikroorganismen in einer Atmosphäre mit 100 Prozent Wasserstoff überleben und wachsen, berichtet ein internationales Forschungsteam im Fachblatt NATURE Astronomy. Bei Experimenten im Labor konnten sich sowohl E.coli Bakterien als auch Hefe unter einer Wasserstoffatmosphäre vermehren, jedoch langsamer als unter Normalbedingungen. Felsige Exoplaneten können eine erhebliche Menge Wasserstoff in ihrer Atmosphäre zurückhalten. Demnach könnte das Leben in einer viel breiteren Vielfalt exoplanetarer Umgebungen gedeihen als bisher angenommen.

Quelle: NATURE Astronomy


Genetiker rekonstruieren die Evolution der Löwen

Bislang war ungeklärt, wie sich der Stammbaum der heute lebenden und bereits ausgestorbenen Großkatzen entwickelt hat. Um Abhilfe zu schaffen, hat ein Team um Tom Gilbert von der Universität Kopenhagen die Genomdaten von 20 Löwen analysiert, darunter Proben heutiger Tiere aus Afrika und Indien, zudem Proben von ausgestorbenen Populationen aus der Eiszeit aus Sibirien oder Nordamerika. Demnach lebte der letzte gemeinsame Vorfahre von Höhlenlöwe und modernen Löwen vor rund 500.000 Jahren, heißt es im Fachblatt PNAS. Nach der Trennung kam es offenbar nicht mehr zu weiteren Vermischungen. Die beiden Hauptlinien moderner Löwen gingen wahrscheinlich vor etwa 70.000 Jahren auseinander.

Quelle: PNAS


Pilze könnten gegen Malaria wirken

Malaria ist mit etwa 200 Millionen Erkrankten pro Jahr die häufigste Infektionskrankheit der Welt; einen Impfstoff gegen die Tropenkrankheit gibt es bislang nicht. Einen neuen Ansatz zur Kontrolle der Krankheit  haben Forschende der Universität Glasgow ausgemacht. In Kenia haben sie einen Darmpilz entdeckt, der Mücken gegen Malaria immunisiert. Demnach können mit dem Pilz infizierte Mücken Malaria nicht an Menschen weitergeben, heißt es im Fachblatt NATURE Communications. Die Studienautoren schlagen vor, Pilzsporen oder immunisierte Mücken gezielt einzusetzen. Tragen 40 Prozent einer Mücken-Population den Pilz in sich, könnte die Infektionsrate bei Menschen deutlich gesenkt werden.

Quelle: NATURE Communications


Turbulenzen im Blut sind nicht ungewöhnlich

Unregelmäßiger Blutfluss wird mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht, die zu Arteriosklerose führen können, einer der häufigsten Todesursachen. Bislang wurde der Blutfluss im gesunden menschlichen Körper aufgrund seiner geringen Geschwindigkeit und hohen Viskosität als überwiegend gleichmäßig angenommen. Dem widerspricht ein Medizinerteam aus China, Österreich und Deutschland im Fachblatt PNAS. Modellierungen von Turbulenzen im Blutfluss zeigen, dass die Blutgefäße mit ihren geometrischen Unregelmäßigkeiten wahrscheinlich mehr Turbulenzen verursachen als bisher angenommen. Demnach könnten Turbulenzen vor allem bei einer Verlangsamung des pulsierenden Blutflusses zwischen Herzschlägen entstehen.

Quelle: PNAS | IST Asutria


Geowissenschaften können bei globalen Krisen helfen

Die Menschheit steht vor vielen Herausforderungen, deren Umfang, Komplexität und Dringlichkeit das Erreichen der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung gefährden können. Bei der Bewältigung dieser Aufgaben, etwa dem Kampf gegen die globale Erwärmung, kommt den Geowissenschaften eine wichtige Rolle zu, heißt es in einer Erklärung der sechs größten geowissenschaftlichen Gesellschaften anlässlich der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU). Die Forschenden wollen der Menschheit helfen, indem sie ihre Forschungsergebnisse wirksam kommunizieren, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft zu stärken und politische Entscheidungsträger sowie eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Quelle: EGU


Mikroben wandeln Gestein in Wasser

Auf diese besondere Fähigkeit bestimmter Wüsten-Bakterien ist ein Team der Universität von Kalifornien in Irvine aufmerksam geworden. Demnach verwandeln Cyanobakterien Gips beziehungsweise Calciumsulfat-Dihydrat durch organische Säuren in Anhydrit. Dabei werden nutzbare Wassermoleküle frei, notieren die Forschenden in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften. Dieses chemische Verfahren der Wassergewinnung zeigt, dass mikrobielles Leben auch in offenbar wasserfreien Umgebungen wie auf dem Mars möglich ist.

Quelle: PNAS

  

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